AUSTERE - Withering Illusions And Desolation (Re-Release)

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VÖ: 10.01.2014
Bandinfo: AUSTERE
Genre: Black Metal
Label: Eisenwald Tonschmiede
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Lineup  |  Trackliste

Aufgepasst – wer sich am liebsten auf sattgrünen Wiesen von der Frühlingssonne bescheinen lässt, Michael Mittermeier als Top-Komödianten bezeichnet und mit einem herzhaft herausgepressten „Wunderschönen guten Morgen“ in die Küche tänzelt, der sollte ganz im Allgemeinen überlegen, ob er bei uns Sturmbringern richtig ist und besonders bei dieser Rezension lieber fröhlich pfeifend das Weite suchen. Die Australier von AUSTERE spielen nämlich schwer depressiven, schmerzerfüllten und mit einer ordentlichen Kante Hass versehenen Black Metal, gegen den die Diskografie von GORGOROTH wie der freudige Clownsgesang im örtlichen Quartalszirkus wirkt. Ohne Scheiß – hier sollten Hobby-Depris lieber die Messer versperren!

Ich hatte in den letzten Jahren schon die Ehre, die EP „Only The Wind Remembers“ und die 2009er Full-Length „To Lay Like Old Ashes“ zu begutachten und habe diverse Songparts noch immer in den Ohren säuseln. Der Eisenwald Tonschmiede sei Dank, gibt es jetzt auch das 2007er Debütalbum „Withering Illusions And Desolation“ in der Neuauflage. Remastered, mit neuem (bunterem) Artwork und im schmucken Digipak getütet – so muss das! Rein musikalisch waren die beiden Kapuzen-behangenen Käuze Desolate (git, bass, voc) und Sorrow (dr, voc) in ihren Anfangstagen noch schwermütiger zu Gange. Bereits der Opener „Unending Night“ entführt den unvorbereiteten Hörer direkt in das höllische Fegefeuer, wirft ihn aber nicht stumpf auf des Satans Frühstücksteller, sondern lässt ihn erst einmal durch Sodom und Gomorrha wanken, nur um ihm dann sämtliche Zehen- und Fingernägel im Zeitlupentempo einzeln rauszureißen. So in etwa klingen hier die Vocals.

Musikalisch schälten sich AUSTERE schon damals in ein paralysierendes und hoch atmosphärisches Klanggewand, das aus monotonen Riffs und roh-scheppernden Drums besteht. „…Memories“, „The Dawn Remains Silent“ oder das Albumhighlight, „Withering Illusions And Desolation“, ziehen jeglichen Anflug von positiver Stimmungslage so richtig derbe runter und verwandeln dabei den schönsten Tag in ein nebelbehangenes Sumpfmoor der musikalischen Tristesse. Nur der 19-minütige Abschlusstrack „Coma“ ist ein bisschen zu viel des Bedrückten – hier wirkt die Formel Depression + musikalisches Können = AUSTERE nicht mehr so ganz. „Withering Illusions And Desolation“ ist nicht ganz so zwingend und professionell wie die Nachfolger, aber noch heute Upper-Class-Suicide-Black-Metal der gemächlichen Sorte. Zu schade, dass sich die Jungs schon vor knapp vier Jahren aufgelöst haben. Aber hey – es gibt ja zahlreiche Nachfolgeprojekte. Und die beweisen genauso, dass in New South Wales nicht immer das Känguru tanzt und der Koala steppt.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (28.01.2014)

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