NIKKI SIXX - Leben heißt Leiden: Fotografie. Musik. Kunst. (Nikki Sixx)

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VÖ: 30.08.2013
Bandinfo: NIKKI SIXX
Genre: (nicht klassifizierbar)
Label: Iron Pages
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Lineup  |  Trackliste

Eine große Ära geht zu Ende. Nachdem MÖTLEY CRÜE unlängst ihren – vertraglich abgeschlossenen! – endgültigen Abgang in die Rock’n’Roll-Totenhalle verkündet haben, hat die Musikwelt die mit Abstand populärste, aber auch beste und skandalträchtigste Glam-Rock-Band aller Zeiten verloren. Wer jemals die bahnbrechende Biografie „The Dirt“ gelesen hat weiß, wie gut Musikbücher eigentlich sein können. Bassisten-Schönling NIKKI SIXX stand dem mit seinen schonungslosen „Heroin Diaries“ um nichts nach und pfefferte ein detailreiches Werk voller Nahtoderlebnisse, Band-Skandale und Abartigkeiten in den Orbit. Ob wahr oder nicht, bleibt – neutral gesprochen – offen, jedenfalls hat sich das Dings mehr als nur gut verkauft.

In diese Kerbe stößt der Mittfünfziger nun auch mit seinem zweiten, thematisch mehr auf die Kunst fokussierten Band „Leben heißt Leiden: Fotografie. Musik. Kunst.“. NIKKI stellt die vielen Suchtgeschichten diesmal deutlich in Hintergrund und versucht dem interessierten Leser seine große Leidenschaft vorzustellen: die Fotografie. Dennoch ist „Leben heißt Leiden“ – wie es der Titel eigentlich schon ankündigt – kein reiner Bildband, sondern vermischt sich so manch interessanten Erinnerungen des musizierenden Lebemannes. Wer sich mit dem Kult-Bassisten schon mal genauer beschäftigt hat weiß, dass hierbei nicht auf eine ordentliche Portion Theatralik und Mitleids-Hascherei verzichtet wird. Wenn er etwa seitenweise über die On/Off-Beziehung mit seiner „Seelenpartnerin“ Kat von D. schwadroniert, vom fehlenden Mitgefühl seiner CRÜE-Kollegen jammert oder gegen all die bösen Dämonen in seinem Kopf ankämpft, fühlt man sich als Leser im besten Fall belehrt, im schlimmsten Fall angewinselt.

Trotzdem zeigt sich der „schwierige Typ“ (O-Ton SIXX im Buch) sehr offen und erzählt etwa von einem bislang unbekannten und wirklich tragischen Kapitel über seine verloren geglaubte und schlussendlich verstorbene Halbschwester und gräbt tief in der persönlichen Vergangenheit, um die Gründe für seine Unkontrollierbarkeit und sein oftmals mühsames Gebären zu finden. Die Dreiermischung „Rockstar, US-Amerikaner und hohes Selbstbewusstsein“ macht die Sache für den durchschnittlichen Mitteleuropäer nicht immer leicht lesbar – zu wichtig nimmt SIXX sich selbst und seine oft durchaus leichtfüßigen Problemchen. Die Fotos hingegen können uneingeschränkt empfohlen werden, da sie meist eine ganze A4-Seite bekommen, von höchster Qualität gedruckt wurden und nicht etwa auf Glanz und Glamour ausgerichtet sind, sondern eher das vordergründig „Hässliche“ im Menschen präsentiert, hinter dem man die Schönheit erforschen kann.

Auch die Geschichten zu den Aufnahmen sind sehr interessant ausgefallen, da sich SIXX für die Recherchen während seiner CRÜE- und SIXX:A.M.-Touren wirklich aus jeglichem Superstar-Sicherheitskokon gelöst hat, um ein möglichst realistisches und vor allem bodenständiges Bild seiner Begegnungen und Erfahrungen präsentieren zu können. Da sich die Themen meist im Kontext von Sex, Tod und Deformation befinden, bleiben auch Überraschungs- und Schockmoment auf einem hohen Level. Das Alles ist zudem noch wunderbar gebunden und bei Motivation locker an einem halben Tag lesbar. Lediglich die Eindeutschung von ex-RockHard-Elfe Jenny Rönnebeck krankt an vielen Passagen – könnte aber auch an einem ungenauen Lektorat liegen. „Leben heißt Leiden“ wird jedenfalls nicht nur den CRÜE- und SIXX-Maniacs schmecken, sondern sollte durchaus über die Genre-Grenzen hinaus gekostet werden. Auch wenn die „Heroin Diaries“ noch zwei Ligen höher angesiedelt sind.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (04.02.2014)

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