BROILERS - Noir

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VÖ: 07.02.2014
Bandinfo: BROILERS
Genre: Punk Rock
Label: People Like You Records
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Lineup  |  Trackliste

Die BROILERS sind im Moment in wirklich aller Munde und stürmen im Eilschritt die Charts. Kein Wunder bei der dargebotenen Qualität. Tatsache ist jedenfalls, dass die (Ska/Oi!)PunkRocker aus Düsseldorf im deutschsprachigen Raum immens angesagt sind, die Deutschland-Konzerte teils ausverkauft sind und sie zuletzt auch anlässlich von Konzerten mit ihren Sound- und Stadtkollegen DIE TOTEN HOSEN mächtig aufhören ließen. Dem schon lässigen „Santa Muerte“-Album folgte die Live-Werkschau “Santa Muerte Live Tapes“, mit der auch ich endgültig von der Größe und Qualität des Quintetts überzeugt wurde. „Noir“ wurde heiß erwartet und schon die ersten Durchläufe zeigen, dass sich die Wartezeit gelohnt hat und abermals ein mehr als überzeugender, toller Longplayer vorgestellt werden kann.

Über die Jahre (immerhin 1992 gegründet) reiften die Qualitäten der BROILERS, die sich nunmehr irgendwo im Spagat zwischen SOCIAL DISTORTION und den TOTEN HOSEN positionieren und mit ihrem sechsten Studioalbum ihren Höhepunkt finden. Weniger Ska-Einflüsse als zuletzt (aber immer noch auf z.B. „Irgendwo dazwischen“ oder „Wo es hingeht“ hörbar), mehr veritable Stadionhymnen („Zurück in Schwarz“ oder „Nanana (Ich krieg' das hin)“) finden sich auf dem neuen Longplayer, bereits die Vorabauskoppelung „Ist da jemand?“ ließ Großes erhoffen. Neben den (radiotauglichen) Hits bietet „Noir“ aber auch ein hohes Maß an Abwechslungsreichtum (die Akustiknummer „Wo bist du (du fehlst)?“) und dank diverser Einflüsse aus dem (Indie-)Pop usw. (etwa „Ich hol' dich da raus“, „Ich brenn“ oder „Ich will hier nicht sein“) auch seine „Aha!“- und Überraschungsmomente.

Songs wie etwa „Die Letzten (an der Bar)“ oder „Nur nach vorne gehen“ repräsentieren die nachdenklichere, ernste Seite der Band mit Frau am Bass. In Summe strotzt das neue Album nur so vor mitreißenden Melodien und zwingenden Mitsing-Hymnen, die von Sänger und Gitarrist Sammy Amara in der Sprache der Straße und des Lebens verfasst sind. Dies alles erfährt einen wehmütigen, gleichsam aufmunternden melancholischen Anstrich, der den Hörer emotional berührt und dem beschwingteren Sing-A-Longs eine zusätzliche Dimension und Tiefe gibt. Zudem scheinen auch die Texte den Lebensnerv der Jugend und der Masse zu treffen, trotz aller Erfolge hat die Truppe immer noch genug Bodenhaftung und auch noch genügend Dreck am Stiefel behalten, um immer noch authentisch zu bleiben.

Die Hard-Altfans werden wie immer im Falle des Erfolgs ihrer einstigen Geheimtipps (siehe etwa VOLBEAT) die Kommerzialisierung verteufeln und sich „Sell Out“-schreiend abwenden, zurück bleibt eine tolle Band, die mit ihren stadionkompatiblen, melodischen und melancholischen PunkRock-Hymnen das Format hätten, die legitime Nachfolge von Mainstream-Acts wie etwa den HOSEN antreten zu können und die stetig wachsende Anhängerschaft mit immer neuen, packenden Smashern und energetischen Liveshows zu füttern. Die BROILERS sind ein lebendes, sich entwickelndes Gebilde, das seine endgültige Ausprägung hoffentlich noch lange nicht gefunden hat und noch für weitere furiose Alben und Überraschungen sorgen wird.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (17.02.2014)

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