Sonata Arctica - Pariah's Child

Artikel-Bild
VÖ: 28.03.2014
Bandinfo: SONATA ARCTICA
Genre: Melodic Metal
Label: Nuclear Blast Records
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste

Ja, natürlich ist mir bewusst, dass die "Ecliptica" neben der "Silence" schon Staub angelegt hat, aber was bleibt mir als Eröffnungsstatement für dieses Review anderes übrig, wenn sich von einen Moment auf den anderen eine schlagartige Reminiszenz an diese alten Zeiten auftut? SONATA ARCTICA veröffentlichen nämlich dieser Tage ihr achtes Studioalbum namens "Pariah's Child" und setzen damit, man kann es getrost schon vorweg verraten, ein weiteres Denkmal in ihrer großartigen Diskographie, die für eine Melodic/Power Metal-Band vielfältiger und experimentierfreudiger nicht sein könnte. Von den rapiden, melodiösen und powervollen Gitarrenläufen der Anfangstage, über die experimentell-progressiven Phasen ("Unia"/"The Days Of Grays"), bis hin zum treibend-verspielten Heavy Rock-Album, das vor zwei Jahren unter dem Namen "Stones Grow Her Name" erschienen ist - bei SONATA ARCTICA steckt einfach alles drin, was das verwöhnte Metal-Herz, das auf Eingängigkeit steht, höher hüpfen lässt.

Und nun also "Pariah's Child", das "Kind des Ausgestoßenen". Eine winterliche Landschaft und ein Wolf auf dem Cover. Ein "Back to the roots"-Gefühl, das sich ganz plötzlich einstellt, ganz wie von Mastermind Tony Kakko gewollt. Denn nach dem 15-jährigen Bandbestehen war es das erklärte Ziel der Band, auch die alten Trademarks ihrer Musik wieder vermehrt aufleben zu lassen, ohne die neuen stilistischen Elemente zu vernachlässigen und das ist den fünf Finnen auf vorliegendem Album mehr als gelungen. Die Songs auf "Pariah's Child" atmen den "Full Moon"-Flair vom Debüt "Ecliptica" und sind melodisch sowie treibend wie zu "Silence"-Zeiten. Das geht schon mit "The Wolves Die Young" gehörig "old-school" los und setzt mit "Take One Breath" einen komplexen, aber trotzdem eingängigen Kontrapunkt. "Cloud Factory" drückt auf die Mitsing-Drüse, "Blood" wirkt auf den ersten Blick progressiv, vermischt bei genauerem Hinsehen aber alle starken Trademarks von SONATA ARCTICA. Verspielt, Double Bass-getrieben, eingängig und immer spielt da auch diese Nuance an Vertracktheit mit, die das Ganze so spannend macht und sich nie abzunutzen scheint.

Selbiges gilt für das darauffolgende "What Did You Do In War, Dad?", das auf getragene, hymnische Art und Weise das schwierige Thema Krieg aufarbeitet. "Half A Marathon Man" drückt im Gegensatz - trotz gemächlichem Beginn - im Chorus voll auf's Gas und wird ganz sicher zu einem genialen Aufpeitscher bei kommenden Gigs. Und auch wenn es übertrieben klingt - es geht in dieser Marschrichtung weiter. Obwohl SONATA ARCTICA auf den vergangenen sieben Alben bereits etliche geniale Balladen eingespielt haben, kann auch der diesjährige, obligatorische Schmachtfetzen "Love" auf voller Linie überzeugen. Traurig, melancholisch und trotzdem unglaublich schön. Das gilt ebenso für das verschmitzte "X Marks The Spot" und den überlangen, neunminütigen Rausschmeißer "Larger Than Life", der schlussendlich noch einmal alle SONATA-Elemente in einem Song verbindet.

"Pariah's Child" schafft es tatsächlich, dem bisherigen Backkatalog, den ich über alles verehre, noch eine weitere grandiose Facette zuzufügen. Folgerichtig (aus stilistischer Sicht) hätte dieses Album - wie auch Tony Kakko verraten hat - wohl nach "Reckoning Night" erscheinen müssen. Ist es aber nicht und genau deshalb ist es auch so gut, denn jede Scheibe dieser Jungs hatte ein gewisses Etwas und "Pariah's Child" führt diese Zutaten einfach konsequent zusammen. Da ist Liebe, da ist Power, da ist Melodie, da ist Progressivität, da ist Eingängigkeit, da ist Experimentierfreude. Und da ist plötzlich wieder der Wolf. Der Ausgestoßene, der nach vielen Jahren wieder in den Schoß der Familie zurückkehrt und trotzdem fühlt es sich so an, als ob er nie weg gewesen wäre. Schön ist das. Mit diesem Album hätte ich nicht gerechnet, ganz ehrlich, und umso mehr freue ich mich über diesen genialen Output - SONATA ARCTICA rules!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: mat (17.03.2014)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Pulse
ANZEIGE