Temperance - Temperance

Artikel-Bild
VÖ: 18.04.2014
Bandinfo: TEMPERANCE
Genre: Melodic Metal
Label: Audioglobe
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste

Wer nicht gerne Reviews liest, in denen es sich in erster Linie um einen direkten Vergleich mit einer ähnlich klingenden Band dreht, der sei an dieser Stelle gewarnt. Denn dies wird genau so ein Artikel. Dies haben sich die Komponisten des vorliegenden Werkes selbst zuzuschreiben, denn Eigenständigkeit darf man nicht auf die Habenseite von TEMPERANCE buchen. Auch von Ähnlichkeiten brauch man in diesem Falle eigentlich nicht mehr Sprechen. Das Album klingt, anders ist es nicht zu beschreiben, wie eine direkte Kopie des Erstlingswerkes von AMARANTHE.

Will man der Band böses, so könnte das Review an dieser Stelle direkt zu Ende sein. Denn mit dem einleitenden Absatz ist eigentlich alles schon gesagt. Unterschiede sucht man sprichwörtlich wie die Nadel im Heuhaufen. Wir wollen aber mal nicht so sein, und gehen eben auf die winzig kleinen Feinheiten, die TEMPERANCE von AMARANTHE unterscheidet, gerne ein.

Zunächst sind TEMPERANCE mehr im Melodic Metal zuhause als das Original aus Schweden. Die Keyboardarbeit ist filigraner, erinnert im Opener "Tell Me" an Euro-Metal Kapellen wie STRATOVARIUS oder SONATA ARCTICA, fällt im allgemeinen etwas weniger poppig aus als bei AMARANTHE. Ob man dies nun positiv auslegt liegt im Auge des Betrachters, denn grade die frechen DJ BOBO Anleihen auf AMARANTHE machen einen Großteil des Hörvergnügens aus und können selbst dem bösesten Metaller zumindest mal ein Lächeln entlocken. Dieser "Nicht-Ernsthaft-Effekt" fehlt TEMPERANCE leider völlig. Dafür geht man im Songaufbau ein wiziges Stückchen weiter und versucht sich an etwas weniger linearen Strukturen, die gerne mal Richtung NIGHTWISH schielen, auch in Sachen Orchestrierung. Beispiele hierfür sind zum einen das leicht düstere "Heavens Above" und der sehr gelungene Rausschmeißer "Lotus". Unterschied Nummer drei ist die etwas prägnantere Platzierung von Frontdame Chiara. Growls und männlichen Clean-Gesang finden sich auf TEMPERANCE zwar auch, doch während bei AMARANTHE die Vokalarbeit gedrittelt wird, treten die männlichen Kollegen hierbei nur in unterstützender und betonender Funktion auf.

Und ja, das war es mit den Unterschieden. Die Hooks von "Tell Me", "Hero", "To Be With You", "Scared And Alone" und dem Rest des Materials hören sich komplementär zu Stücken wie "Hunger" oder "Automatic". Die Ballade "Stronger" könnte man in einer instrumentalen Version gar als Karaoketrack für "Amaranthine" benutzen. Auch auf Riffseite dominieren moderne, tief gestimmte und oftmals corige Passagen, wobei der Fokus selbstverständlich auf Harmonik und Eingängigkeit liegt. Die handwerkliche Inszenierung funktioniert natürlich prächtig, da gibt es nichts auszusetzen.

Viel Gemecker, zugegeben. Dass die Abschlusswertung nicht komplett im Keller landet liegt einzig an der Tatsache, dass die Stücke allen Plagiatsvorwürfen zum trotz dennoch funktionieren. Während AMARANTHEs Zweitwerk "The Nexus" nicht die gleiche Durchschlagskraft besitzt wie noch der Erstling ertappt sich der Rezensent nicht unhäufig beim Trällern der TEMPERANCE Stücke. Also darf man den Italienern zumindest eine ordentliche Wirtschaftlichkeit attestieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Band und Werk in kurzer Zeit eine große Anhängerschaft erreichen werden. Dennoch reicht es qualitativ nicht für mehr als vereinzelten Szenenapplaus.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (11.04.2014)

WERBUNG: One Desire
ANZEIGE
WERBUNG: VADER - Solitude In Madness
ANZEIGE