Delain - The Human Contradiction

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VÖ: 04.04.2014
Bandinfo: Delain
Genre: Symphonic Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Nachdem DELAIN vergangenes Jahr ihr Debüt bei Napalm Records gaben und die nette Compilation "Interlude" veröffentlichten, steht mit "The Human Contradiction" nun das erste Studioalbum unter dem österreichischen Label an. Um den ganzen Sound und die Produktion hat sich die Band um Martijn Westerholt diesmal selbst gekümmert und das Ergebnis kann sich mehr als nur hören lassen. Thematisch behandelt das Album das Verhalten der Menschen gegenüber anderen Menschen oder auch gegenüber Tieren. Wir stempeln Menschen oft anhand von gewissen "Qualitäten" ab, denken hierarchisch, wollen aber auch mit Intelligenz protzen. Unser Kopf sagt uns, das es okay ist, Tiere zu verletzen, aber Menschen nicht. Das ist die Grundidee hinter den Lyrics, wobei es die ganze Thematik natürlich nur grob umfasst.

Musikalisch hat man vor allem an Härte zugelegt und das zeigt der Opener "Here come the vultures" auch deutlich auf. Nach dem düsteren atmosphärischen Intro, das Charlotte mit ihrer unvergleichlichen Stimme zu veredeln weiß, ballert der Song förmlich aus den Boxen. Derart harte Riffs habe ich von den Niederländern bisher noch nicht zu hören bekommen, aber diese Marschrichtung hat man wohl bereits für den Vorgänger "We are the others" angestrebt, was aufgrund der Zusammenarbeit von Roadrunner und Warner aber ins Wasser fiel...Trotz einer gesunden Portion Härte bleibt die melodische Seite von DELAIN aber natürlich nicht auf der Strecke. Man hat eine ausgewogene Mischung zwischen den härteren Gitarrenpassagen, den dominanteren Drums und den atmosphärischen Keyboard Parts gefunden. Alles agiert hier wie eine Einheit. Dazu natürlich eine Charlotte Wessels in Bestform. Der Song überzeugt nicht nur in den düsteren Strophen, sondern überzeugt auch mit einem melancholisch angehauchtem Doppelchorus, der die ganze Bandbreite von DELAIN zum Vorschein bringt. "Your Body" is a Battleground schraubt in Sachen Härte zwar keinen Gang zurück, gestaltet sich aber strukturell etwas simpler. Unterstützt wird Charlotte hier von Marco Hietala, der bereits auf "April Rain" zu hören war. Das die beiden ein fulminantes Duo abgeben, daran besteht kein Zweifel. Neben den agilen Strophen packen mich DELAIN hier mit dem ruhigeren Chorus, der ein nettes Zusammenspiel der beiden Sänger zeigt. "Stardust" empfinde ich als die "typische" Single, die jede Platte braucht und das ist weiß Gott nicht negativ gemeint. Einer der Songs, die sofort im Ohr hängen bleiben und trotzdem zu überraschen weiß mit dem wunderschönen Chorpart gegen Ende.

"My Masquerade" geht relativ kompromisslos nach vorn, wirkt als Einzelstück etwas belanglos, macht sich aber auf der gesamten Platte wiederum sehr gut. "Tell me, Mechanist" zeigt einen Gastauftritt von George Oosthoek, der hier die Growls übernommen hat. An und für sich ein eher ruhiger Song, wäre da nicht sein genannter Growl Part, der einen schönen Kontrast zu Charlotte's samtweicher Stimme darstellt. "Sing to me" sowie "Lullaby" driften eher in balladeske Gefilde ab, schlafen dabei aber definitiv nicht ein. Ersterer zeigt erneut einen Gastauftritt seitens Marco Hietala und letzterer wirkt durch den simplen Chorus relativ unscheinbar, erzeugt aber allein durch die wunderschöne Pianomelodie Gänsehaut. "Army of Dolls" stampft nochmal richtig nach vorn und könnte glatt als Hymne durchgehen, während "The Tragedy of Commons" mit Alissa White-Gluz den letzten Gastauftritt vorzuweisen hat und gleichzeitig einen epischen Abschluss für die Platte darstellt.

Prinzipiell kann ich mich fast durchweg positiv zu "The Human Contradiction" äußern, denn sowohl Produktion als auch die gesamte Atmosphäre wissen mich wirklich zu packen. Negativ bewerten kann ich die Tatsache, dass dem Album im Gesamtumfang richtige Hits fehlen, wenn man mal vom wirklich bärenstarken Opener absieht. Allerdings ist das Album mit nur neun Songs auch relativ kurz geraten, was durch diverse Bonustracks ja etwas ausgeschmückt wird. Das kann ich nun allerdings nicht bewerten, da mir diese schlichtweg nicht vorliegen. Als Gesamtpaket funktioniert das Album einwandfrei und lässt auch keine Langeweile aufkommen. Greift man gezielt zu vereinzelten Songs, sieht es schon wieder anders aus. Man darf das Album wirklich nur als Gesamtkunstwerk betrachten, denn so hinterlässt es den größten Eindruck. Bricht man die Platte quasi nach der Hälfte ab, verpufft die Wirkung völlig. Wer aber mit dem Rausschmeißer die Gefilde von DELAIN verlässt, der wird als Fan des symphonischen Metals sicherlich mit extrem großer Zufriedenheit zurückgelassen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sonata (02.04.2014)

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