Aborted - The Necrotic Manifesto

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VÖ: 25.04.2014
Bandinfo: ABORTED
Genre: Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

Mit „Global Flatline“ haben sie vor zwei Jahren glücklicherweise wieder in die Spur zurückgefunden – die belgischen Krachmaten ABORTED haben zwischenzeitlich doch einige Jahre mit minder gelungenen Experimenten zugebracht, konnten ihren Status als eine der absolut führenden Deathgrind-Kapellen Europas im wohl letzten Moment zurückerobern. Nicht minder interessiert werden die Maniacs von Svencho und Co. nun also den insgesamt achten Longplayer erwarten. Halten sie die Spur? Verfallen die Jungs wieder zurück in längst verdrängte Stigmata? Oder wissen sie den letzten Hassbatzen gar zu überbieten? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen – denn der von vielen ersehnte und erhoffte Superkracher ist „The Necrotic Manifesto“ nicht geworden.

Woran mag das jetzt liegen? Im Prinzip nur an Kleinigkeiten, denn zur ersten großen Beruhigung sei gleich vorweg gesagt – das Album fetzt. Und zwar gewaltig. Aber wer, wie eben ABORTED, in seiner reichhaltigen und fast schon 20-jährigen Bandgeschichte derartige Mörderalben in den Orbit geworfen hat, muss natürlich auch etwas strenger an der eigenen Vergangenheit gemessen werden. „The Necrotic Manifesto“, textlich eine obskure Mixtur aus dem Necronomicon und 80er-Jahre Slasher-Feeling, holzt möglichst viel durch die Gegend, vergisst aber gerade deswegen manchmal darauf, die Spur zu halten. Bereits Song zwei, „The Extirpation Agenda“, ist ein derart viehisch-rasantes Stück Todesmett, dass einem das Schmalz gleich aus beiden Ohren gen Wohnzimmerwand klatscht. In dieser Tonart geht’s dann fortlaufend weiter, bis ausgerechnet der kürzeste Track des Albums, „Your Entitlement Means Nothing“ erstmals zum nackenbrechenden Groove ansetzt.

Besser spät als nie – Aficionados der vertonten Gewaltrasanz wird hier fraglos die Hose beulen, doch wer sich gerne an den treibenden Knallern der Belgier labte, muss hier schon mit der Lupe suchen. „The Davidian Deceit“ etwa ist ein solcher und das Slow-Tempo-Gebolze von „Die Verzweiflung“ mag auch schön durch die Gehörgänge rollen, ansonsten verstecken sich die Groover heuer in vornehmer Zurückhaltung. Macht aber natürlich nix, denn ABORTED vermengen einmal mehr CARCASS, AT THE GATES und SUFFOCATION zu westeuropäischer Brachial-Epik mit einer heftigen Dosis Selbstsicherheit. „Coffin Upon Coffin“, „Excremental Veracity“ und das rollende „Purity Of Perversion“ sind einmal mehr Manifeste für die Genre-Ewigkeit.

Dazu hat sich Svencho wie gewohnt auch wieder zwei Gastshouter ins Boot geholt und das Ding beim dänischen Haus- und Hofproduzenten Jacob Hansen zurechtschnitzen lassen. Um auch den Rubel rollen zu lassen schickt Century Media das Ding in den verschiedensten LP-, Jewelcase- und Download-Varianten in den Umlauf, in denen sich ABORTED als Boni durch SUFFOCATION-, SEPULTURA- und CONVERGE-Tracks covern. Außerdem gibt es ein von der Band selbsterfundenes Kartenspiel als Beilage obendrauf. Das ist tatsächlich value for money und zudem auch angenehm erfrischend und anders. Somit ist „The Necrotic Manifesto“ natürlich ein absolutes Top-Album – mir erschien „Global Flatline“ aber einfach in allen Bereichen durchdringender, wuchtiger und in sich geschlossener. Haters gonna hate.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (17.04.2014)

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