Cinderella - Stripped

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VÖ: 16.05.2014
Bandinfo: Cinderella
Genre: Hard Rock
Label: Collectors Dream Records
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Lineup  |  Trackliste

In den späten Achtzigern eigentlich als Protegés der schon damals mächtigen BON JOVI gestartet, konnten sich CINDERELLA alsbald selbst als Fixstern im Hairspray/ Hardrock-Universum positionieren. Schuld daran war vor allem das Debut "Night Songs" von 1987 und der Kracher-Nachfolger "Long Cold Winter" (1988), welche der Band breite, ja weltweite Aufmerksamkeit bei Männlein wie Weiblein einbrachte. Dies nützte die Band weidlich aus, verkaufte die Alben millionenfach und feierte auch auf der Bühne Riesenerfolge in der abebbenden Poser-Welle Ende jener "Decade of Glory" für Föhnmatten und Spandexhosen. Musikalisch rauerer Wind aus Seattle forderte seinen Tribut und spätestens nach "Still Climbing" (1994) waren Eyeliner und Lippenstift wieder in Mutterns Schminktisch zu verstauen. Legionen von oftmals gleichgeschaltenen Bands überschwemmten seinerzeit die Musiklandschaft, es war recht schwer, herauszustechen. Wo andere Combos etwa Skandale provozierten, um aufzufallen oder Model-artige Sänger verpflichteten, zog das Quartett aus Philadelphia eine andere Trumpfkarte aus dem Talon. Das Spezielle bei CINDERELLA war die geile Rockröhre von Sänger Tom Keifer, welcher der Band mit seinen Stimmbändern ein Alleinstellungsmerkmal verschaffte. Sogar musikalische Analphabeten konnten die Band (etwa ähnlich wie RATT) vom Gros der bunt rockenden Masse unterscheiden.

Was jedoch ein wesentlicher Baustein für den Erfolg der Band war, klingt auf dem Live-Doppeldecker teils ein bißchen differenziert. So geil seine Stimme bei den flotten Uptemporockern klingt, so scharf an der Grenze zum Gequietsche und Gequiecke agiert der Frontmann etwa bei "The More Things Change" oder "Gypsy Road". Ähnlich klingt die Backing-Vocals-Abteilung auf dem kriechenden "NightSongs". Nichtsdestotrotz wird dies durch eine ansonsten tadellos tolle musikalische Performance der Band und Reißern wie "Somebody Save Me", "Hot & Bothered" oder "Push Push" wieder gut gemacht. Lässig auch die Balladenabteilung, welche die Großartigkeit der Hardrock-Schmusesongs eindeutig untermauert, die nicht zuletzt ein wesentlicher Baustein in der Erfolgsgeschichte der Platinseller waren. Nur "Last Mile" hätte etwas mehr Bumms vertragen, gehört aber zur nach ROLLING STONES und BLACK CROWES klingenden Piano/Slideguitar/Blues-Schlagseite der Band. Der Sound der 1998 an zwei Konzertabenden im Key Club in Los Angeles mitgeschnittenen Grundaufnahmen mit Songs aller vier Studioalben klingt sehr gut, gut ablesbar anhand der beiden raueren 1991er-Live-Bonustracks ("von Heartbreak Station"). Unterm Strich ist "Stripped" aber nur eine weitere Veröffentlichung (siehe etwa "Live at the Key Club") jener Gigs im legendären L.A.-Club im Rahmen der in Originalbesetzung absolvierten "Unfished Business"-Tour, diesfalls in teils veränderter Songreihenfolge, was auffällige Übergänge zwischen den Songs produziert.

Dass es einen gewissen Markt für die Erben von AEROSMITH, MÖTLEY CRÜE & Co. und diese Sounds noch immer gibt, beweisen die zuletzt abräumenden Skandinavien-Glammer (HARDCORE SUPERSTAR, CRASHDIET & Co.) sowie die der ganzen Chose eine Extraportion Humor und XXX beifügenden STEEL PANTHER. Auf "Stripped" regieren jedoch noch die Originale jener Tage, die zumindest akustisch beweisen, wie energetisch und schweißtreibend-rockend eine Hardrock-Show in jenen Tagen klingen konnte. Wie die Chancen auf eine mögliches neues Studioalbum im Original-LineUp stehen könnten, kann man nur mutmaßen. Habe ich schon das sehr ansprechende Genre-Cover erwähnt?







Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (07.05.2014)

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