Mayhem - Esoteric Warfare

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VÖ: 23.05.2014
Bandinfo: MAYHEM
Genre: Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Man hielt es nach den letzten Jahren ja fast nicht mehr für möglich, aber MAYHEM, ihres Zeichens größte norwegische Black-Metal-Legende aller Zeiten, haben sich nach siebenjähriger Pause tatsächlich zu einem neuen Studioalbum aufgerafft. Geifernd verfolgten die unzähligen Fans rund um den Globus die ersten kryptischen Hinweise im Internet, die durchaus eingängige YouTube-Auskoppelung „Psywar“ stieß vornehmlich auf positive Resonanzen und ließ schon vor Monaten Großes erwarten. Nun ist es also soweit – wenige Tage nachdem die Eisheiligen ziemlich derbe durch österreichische Lande gefegt sind und der Sommerbeginn vor der Tür steht, steht „Esoteric Warfare“ in den Läden zum Verkauf und MAYHEM-Maniacs können sich beruhigt zurücklehnen – das Teil ist absolut geil geworden.

Das beginnt schon beim epischen Opener „Watcher“, der den depressiven Kult des legendären „De Mysteriis Dom Sathanas“ mit der elegischen Dichte von „Grand Declaration Of War“ vermischt und damit die grobe Richtung des Albums vorgibt. Vom durchschnittlichen „Chimera“ und dem künstlerischen Totalausfall „Ordo Ad Chao“ (worüber sich natürlich gepflegt streiten lässt) sind nur mehr Spurenelemente vorhanden, der Klampfenpositionstausch Blasphemer raus und Teloch rein hat der mittlerweile 30 Jahre alten Kulttruppe genauso gut getan, wie die herausfordernde Mischung aus akustischer Rückbesinnung und progressivem Voranschreiten. Das bereits vorangestellte „Psywar“, hier Track zwei, führt dabei sogar in die Irre, denn so flott, eingängig und geradlinig gehen MAYHEM auf dem restlichen Album nicht vor.

Das sperrige „Trinity“ ist kurz darauf schon ein weiteres Highlight gepflegter Dissonanz. Hellhammers rohes, unheimlich intensives Drumming vermischt sich mit der einzigartigen Vocal-Range von Frontdämon Attila Csihar, der sich auf „Esoteric Warfare“ so vielseitig wie nie zuvor präsentiert, kreischt, keift, spricht, brüllt und in manchen Passagen gefühlte Tode erleidet. Auf „Corpse Of Care“ versucht sich der diabolische Ungar sogar im Klargesang – Mission gelungen! Das, meine Damen und Herren, ist natürlich keineswegs leichte Einsteigerkost á la IMMORTAL oder EMPEROR, sondern satanisch-chaos-agnostisch-beezlebübische Bösartigkeit in Reinform. Viehische Blastbeat-Attacken werden innerhalb von Sekunden zu Slow-Tempo-Kriechern, rasantes Riffing geht oft kurzfristig in primitivste Powerchord-Schupferei über. Das klingt natürlich nach Quantenphysik und schwerer Mathematik, ist aber glücklicherweise dennoch nicht so übertrieben verkopft und ausgrenzend wie eben „Ordo Ad Chao“.

Dunkelheit ist der kleinste gemeinsame Nenner auf „Esoteric Warfare“. „Mylab“ etwa ist ein verängstigender Hybrid aus bis auf die Grundfeste reduzierten Thrash-Riffs, schwarzmetallisch-mittelfingerstreckender Einzigartigkeit und komplex anmutender Prog-Rock-Referenzen, die sich in einem instrumentalen Interlude manifestieren. Oder „Throne Of Time“, ein langsam in die Gehörgänge kriechender Eiskristall, der sich urplötzlich zu einem Salvengewitter der Sonderklasse entlädt, nur um dann von Attilas morbiden Vocals wieder auf den Boden der Tatsachen geholt zu werden. Das verstörende „Aion Suntalia“ zum Abschluss passt da wieder die Faust aufs Auge. Welcome back, MAYHEM. Ein großes Album und zumindest das beste seit der „Grand Declaration…“ – alles Weitere könnt ihr noch in unserem Gespräch mit Gitarristen-Neuling Teloch ergründen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (20.05.2014)

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