Equilibrium - Erdentempel

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VÖ: 06.06.2014
Bandinfo: EQUILIBRIUM
Genre: Pagan Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste

Bereits vergangenes Jahr haben uns EQUILIBRIUM in Form von "Waldschrein" mit neuem Material versorgt, doch nun folgt endlich der ganze Brocken. "Erdentempel" ist nach vier Jahren der langersehnte Nachfolger zu "Rekreatur" und gleichzeitig markiert dieser Release eine neue Ära für die Truppe um René Berthiaume. Die Langzeitmitglieder und Geschwister Sandra und Andi haben der Band kurz nach Fertigstellung des Albums den Rücken gekehrt und wollen sich anderen Projekten widmen. An der Gitarre wurde mit Dom R. Crey, seines Zeichens auch Gitarrist bei WOLFCHANT, bereits Ersatz gefunden, der Bass ist noch unbesetzt. Eingespielt wurde das Album natürlich noch von der Stammbesetzung des Vorgängeralbums "Rekreatur". Für das düstere Artwork zeichnete sich erneut Skadi van Terror aus, die bereits bei "Waldschrein" Hand anlegte.

Nachdem "Rekreatur" selbst unter eingefleischten Fans doch schon was an Kritik einstecken musste, da sich die Platte als gesamtes zu schleppend präsentierte, soll "Erdentempel" nun wieder auf alte Tugenden setzen. So mag das Intro "Ankunft" verhältnismäßig kurz sein mit einer Spielzeit von unter einer Minute, doch lässt es sofort diesen epischen Gänsehaut Flare aufkommen. Einen Übergang zum Opener "Was Lange Währt" bleibt uns verwehrt, aber den braucht es auch gar nicht. Dieser fette Kickstart samt der brutal geilen Melodie versteht es sofort, eine klare Message an den Hörer zu senden: EQUILIBRIUM is back! Diese hohe Geschwindigkeit und dieser Spielwitz kam "Rekreatur" hier und da ein wenig abhanden, aber "Was Lange Währt" zeigt auf, dass sich das lange Warten auf neues Material definitiv gelohnt hat. Die bereits bekannte Single "Waldschrein" wurde nochmal fett aufpoliert und wirkt insbesondere im Chorus nochmal eine ganze Ecke epischer. Natürlich sind die Jungs auch dazu in der Lage, Mid-Tempo Songs in vernünftiger Manier an den Mann zu bringen, und so entwickelt sich "Karawane" relativ schnell zu einer Hymne, die trotz ihrer dunklen Grundstimmung insbesondere im Refrain ein positives antreibendes Feeling versprüht. Im Gegensatz zu "Rekreatur" finden wir auf "Erdentempel" auch direkt mal zwei Partynummern vor, die dem gepflegten Bierfreund jenes Erfrischungsgetränk sicherlich noch bekömmlicher machen. So besingt man sowohl beim fröhlichen "Uns'rer Flöten Klang" als auch beim kurzen und knackigen "Wirtshaus Gaudi" quasi den Gerstensaft, der dem Mann schon in frühen Jahren in die Wiege gelegt wurde. Zu letzterem wurde auch ein Video abgedreht und ich bin auf die Umsetzung jetzt schon gespannt. An und für sich lässt die Nummer in den ersten Sekunden nicht vermuten, was im Chorus letztlich auf einen zukommt. Das Teil ist mit Sicherheit für einige Lacher gut, allerdings im positiven Sinne!

Selbst Klargesang findet auf dem Album seinen Platz, auch wenn dieser mit Bedacht dosiert wurde. René beschrieb die Songs im Interview als sehr melodisch und daher bot sich quasi an, mal mit seinem Klargesang ein bisschen rumzuprobieren. Den meisten dürfte dieses Experiment schon bei "Waldschrein" aufgefallen sein, doch bei "Heavy Chill" hebt man jenen Gesang auf eine noch höhere Ebene, was dem Track einen wirklich tollen Kontrast beschert. So wirkt der Gesang nicht wie ein Fremdkörper und erweitert die ohnehin sehr experimentierfreudige Band um ein weiteres Element. Gegen Ende wird das Tempo zwar wieder merklich gedrosselt, weicht dafür aber einer sehr ordentlichen Portion Atmosphäre, was insbesondere beim toll inszenierten "Apokalypse" sehr schön zur Geltung kommt. In jenem Song hat Robse's Tochter auch einen kleinen Gastpart übernommen, früh übt sich gut!
Mit "The Unknown Episode" präsentieren uns EQUILIBRIUM zum ersten mal einen Song, der komplett in englisch aufgenommen wurde. Prinzipiell fällt das bei der typischen musikalischen Untermalung kaum auf, aber es ist trotzdem eine nette Abwechslung zu unserer Heimatsprache.

Kann ich am Ende also ein Fazit nach dem Motto "Was lange währt, wird endlich gut!" ziehen? Im Prinzip kann ich das. Zwar fehlen dem Album in seiner Gesamtheit ein paar potenzielle Hits wie "Blut im Auge" oder "Unbesiegt", aber insbesondere der verdammt schnelle und hymnische Opener sowie das extrem melodische "Heavy Chill" machen doch schon ordentlich was her. Ansonsten betrachte ich "Erdentempel" eher als Gesamtkunstwerk, das durch seinen gesamten Umfang auch den größten und besten Eindruck zu hinterlassen weiß. Mit "Sagas" kann sich dieses Album meiner Meinung nach zwar auch nicht messen, aber ich halte "Sagas" ganz bescheiden ausgedrückt auch für eines der besten Alben der ganzen Szene. "Erdentempel" findet also eine Mischung zwischen "Sagas" und "Rekreatur", experimentiert hier und da aber auch ganz gern mal rum. Gelohnt hat sich die lange Wartezeit in jedem Fall und ich bin sicher, dass "Erdentempel" insbesondere auf der Bühne ordentlich Eindruck hinterlassen wird, da die Nummern alle ein gewisses Livepotenzial besitzen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Sonata (27.05.2014)

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