Judas Priest - Redeemer Of Souls

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VÖ: 11.07.2014
Bandinfo: JUDAS PRIEST
Genre: Metal
Label: Sony Music Entertainment
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Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Seien wir mal ehrlich, „Nostradamus“, das 2008 erschienene letzte offizielle Studioalbum von JUDAS PRIEST, war – auch wenn man vor der konzeptionellen Umsetzung den Hut ziehen muss – ein Album, welches kaum einem PRIEST-Jünger so richtig geschmeckt hatte. Auch „Angel Of Retribution“, die HALFORD-Comeback-Scheibe, war jetzt nicht das Gelbe vom Ei, hatte aber zumindest mit „Judas Rising“ und „Demonizer“ zwei wahre Kracher in der Hinterhand. Klammern wir jetzt die zwei Rohrkrepierer „Jugulator“ und „Demolition“ mal aus, stellt man mit Entsetzen fest, dass der letzte wirkliche PRIEST-Kracher der heute legendäre „Painkiller“ war, und liebe Leute, „Painkiller“ erschien im September 1990!

Jetzt also wieder neues PRIEST-Futter und machen wir es kurz, ein verdammt starkes PRIEST-Futter, das uns Rob Halford, Glen Tipton, Ian Hill, Scott Travis und Neo-Gitarrist Richie Faulkner da so vorgelegt haben. Das untermauert schon der eingängig dahin stampfende Opener „Dragonaut“, welcher auf Alben wie „Screaming For Vengeance“ und/oder „Defenders Of The Faith“ eine formidable Figur abgegeben hätte. Auch der Titelsong, wenn gleich um einiges kommerzieller ausgefallen, gefällt, bevor die englische Metal-Legende im an sich eingängigen „Halls Of Valhalla“ die Progressiv-Schraube ein wenig anzudrehen versucht.

Leicht gewöhnungsbedürftig ist das Damokles-Schwert ausgefallen: Die in den Folk hineinschielende Gitarrenharmonie, das durchwegs schleppende Tempo und ein Rob Halford, der sein Organ um einiges tiefer gepeilt hat. Nach Öfteren Hören fräst sich aber dieser Track, auch weil er gegen Ende hin zu einer richtigen Walze mutiert, irgendwie in die Gehirnwindungen. „March Of The Damned“ ist ein PRIEST-üblicher Stampfer, der – ebenso wie der Titeltrack – eine durchaus kommerzielle Note sein Eigen nennen darf. Typisch PRIEST ist auch „Down In Flames“, bei dem allerdings der wirklich dumpfe und auch dominante Bass von Ian Hill sofort heraussticht.

Stampfend geht es mit „Hell & Back“ (beginnt balladesk und gefühlvoll) weiter, „Cold Blooded“ schaltet noch einen Gang zurück und erfreut sich auch wieder an einer leicht Richtung Kommerz schielenden Ausrichtung und der „Metalizer“ manifestiert dann den einzigen „Painkiller“-kompatiblen Beitrag: Donnernde Double-Bass, die High-Screams von Halford und ein Refrain, der einem fast in die Knie zwingt. Gegensätze ziehen sich anscheinend an, denn „Crossfire“ mit seinem leichten Southern-Feeling, verspielten Gitarren und einem gänzlich anders ausgerichteten Rob Halford setzt einen angenehmen Kontrapunkt.

Irgendwie zäh und nicht richtig aus den Gängen kommt dann „Secrets Of The Dead“ (auch wenn der Spoken-Wiord-Part ziemlich cool geworden ist), diese kleine Scharte kann aber „Battle Cry“ mehr als ausmerzen. Eine PRIEST-Hymne, die sich langsam aufbaut, ordentlich Fahrt aufnimmt und bandtypisch einen catchy-Refrain spendiert bekam. Zum Abschluss wird es dann ruhig, sehr ruhig, aber auch leicht proggig, „Beginning Of The End“ ist eine kitschfreie (Halb)-Ballade, die ein Album mit relaxter Zurückhaltung beendet und einen schönen Kontrapunkt in diesem Heavy-Metal-Manifest setzt.

Zusammenfassend muss man den in die Jahre gekommenen Urvätern des Heavy Metal durchaus gratulieren. Was ein Glen Tipton mit 66 Jahren da an Riffs aus seinem Ärmel zauberte ist aller Ehren wert und auch der um drei Jahre jüngere Rob Halford kann (im Studio zumindest!) noch glänzen und schafft sogar dann und wann ein paar seiner markanten spitzen Screams zu platzieren. Inwieweit dieses wirklich verdammt gute Album auch einem Richie Faulkner zu verdanken ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Fakt ist aber, dass der ex-DIRTY DEEDS, ex-VOODOO SIX Gitarrenhexer dem albumtechnisch ein wenig ins Wanken gekommenen Herren durchaus frisches Blut eingeimpft hat.

The PRIEST Is Back With A Vengeance



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Reini (02.07.2014)

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