Hammerfall - (r)Evolution

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VÖ: 29.08.2014
Bandinfo: HAMMERFALL
Genre: True Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

"Hammer high - amplify!" tönt es aus den Boxen bei "Hector's Hymn" vom neuen HAMMERFALL-Langeisen "(r)Evolution", und schnell ist damit klargstellt, dass die Schweden auf ihrem zehnten Studioalbum die Flucht nach vorne - allerdings rückwärts - antreten. Das klingt jetzt erstmal richtig komisch, macht bei genauerer Betrachtung aber durchaus Sinn: Das Vorgängeralbum "Infected" geizte nicht mit Experimenten, HAMMERFALL versuchten sich und ihren Stil ein wenig neu zu definieren, wollten härter, düsterer, ernsthafter sein.

Dieser Schuss ging aber in den Augen vieler Fans und Schreiberlinge gleichermaßen ein wenig nach hinten los, "Infected" erntete großteils durchwachsene Kritiken und wurde schnell ein bisschen zum ungeliebten Stiefkind der HAMMERFALL-Diskografie. Da wollten die Herren Dronjak, Cans & Co. nun nach einer kreativen Schaffenspause wohl wieder ordentlich gegensteuern und besinnen sich mit "(r)Evolution" schon fast ein wenig zu offensiv auf ihre Wurzeln: Mehr "Hammer", "Glory" und "Warriors" gab es wohl in solch konzentrierter Form noch auf keinem anderen HAMMERFALL-Album.

Beredtes Zeugnis von dieser Evolution zurück zur Basis lägt zunächst auch das wieder von Andreas Marschall im "klassischen" HAMMERFALL-Stil gezeichnete Cover-Artwork ab; auch der erneute Rückgriff auf Star-Produzent Fredrik Nordström unterstreicht diese Absicht nochmals. Doch besonders Letzteres lohnt sich: Kristallklar, unheimlich druckvoll und melodisch dröhnen da die neuesten Schlacht-Fanfaren der Schweden aus den Boxen; vergessen sind die rauhen und ruckeligen Soundexperimente des Vorgängeralbums.

Und auch beim Songwriting begeben sich HAMMERFALL wieder zurück zu den Grundfesten: Relativ einfache, nach vorne losgehende Stampfer und auch mal die eine oder andere Up-Tempo-Nummer geben sich hier die Klinke in die Hand, laden zum Mitgrölen und Headbangen ein, und setzen ganz gezielt und schon fast ein wenig überzeichnet auf altbewährte Trademarks der Band: Da wird die Einigkeit der "Blutlinie" der Krieger genauso beschworen wie vergangene Songtitel zu "Hector's Hymn" verarbeitet werden; "We Won't Back Down" und "Live Life Loud" schlagen hingegen in dieselbe Kerbe wie die Party-Rocksongs "Bang Your Head" und "Let's Get It On" des Vorgängers, und nicht zuletzt zitiert man sich bei der ersten Single "Bushido" selbst und endet mit einer Reprise des legendären Riffs zu "The Way Of The Warrior" vom 2000er-Album "Renegade" - wenig Wunder, bezeichnet doch das Wort "Bushido" eben den "Weg des Kriegers".

Fans der ersten Stunde werden diese Herangehensweise sicherlich begrüßen, leider können HAMMERFALL auf "(r)Evolution" jedoch leider nicht ganz an das hohe Niveau des Überraschungsschlagers "No Sacrifice, No Victory" aus 2009 anknüpfen. Obzwar Songs wie das genannte "Bushido", das stampfende, frei nach Dante Aligheri getextete "Ex Inferis" oder die hochmelodische Hymne "Origins" durchaus für gute Unterhaltung sorgen, können nicht alle Tracks diesen guten Eindruck unterstreichen. "Wildfire" etwa prescht zwar pfeilschnell aus den Boxen, verliert aber etwas ob des simplizistischen Refrains; der Titeltrack "(r)Evolution" und "Tainted Metal" stellen bestenfalls gute Mittelklasse dar und auch die Ballade "Winter Is Coming" fällt ein wenig schwerfällig aus.

Alles in allem gelingt HAMMERFALL mit "(r)Evolution" sicherlich ein kurzweiliges Album und ein wichtiger Schritt in Richtung Rehabilitation nach der "Infektion"; von der großen Revolution hingegen bleibt man noch etwas entfernt. Und so reiht sich das zehnte Album im Mittelfeld der Diskografie der Schweden ein, irgendwo vor "Infected" und "Threshold", aber doch hinter "No Sacrifice, No Victory" und natürlich auch hinter den Kult-Alben der Band wie "Crimson Thunder", "Legacy Of Kings" oder "Glory To The Brave" zurückbleibend.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Dragonslayer (21.08.2014)

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