Unherz - Sturm & Drang

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VÖ: 27.06.2014
Bandinfo: UNHERZ
Genre: Rock
Label: Massacre Records
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Lineup  |  Trackliste

Ob man sie liebt oder hasst, die BÖHSEN ONKELZ waren ein Phänomen in der Musiklandschaft. Als sie sich im Jahre 2005 (vorerst) von der Bühne verabschiedeten, hinterließen Sie bei ihrer Anhängerschaft eine große Lücke, die es ab just diesem Moment zu füllen galt. Unzählige Coverbands schossen aus dem Boden, viele versuchten sich an eigenem Material, neue Bands gründeten sich. Alle mit dem Ziel, dem ONKELZ-Publikum dieses spezielle Etwas mitzugeben, was die Altherren von nun an nicht mehr konnten. Die meisten Bands schaffen es bis heute nicht über den Status "Szenegröße" hinaus. Ganz wenigen gelangen auch kommerzielle Erfolge über die Szene hinaus, meistens denen, die über dem gewissen Spirit eine eigene Identität entwickeln konnten. Gleich vorweg: Das schaffen UNHERZ überhaupt nicht.

"Sturm & Drang" atmet ONKELZ zu etwa 90% und transportiert das inzwischen zum Klischee gewordene Konzept eins zu eins. Da geht es thematisch über Freundschaft ("Ich bin der"), die eigene Geschichte ("Zeugen der Zeit"), das Wir-Gefühl ("Wir sind hier") und Aufmunterung ("Der erste Schritt"). Einen Feel-Good-Song mit Spanischem Einschlag à la "Mexico" braucht man natürlich auch ("Viva Rock N' Roll"). Selbst angebliche, dem Verfasser dieser Zeilen auch nach Recherche völlig unbekannte politische Anschuldigungen/Anzweifelungen müssen in "Ein Lied für unsere Feinde" kommentiert werden. Alles natürlich verpackt in dramatische Hymnen und mit dem obligatorischen Vokabular versehen.

Instrumental und handwerklich ist das alles gut, sehr gut sogar. Die Gitarren transportieren zum Großteil sehr authentisch die Spielweise von Matthias "Gonzo" Röhr, können aber wesentlich mehr. So blitzen hier und da Einflüsse aus dem Heavy Metal durch wie tight sitzende Doppelstimmige Leads und treibendes Drumming. Produktionstechnisch auf höchstem Niveau, was ein breites Klangbild ermöglicht, nur leider auf kosten der Räudigkeit. Die beiden Live-Bonustracks auf der Limited Edition zeichnen da ein wesentlich raueres Bild.

Und wenn man mit "Pogobraut" BAD RELIGION-Einflüsse raus zu hören vermag, die bluesige Note von "Minerva" das starre Gerüst erweitert und man bei "Krieger des Lebens" die Epik so platziert, dass sie schon beim ersten Hören Emotionen hervorruft, da wird einem klar, dass UNHERZ durchaus in der Lage dazu wären, gute Songs zu schreiben. Warum also verlässt man sich nicht auf sein absolut vorhandenes Können und liefert mehr davon? Stattdessen versucht man krampfhaft, irgendwie auf den ONKELZ Zug aufzuspringen. Und spätestens seit der Wiedervereinigung des Originals dürfte hierfür auch die letzte Notwendigkeit gewichen sein.

Fazit: Drei Punkte für drei ordentliche und eigenständige Songs, noch einmal zwei für wirklich gute handwerkliche Arbeit und Produktion. Macht fünf Punkte, wovon einer wegen unnötiger und überflüssiger, gar dreister Trittbrettfahrerei wieder abgezogen wird. Das Potential, über den Status einer G.O.N.D.-Band hinauszuwachsen besteht definitiv. Aber ausgenutzt wird es nicht.



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (30.06.2014)

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