Vehemenz - Vehemenz

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VÖ: 23.05.2014
Bandinfo: Vehemenz
Genre: Black Metal
Label: MDD
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Lineup  |  Trackliste

Der Promo-Text hat mich zugegebener Maßen gepackt. Die Band-Biographie von den bayerischen VEHEMENZ las sich interessant. Von künstlerischen und innovativen Ansprüchen war die Rede, im Zusammenhang mit dem Hinweis, dass Menschen, die NOCTE OBDUCTA, AGRYPNIE, FÄULNIS, TODTGELICHTER oder THRÄNENKIND mögen, mit dieser Band gut beraten seien. Für mein Empfinden klang das sehr ansprechend. So kam es also, dass ich mir VEHEMENZ erstmalig anhörte. Das, was ich zu hören bekam, war jedoch nicht das, was mir der Promo-Text versprach.

Ein Merkmal des deutschen Black Metals haben die Bayern gut umsetzen können, denn die Vocals sind trotz Gekreische gut zu verstehen. Es schwelgt jedoch eine Nuance Kitsch in den Lyrics, vielleicht wäre es doch geschickter gewesen, man würde nich alles so gut verstehen. Die Gesangsmelodie wirkt außerdem aufgesetzt und zu gewollt. Die Songverläufe sind vorhersehbar. Der Sound ist glatt und ohne Ecken und Kanten. Alles zwar ganz nett, aber böse Zungen behaupten auch, nett sei die kleine Schwester von scheiße.

Bei meinen Recherchen zur Band stieß ich jedes Mal auf den Hinweis, dass das Sextett nicht im Einheitsbrei versinken möchte. Ich hörte diese EP also wieder und wieder, auf der Suche nach dem Besonderen, um innerlich von der Ganz-nett-Stimmung zur Ich-finds-gut-Stimmung zu gelangen. Und tatsächlich anstatt vor Langeweile zu zergehen, fielen mir dann doch die fein eingspielten Besonderheiten auf. Ob es Riffs sind, die in einem unscheinbaren Song noch das gewisse Etwas einbringen oder Drums, die statt des sonst bekannten Uffta Uffta, Uffta ein Skaddabing, Skaddabing, Ksss, Ksss, Skaddabing donnern. Die Gangshouts sind auch gut gesetzt. Manche Parts bieten sich als Ohrwurm an und laden zum Mitsingen ein. Ich fand also den angekündigten innovativen Ansatz, wenn auch erst beim dritten oder vierten Durchlauf. Ein Alleinstellungsmerkmal ist jedoch nicht zu finden.
Den künstlerischen Aspekt fand ich auch. Allerdings anders als er wohl gemeint war. Denn mit künstlerischem Anspruch wird nicht die Kunst, sondern künstlich gemeint gewesen sein. Authentische Leidenschaft ist meiner Meinung nach auf dem Album nicht zu hören.

Wenn man also bei dieser Platte die Erwartung hat, eine Band zu hören, die erst noch richtig Mut finden muss, auch mal anecken zu wollen und vielleicht auch einfach mal vergisst, den Kopf anzuschalten, der wird das Potenzial, welches in den Musikern steckt, erkennen. Wer allerdings erwartet, dass genau das bereits zu hören ist, dem wird diese EP wohl eher nicht gefallen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Natascha Schmieding (20.07.2014)

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