Wizo - Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III)

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VÖ: 13.06.2014
Bandinfo: Wizo
Genre: Punk
Label: Hulkräkorz
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Lineup  |  Trackliste

Mit Comeback-Alben von altverdienten, vermeintlich in den Ruhestand abgetretenen Bands ist es immer so eine Sache: Ist nach einer langen Pause die Musik noch auf dem Level von früher, ist sie überhaupt noch zeitgemäß, oder ist sie von der allgemeinen oder persönlichen Entwicklung schon überholt worden?

Solche Fragen stellen sich bei „Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III)“, dem Comeback-Album der deutschen Punk-Helden von WIZO. Das letzte „echte“ Studioalbum, „Herrénhandtasche“, hat immerhin auch schon fast 20 Jahre auf dem Buckel. Die Band hatte sich ja vor knapp zehn Jahren ja schon getrennt, bevor dann 2009 die Nachricht von der Reunion kam. Danach folgten Touren und Konzerte, unter anderem ein triumphales Konzert in der Arena Wien 2011.

Waren die letzten zwei WIZO-Alben, „UUAARRGH!“ und das erwähnte „Herrénhandtasche“, noch echte Höhepunkte im Deutschpunk-Sektor, mit unvergesslichen Melodien und Texten, die abwechselnd zum Schreien komisch und dann wieder ernst und anklagend waren, ist „Punk gibt’s nicht umsonst!“ eher eine zwiespältige Angelegenheit.

So wechseln sich herrliche Mitgröl-Punk-Hymnen wie „Scheissefresser“ oder „Scheissekotzen“ (man merkt, dass WIZO das Fluchen nicht verlernt haben!) mit absolut verzichtbaren Pseudo-Punk-Balladen wie „Alles verschwimmt“, „Königin“ oder „Endzweit“ ab, die auch das Einflechten von Oralverkehr-Texten nicht rettet.

Dass WIZO das Provozieren und die Seitenhiebe auf die rechte Szene nicht verlernt haben, beweist „Unpoliddisch“, während „Ganz klar gegen Nazis“ dagegen recht platt-plakativ daherkommt.

Punkten können WIZO mit hörbar ehrlichen und selbstironischen, fast erwachsen klingenden Songs wie „Scheissekotzen“, „Wenn ich mal sterb’“ oder „Alte Herren“. Ausserdem erwähnenswert: „Kohlenholen“ überzeugt mit lustigem Text, der so ähnlich auch von CANNIBAL CORPSE kommen könnte, „Zombiemann“ wird auch fast jeden Hörer zum Schmunzeln bringen, „Dummensch“ ist eine High-Speed-Melo-Punk-Hymne mit ernstem Text, die sich nahtlos bei Klassikern wie „Raum der Zeit“ oder „Quadrat im Kreis“ einreiht.

Im Gegensatz dazu schmerzen dann Totalausfälle wie „Meine Wut“ oder „Schlechte Zeit“ (das wie eine Mischung aus „Funky Town“ und ganz schlechtem 80er-Jahre-Deutschpop klingt – aber vielleicht ist das ja ironisch gemeint…) umso mehr.

Positiv zu bemerken ist, dass WIZO musikalisch nicht stagniert haben und immer wieder neue Elemente einbauen, so wie das Reggae-Feeling bei „Kein Empfang“. Ab und zu zitieren sich die Jungs schon auch noch selbst („Kriminell & Asozial“ erinnert teilweise stark an „Gemein“, „Endzweit“ hat Anklänge an „Schweinewelt“, und bei „Kohlenholen“ hört man „Hey Thomas“ und „Das goldene Stück“ heraus), was aber eher zu nostalgischen Gefühlen als zu Ärger führt.

Die Stärken von WIZO sind auch nach mehr als 20 Jahren noch die gleichen geblieben: Die eingängigen Songs, die starken Texte und die prägnante Stimme von Frontmann Axel Kurth garantieren eigentlich schon ein überdurchschnittliches Album. Dass es bei „Punk gibt’s nicht umsonst!“ zu nicht allzu viel mehr reicht, liegt an der ungewohnt hohen Menge an eher mauen Songs.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Luka (22.07.2014)

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