MONUMENTS - The Amanuensis

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VÖ: 20.06.2014
Bandinfo: MONUMENTS
Genre: Progressive Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Es gibt mittlerweile unendlich viele junge und talentierte Combos im Metal Core/Djent/Progressive Death-Genre und ich tu mir manchmal echt schwer, einzelne Bands leiwand zu finden, so sehr sie's auch verdient hätten. Zu emotions- und lieblos scheinen manche ihre Platten einzuklopfen, bei allem Potential das da schlummert. Hauptsache eine Scheibe auf'm Markt, egal ob die nun wie hundert andere Sachen klingt oder nicht. Noch schnell das Ganzkörper-Tattoo fertigstechen lassen, schließlich darf man als Metaller Anfang 20 nicht ungut auffallen, indem man sich keine Tinte in den Hals jagen lässt. Sarkasmus aus und kleiner Schwenk zu den Briten von MONUMENTS. Die wollen sich schon mal gar nicht in einer der oben erwähnten Schubladen verortet wissen, sehen irgendwie herrlich normal und retro aus (auch am Tattoo-Sektor) und wenn sie schon ihre Musik beschreiben, dann höchstens mit "Progressive Metal" oder "Groove Core". Yeah, whatever.

Selbst ich als ausgewiesener Skeptiker einiger neuerer Musikströmungen muss nach dem dritten Durchlauf von "The Amanuensis" zugeben: Die Jungs von der Insel haben hier ein sehr vielschichtiges Zweitlingswerk aus dem Fels gehauen, das sich Anleihen bei solch illustren Kollegen wie SCAR SYMMETRY, MESHUGGAH oder CYNIC nimmt, ohne jedoch eine dieser Vorbilder ausdrücklich zu zitieren. MONUMENTS jetzt einen eigenständigen Sound zu attestieren wäre aber auch nicht die ganze Wahrheit, die liegt vielmehr in der Mitte. Natürlich sind moderne Strömungen allgegenwärtig und natürlich wollen die Fünf eine gewisse Käuferschicht - wenn auch eher unbewusst - ansprechen. Aber sie verstehen ihr Handwerk und schreiben Songs von einer atmosphärischen Dichte, wie sie sonst vielleicht nur KARNIVOOL zustande bringen.

Das Material braucht, zugegeben, ein wenig um so richtig einzusickern, die Produktion geht auf Nummer sicher ohne ins Sterile abzudriften, aber die Wucht der Tracks - allen voran "The Alchemist", "Saga City" und "Origin Of The Escape" - zieht einen immer wieder in einen Sog aus entrückten Klangbildern, brutalem Musikmahlstrom und Science-Fiction-Lyrics. Wohltuend auch der abwechselnde Clear/Growl-Gesang von Neo-Shouter Chris Barretto (ex-PERIPHERY) und die unzähligen Groove-Parts, die die oft eh schon kathedralenhohen Harmonien von unten stützen, noch gewaltiger erscheinen lassen. MONUMENTS haben nach ihrem noch etwas orientierungslosen (aber dennoch bemerkenswerten) Debüt "Gnosis" (2012) hier einen progressiven Hassbatzen angeliefert, der den nöligen Nachbarn in Metalcorehausen mal zeigen sollte, wo der Bartl den Most auch ohne Ganzkörper-Tattoo herholt.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (28.07.2014)

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