STILLE VOLK - La Pèira Negra

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VÖ: 30.05.2014
Bandinfo: STILLE VOLK
Genre: Alternative
Label: Holy Records
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Lineup  |  Trackliste

Zur Abwechslung mal etwas mit ohne Bratz-Gitarren. Die Pagan-Folkloristen STILLE VOLK aus den französischen Pyrenäen schlagen die lauten Töne wenn, dann nur auf ihren traditionellen Instrumenten an, die sie nunmehr schon seit zwanzig Jahren durch die Weltgeschichte schleppen. Ihr sechstes Album "La Pèira Negra" ist - wie auch ihre bisherigen Veröffentlichungen - düster und bedient sich neben des Pagan Folks auch noch am klassischen Mittelalter und am Neo-Folk. Die Nähe zur spanischen Grenze ist spürbar, die Texte vermischen Französisch, Spanisch und die nur sehr regional in Südfrankreich gesprochene "Langue d'Oc" (Okzitanisch). Das gibt den Liedern zusätzlich ein mystisches Element und man sieht vor dem geistigen Auge die nebelverhangenen Gipfel des mächtigen Grenzgebirges auftauchen.

Zwar zündet das Liedgut mitunter erst relativ spät, aber gerade aufgrund der teils avantgardistischen Einwürfe werden Stücke wie "La Litanie De Pétrifié", das beschwörende "La Foret Gorgone" oder der Titelsong erst so richtig knackig interessant. Überhaupt stehen die manchmal recht eingängigen, oft südländisch angehauchten Melodien im Kontrast zu den harschen, mehrstimmigen Gesängen, die mich ein wenig an HEIDEVOLK erinnern. Oft wirken Passagen instrumental etwas überladen, oft tönen Teile beim ersten Mal Drüberhören sperrig und schräg, "L'éveil Du Spectre" ist so ein Beispiel - hier hat man scheinbar eine besoffene Mariachi-Band hinzugezogen, andererseits macht genau diese unkonventionelle Marschrichtung den Charme von STILLE VOLK aus.

Wo andere Mittelalter-Combos zu bloßen Jahrmarkt-Attraktionen verkommen oder das altertümliche Element durch den überproportionalen Gebrauch elektrischer Instrumente völlig unter den Tisch fällt, sitzen die vier Franzosen immer noch um ihr Lagerfeuer - das rot-schwarze Schatten in die Pyrenäenwälder wirft und ihre Fratzen unheimlich erscheinen lässt - und musizieren spartanisch und rudimentär drauf los, sind am Schluss aber doch irgendwo progressiv in ihrer Düsternis. Das würde so auch keine andere Kapelle zuwege bringen, da kommt dann doch der französische Kauz-Bonus ins Spiel, ähnlich wie bei ALCEST. Sicher nicht jedermanns Sache, und wer unter Mittelalter daheim bloß IN EXTREMO im Regal stehen hat, sollte besser die Finger davon lassen. Freunde gepflegter, unkonventioneller Folklore dürfen hier aber getrost mal zugreifen. Als Bonus hat man dann noch den MERCYFUL FATE-Klassiker "Come To The Sabbath" gecovert, der mit Streichern, Flöten und schiefen Blasinstrumenten zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig, aber hochinteressant klingt!



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (28.07.2014)

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