Ichor - Depths

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VÖ: 05.09.2014
Bandinfo: Ichor
Genre: Death Metal
Label: Bastardized Recordings
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Lineup  |  Trackliste

Mittlerweile habe ich bereits zum dritten Mal die Ehre, mich über die Death-Metal-Combo ICHOR aus Trier auszulassen. Wer bisher noch nichts von der Band gehört hat – oder sie gar mit einem griechischen Black-Metal-Projekt aus den 90ern verwechselt – der sollte kurz über die Reviews ihrer beiden bisherigen Alben "The Siege" (2009) und "Benthic Horizon" (2010) drüberlesen. Dabei wird nicht nur im Crashkurs erklärt, was es mit der namensgebenden Götteressenz auf sich hat, sondern warum bei den fünf Herren auch Mythologie und Unterwasserwelten große Themenanker sind. Erledigt? Dann können wir ja mit dem neuen Werk starten!

Gorgonen, macht euch bereit!

Vier lange Jahre war es still um eine, meiner Meinung nach, sehr große deutsche Death-Metal-Hoffnung. Seit uns ICHOR mit dem brachialen "Benthic Horizon" überflutet haben, mussten wir eine lange Durststrecke durchwandern. Jetzt erhebt sich "Depths" aus den Untiefen des musikalischen Ozeans und wartet nur darauf, wieder über uns hereinzubrechen!

Dass das gute Stück im polnischen Hertz Studio entstand, lässt sich nicht leugnen. Sowohl Artverwandte wie BEHEMOTH, DECAPITATED, VADER oder HATE haben dort bereits aufgenommen und da sich die Burschen auch selbst immer wieder auf diese Vorbilder berufen, bekommt der geschulte Musikhörer auch zig Refferenzen durch die Gehörgänge gejagt. Im Vergleich zum Vorgängeralbum hat sich jedoch einiges getan. Nicht nur die Band selbst zählt neue Mitglieder, auch die Art und Weise wie ans Songwriting rangegangen und an den Instrumenten gewerkt wird, hat sich hörbar geändert.

Hunde die bellen …

Bisher waren wir es gewohnt, kleine aber feine Metalcore-Elemente im Gitarrenriffing zu finden und mussten völlig unvorhersehbare Breakdowns verdauen – heute wirkt alles wie aus einem Guss. Zwar keinesfalls ein Kritikpunkt, aber das fast schon zu homogene Zusammenspiel nimmt der Kapelle einiges an Biss und Unberechenbarkeit. Punkte, die sie für mich auf "Benthic Horizon" zu dem gemacht haben, was sie damals waren. Okay, ich muss zugeben, von "The Siege" auf "Benthic Horizon" war die Wandlung eine phänomenale! Eine blutjunge Band versucht ihren Weg zu gehen und findet ihn, trifft zur richtigen Zeit genau ins Schwarze. Und ich bin mir sicher, dass sie mit der Schiene genauso noch einmal punkten hätten können.

Man könnte jetzt streng sagen, dass vier Jahre Wartezeit für dieses Werk nicht gerechtfertigt waren. Doch bei aller Spontanität, Bissigkeit und Drive, die die top-motivierten ICHOR beim ersten mal Hinhören vielleicht eingebüßt haben, haben sie doch eine Sache wieder verdammt gut hinbekommen: nämlich die Reinkultur des Death Metal auf einen Nenner zu bringen! Scheiß auf die Experimentierfreudigkeit, wer Todesblei möchte, soll ihn bekommen und daran möglichst lange kiefeln.

Zum Beißen gibt es einiges, denn dafür sorgen elf beinharte Nummern, die knapp 45 Minuten in euren Playern rotieren. Für die müsst ihr euch aber Zeit nehmen, denn wie gesagt, leider gibt es auf den ersten Hörer keine ersichtlichen Ohrwürmer – die schlummern auf der Vorgängerplatte.

Track by Track

Zu Beginn bekommt man mit "Deep Rising" ein eher sphärisches Intro, dass nach 50 Sekunden in das brachiale "Apophis" umschwankt. Apophis ist übrigens der schlangenartige Gott des Chaos und der Zerstörung und genauso malmt sich dieser Track mit seinen Blastbeats durch die Hörmembranen. Nummern wie "The Beast Approach", "Deny Your God", "Cthulus Sons" (H.P. Lovecrafts "Necronomicon" lässt grüßen) und "Leviathan" (das Seeungeheuer aus der der jüdisch-christlichen Mythologie) reihen sich ebenfalls in dieser Gangart ein: schnell, direkt, voll in die Fresse! Ab und an gibt es sogar überraschende Breakdowns, aber nach denen müsst ihr am aktuellen Album, wie gesagt, tauchen. Auch die Soli sind klasse gemacht, wirken routiniert, aber eben nicht sehr innovativ bzw. wirken für diese Form des Death Metal von der Stange. Bilden aber auch wiederum das Rückgrat dieser CD, wohlgemerkt.

ICHOR wären aber nicht ICHOR, wenn sie nicht doch an ein paar Stellen in die moderne Richtung tendieren würden und auch mit Core-Elementen hantieren. So z. B. auf "While Giants Sleep" oder auf, dem mit verzerrten Unterwassergeräuschen vermischten, "Hadal Sirens". Verdammt tighte Bretter, von denen ruhig mehr auf dem dritten Full-Lenght Platz finden hätten können.

Conclusion

Wer sich Todesmetal wünscht, wird hier fündig und unterstützt eine grandiose Band aus unserem Lieblingsnachbarland. Für vier Jahre Wartezeit hätte ich mir persönlich ehrlich gesagt mehr Songs der Marke "Giants" gewünscht, aber man kann ja nicht alles haben. Außerdem gilt es zu bedenken, dass sich die Band auf Grund ihrer Neuformation ebenfalls wieder neu kennenlernen musste.

"Depths" reiht sich zweifelsohne in der Gesamtdiskografie ein, nimmt dort aber eher den Platz des Bastards ein, als das neue Liebkind zu sein. "Benthic Horizon" war damals einfach zu mächtig! Vielleicht haben wir ja nächstes Jahr bereits das neue Werk in den Händen und erleben selbige Wandlung wie damals im Jahre 2010 noch einmal. Vergönnen tu ich's dem Eric und den Jungs auf jeden Fall, denn ich schätze ihre Musik wirklich sehr. Death-Metal-Fetischisten und Fans von ICHOR auf jeden Fall zugreifen!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: berni (27.08.2014)

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