Belphegor - Conjuring The Dead

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VÖ: 08.08.2014
Bandinfo: BELPHEGOR
Genre: Black / Death Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Austria´s Finest in Sachen international anerkannter und ebenso erfolgreicher Krawall sind wieder am Start und launchen nach einigen verschobenen Veröffentlichtungsterminen ihre nächste o(h)rale Attacke. "Conjuring The Dead" startet wie schon von Helmuth im Vorfeld des Albums angekündigt, recht vollmundig mit einem typischen BELPHEGOR-Trademark-Track, der stilgemäß "Gasmask Terror" betitelt wurde und sowohl inhaltlich ("Gasmask Terror...Fu*k You All!") als auch musikalisch einen Großteil der Essenz der Band in knappen vier Minuten komprimiert. Infernale Soli, ein tief röhrender Fronter Helmuth, feines Geblaste, flirrende Riffflächen. Doch wer mit der Band vertraut ist, kennt auch die anderen Facetten des blas(t)phemischen Verwüstungskommandos aus dem katholischen Bistum Salzburg. Majestätischer und epischer mahlen die Kohorten um Mainman Helmuth nämlich ab dem Titeltrack und zeigen ihre große, über die Jahre gereifte Klasse mit gleichsam melodischen wie dissonanten Riffs (etwa "Flesh, Bones And Blood") und einer dicken Albumproduktion, bei der man merkt, dass ein echter Death Metal-Meister hinter den Reglern saß und der Band ein vollmundig-wuchtiges wie auch organisch-dunkles Soundbild verpaßt hat, das nach der Abyss/Tägtgren-Produktion des Vorgängers wohl von vielen goutiert wird.

Helmuth scheint sich recht gut von seinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen erholt zu haben, Negatives in Puncto Gesangsleistung ist hier nicht anzumerken, vielmehr entfacht er ein growlig-bestialisches Vocalinferno (man höre zudem etwa die scary Screams bei "Lucifer, Take Her!"), was Hoffnung auf zukünftige Liveshows macht. Zuletzt mußte er ja live von Schoft supportet werden (zum Livereport). Das abwechslungsreiche "In Death" greift wieder die schon vom Vorgänger "Blood Magick Necromance" her bekannte, mahlende Riffsäge auf und rockt mächtig. Schweres Midtempo ist generell der Trumpf auf dem bärenstark arrangierten und dynamisch komponierten Brachialwerk, bei dem das einzig verbliebene Urmitglied gewohnt auf seinen kongenialen Partner am Bass, Serpenth, vertrauen durfte. Zudem fetten Glen Benton und Attilla Cshihar "Legion Of Destruction" mit ihren Gastspielen auf, doch auch das treibende "Rex Tremendae Majestatis" und das differenzierte "Flesh, Bones And Blood" wissen zu fesseln. Die restliche Schlachtplatte knallt (das pfeilschnelle "Black Winged Torment") und drückt gewaltig und zeigt die weiter verfeinerte Klasse der heimischen Black/Death Masters, die ja gezwungenermaßen genügend Zeit auf das Schreiben und die Produktion des Album verwenden konnten. Einzig ein wenig kurz geraten ist das Album, das auf seinen rund 36 Minuten mit "The Eyes" ein Interludium enthält und "Pactum In Aeternum" eher Outro denn Song ist.

Die nicht ganz freiwillige Wartezeit hat sich dennoch ausgezahlt, "Conjuring The Dead" ist ein gewohnt orgiastischer und tighter Bastard aus feistem Gebolze, aber noch mehr epischer Dunkelkunst, dessen eindringliche Macht durch langsame und breitflächige Würde und Härte anschwillt. Der natürliche Hang des Österreichers zum Morbiden und auch zum Zynismus, der sich im Falle der Salzburger seit nunmehr über zwei Dekaden mit der Symbolhaftigkeit alpenländischer (Natur-)Mystik und der Ablehnung der omnipräsenten Glaubenslehre paart, schließt inhaltlich den mu-sick-alischen Kreis, ein rundes und einen Schritt weiter in Richtung Abgrund führendes Brachialmeisterwerk ward - wohl nicht ohne Entbehrungen - geboren. Wer den Vorgänger mochte, darf hier blind zugreifen und die Band in ihrem morbiden Kosmos aus den altbekannten, provokationsgeladenen Themenbereichen besuchen, allerdings ist das Ganze ein One-Way-Ticket, Rückkehr in die Normalität unwahrscheinlich.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (18.08.2014)

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