OBSIDIAN GATE - Whom The Fire Obeys

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VÖ: 00.00.2014
Bandinfo: OBSIDIAN GATE
Genre: Symphonic Black Metal
Label: Kristallblut Records
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Lineup  |  Trackliste

Vermutlich sind OBSIDIAN GATE kein Name, den man im Jahr 2014 noch kennt. Das ist schade. Die beiden Düsseldorfer hätten es, ganz in der Tradition von LIMBONIC ART, ganz ernsthaft weit bringen können. Ende der 90er Jahre von FALKENBACH-Chef Vratyas Vakyas ausgegraben, veröffentlichte das Duo mit "A Nightspectral Voyage" eines der unterschätztesten Alben der deutschen Black-Metal-Geschichte und 2001 mit "Colossal Christhunt" einen etwas schwächeren Nachfolger, bevor zwei Jahre später das vorläufige Ende des Projekts kam.

Damit könnte die Geschichte zuende sein. Ist sie aber nicht, denn 2007 begannen die Arbeiten an einem dritten Album, die über sechs Jahre später in "Whom The Fire Obeys" gipfeln. Einem Album, das zum einen den Trademarksound OBSIDIAN GATEs weiterführt - nämlich ein hochprogressives Gemisch aus flirrend tanzenden Gitarren, einem hervorragend programmierten Drumcomputer und mehrschichtiger Orchestrierung - zum anderen aber auch mit der Tradition der Vorgängeralben bricht. Wo 1999 noch nachthimmelanbetende Weite und 2001 römische Epik herrschten, geht es 2014 noch tiefer zurück in die Geschichte der Menschheit, und noch ein Stück weiter weg vom melodischen Black Metal, hinein in groovigere, komplexere Gefilde. Das antike Ägypten bildet die Folie für elf Kompositionen, die sich irgendwo zwischen dem Death Metal von NILE (logisch, bei dem oft orientalischen Kompositionsansatz) oder BEHEMOTH, der Mystik alter MELECHESH und dem Arrangement-Wahnsinn von FLESHGOD APOCALYPSE befinden. Und ein bisschen schimmert auch noch das Erbe der ersten drei LIMBONIC Art-Alben durch. Das ist eine Stilmischung, für die es durchaus einen Markt gibt, wenn sie gut gemacht ist.

Hier wiederum hapert es leider ein klein wenig im Direktvergleich mit den Marktführern. OBSIDIAN GATE, obschon hervorragende Musiker, die sowohl ihre Instrumente als auch ihre Software beherrschen, schaffen es leider nicht, trotz einiger Höhepunkte ihrem Drittling griffige Strukturen und wiedererkennbare Stücke zu verleihen. So wird die angestrebte Komplexität leider auch zu ihrer eigenen Stolperfalle, sie sorgt nämlich dafür, dass man sich in den relativ gleichförmigen 54 Minuten verirrt. Und zwar mit offener Klappe. Trackmarker sind dann nur noch als Wegmarkierungen zu verstehen, die aber keine Orientierung zwischen den wirbelnden Gitarrenfiguren, den stürmenden Blasts und dem allpräsent donnernden und wirklich bemerkenswerten Dosenorchester bieten. Vielleicht ist das so gewollt, dann ist "Whom The Fire Obeys" durchaus ein behutsam bis zur annähernden Perfektion ausgearbeitetes Meisterwerk von beachtlicher Atmosphäre. Vielleicht ist die Scheibe aber auch ein überladenes, etwas wirres Konglomerat aus einer Million Ideen, die nicht recht zum Punkt kommt und mit dem Mördersound einer großen Produktion nicht mithalten kann. Ich weiß es nicht. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, in der Mitte. Trotzdem Wahnsinn, dass so eine Band wirklich kaum jemand kennt, das grenzt an ein Verbrechen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Florian Dammasch (10.09.2014)

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