SCHATTENVALD - IV

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VÖ: 00.12.2013
Bandinfo: SCHATTENVALD
Genre: Melodic Black Metal
Label: Kristallblut Records
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Lineup  |  Trackliste

Zwanzig Jahre lang habe ich mich jetzt dem Black Metal verschrieben. Zwanzig Jahre sind vergangen, seit ich SAMAELs "Baphomet's Throne" und wenig später das komplette "Ceremony Of Opposites"-Album gehört habe, dem ich die wahrscheinlich bisher längste Liebe meines Lebens verdanke. In dieser Zeit, denkt man sich, habe ich gehört, was es an Black Metal zu hören gibt. Habe schätzen gelernt, was es zu schätzen gibt, und gelernt auf vieles zu verzichten, was für mich in den ganzen Jahre belanglos war. Und das war und ist sehr viel.

Dass es 2014 eine Band - und dann noch eine deutsche - schafft, dass ich noch einmal ganz genau hinhöre, noch einmal ganz genau nachempfinde, warum ich mich in den Black Metal unsterblich verliebt habe, habe ich für ziemlich unmöglich gehalten. Dass die Band, die das bewerkstelligen kann, SCHATTENVALD heißen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Nicht wegen des gewollten Schreibfehlers, sondern einfach... na ja, machen wir uns nichts vor, weil das etwas klischeehaft albern klingt. Ist es aber ganz und gar nicht. "IV", von dem Duo hinter SCHATTENVALD wie auch die anderen drei Alben als Demo verstanden, ist alles, aber nicht albern. Es ist hoffnungslos rückständig, alles andere als perfekt gespielt, selbst für 90er-Verhältnisse relativ dünn produziert, musikalisch keine Revolution. Aber es läuft fast über vor Atmosphäre, vor tiefer Beseeltheit, und es ist ein so authentisches Werk, dass man kaum glauben möchte, dass soetwas nach 1997 noch entstanden sein kann.

Was steckt nun dahinter? Kein Hexenwerk. Lange, epische Songs mit unaufgeregtem Black-Metal-Schlagzeug, klassische Powerchord-Gitarren und zweckdienliche Leads, schummerige Keyboardsounds, eine bis zur Unkenntlichkeit verhallte Stimme und echte Gänsehautmelodien. Und davon sehr viele. Momente wie der Einstieg in "Das Rote Schloss" sind so ergreifend düster, dass mir die Tränen kommen. Dabei glänzt die Platte sicher nicht mit den üblichen Hinhörmomenten, sondern wirkt als stimmungshomogenes Gesamtwerk, in dem es in Ordnung geht, dass nicht jeder Song für sich ein Volltreffer ist.

Das Konzept eines Kunstwerks greift übrigens auch auf die Äußerlichkeiten über: Wenn jemals eine Band berechtigterweise ein klassisch schwarz-weißes Verlassene-Kirchen-Graphitzeichnungs-Cover haben durfte, dann SCHATTENVALD - wer sich auf "IV" einlässt, wandelt nämlich tatsächlich zwischen genau diesen Türmen, unter drohenden Wolken und im Schatten alter Bäume. Etwas vergleichbar atmosphärisches hat nur Charmand Grimloch mit TARTAROS (kennt das noch jemand?) jemals erschaffen, und zuletzt vielleicht DIES ATER mit dem großartigen "Hunger For Life"-Album. Oder, allerdings erstaunlicherweise mit Abstand, IMPERIUM DEKADENZ. Damit habe ich nicht gerechnet. Aber auch das ist Black Metal: Immer wieder überraschend, immer wieder berührend, selbst nach so langer Zeit.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Florian Dammasch (13.09.2014)

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