Emergency Gate - Infected

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VÖ: 26.09.2014
Bandinfo: Emergency Gate
Genre: Modern Metal
Label: Bob-Media
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Lineup  |  Trackliste

Es ist so eine Sache mit dem "Disco-Metal". Einige Melo Deather oder Metalcoreler wagen momentan den Schritt, ihre teils sehr eingefahrenen Songstrukturen durch die Hinzugabe von Technobeats aufzupeppen, welche nicht selten an die Kirmestechno-Zeit der Frühneunziger erinnern. So klingen AMARANTHE nicht selten wie DJ BOBO und ESKIMO CALLBOY nicht selten wie SCOOTER. EMERGENCY GATE tragen ihre Nähe zum Eurotrash so weit nach vorne, dass sie sich jüngst auf eine Kooperation mit HADDAWAY eingelassen haben. Was in einigen Fällen ulkig-amüsant, in selteneren Fällen sogar gelungen ist, nutzt sich wie alle anderen Trends auch schnell wieder ab.

Dabei beweisen uns EMERGENCY GATE eigentlich in einigen Stücken vorbildlich, wie man eventuellen Abnutzungserscheinungen vorbeugen kann. Man erinnere sich an das letzte Werk "You", welches mit dem großartigen "Back From The Grave" einen mega eingängigen Hit vorzuweisen hatte, der modernen Metal mit düsteren Klängen Marke SENTENCED kombinieren konnte. Nach so einem Ausreißer nach oben, soviel darf man vorweg nehmen, sucht man auf "Infected" leider vergeblich.

Ist das neue Werk also langweilig? Gar schlecht? Mitnichten, denn es gibt der Modern Metal Hörerschaft handwerklich perfekt inszenierte Massenware - und das bedeutet Fluch und Segen zugleich. Auf "Infected" gibt es einige kurzweilige und bärenstarke Hits zu verbuchen. Da wären das vorab veröffentlichte "Sons Of The Second" und noch viel mehr "Going Under", welches an handfester Melodik geradezu überquillt. Dann gäbe es im weiteren Albumverlauf ein Stück Namens "Crushing Down", dessen Hookline wohl nach einmaligem Hören nie wieder aus der Erinnerung verschwinden will. Künstlerisch anspruchsvoll wird es mit dem dynamisch aufgebauten "Drowning In Hate", welches sachte melancholisch beginnt, langsam an Fahrt aufnimmt und sich letztendlich in einem mächtigen Breakdown entlädt. Auch das zerbrechliche, von sanften Pianoklängen begleitete "Peace Of Mind" darf als gelungen gelten.

Dazwischen gesellt sich aber leider viel Einheitsbrei, welches auch bei wiederholten Durchläufen nicht zünden will. Stakkato Riffs, Breakdowns, Growls und besagte Technomelodien aus dem Keyboard treffen auf klar gesungene Refrains, die man so oder so ähnlich definitiv schon einmal gehört hat. Die Möglichkeiten, die man sich durch HADDAWAY aufgetan hat nutzt man ebenso wenig (dafür sind die Eurodance-Parts einfach nicht prägnant genug) wie den Schlenker gen Düsterniss auf dem letzten Album, welcher bislang im Genre ein Unikat gewesen ist. Das ist einfach schade, denn hier wurde viel Potential verschenkt.

Und dann gibt es noch den Song "We Wanna Party", welcher textlich auf dem Niveau der letzten EMIL BULLS mit schwimmt und an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Hier kommen wir wieder zum Begriff "Disco Metal", der das Stück und irgendwo auch das Album auf den Punkt bringt: "Infected" bietet Material für die Tanzfläche, welches zeitlich begrenzt auch zuhause Spaß macht, sich aber ebenso schnell wieder abnutzt.

Fazit: Unterm Strich schlägt die Qualitätswaage gerade noch so gen positiv aus. Spielwitz, Kompaktheit und ein Händchen für Hits überzeugen. Eigenständigkeit und Nachhaltigkeit sucht man allerdings vergeblich.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (22.09.2014)

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