Meshuggah - The Ophidian Trek

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VÖ: 26.09.2014
Bandinfo: Meshuggah
Genre: Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Zu einem ausgedehnten Ausflug in einen äußerst anspruchsvollen Soundgarten laden uns MESHUGGAH auf ihrem neuen Livealbum ein. "The Ophidian Trek" markiert eine Zusammenfassung von seit über einem Vierteljahrhundert reifender, komplexer Soundmaterie und gibt einen Überblick über die schon recht lange währende Karriere der Schweden. Auf diesem Doppeldecker darf man nicht nur abtauchen in die jüngere Vergangenheit der Skandinavier, vielmehr wird man in die (Un-)Tiefen ihres Schaffens förmlich hineingesogen. Mitten in's Gesichtsfeld hauen die 15 Tracks, hier erhält jeder eine ungewollte Abreibung, der nicht mit den soundtechnischen Eckpfeilern der Band und dem Wesen des akustischen MESHUGGAH-Kosmos vertraut ist. Der Gig dokumentiert den Werdegang der Band gleichsam wie ihre jahrelange Weiterentwicklung, obwohl die ersten beiden Longplayer komplett ausgespart wurden, "Future Breed Machine" gab's auf dem letzten Livedokument "Alive" (2010). Auf diesem - auch auf DVD erhältlichen - Album werden Köpfe reihenweise angebohrt (um darauf folgend wahlweise akustisch behutsam einzudringen), gemächlich-beständig abgeschraubt oder schlichtweg brachial abgerissen. Die Bandbreite der Abrissbirnen und Verstandverdreher reicht dabei von Frühwerken wie dem vergleichsweise verhaltenen "New Millennium Cyanide Christ" vom 1998er "Chaosphere"-Album über "Rational Gaze" ("Nothing") oder die "Catch Thirtythree"-Songs, wobei der Schwerpunkt dieses Konzerts naturgemäß auf den letzten Erfolgsalben "Obzen" und "Kolossus" liegt, von denen jeweils fünf bzw. sechs Songs vertreten sind.

Negativ anzumerken ist, dass von wegen Liveatmosphäre rein gar nichts zu hören bzw. zu spüren ist, was auch den klinischen, eskapistischen und gleichzeitig schrulligen Ego-Aspekt dieser Musikrichtung dokumentiert und verstärkt. Hier wird wenig Platz gelassen für emotionale Interaktion zwischen Akteuren auf den Bühnenbrettern und Rezipienten zu Füßen derselben, hier steht introspektive Isolation und die Reise ins innere Ich im Vordergrund. MESHUGGAH liefern dazu den wuchtigen, die brachiale Saitenzerstörung zelebrierenden und gleichsam idealen Soundtrack, der von ausufernd scheinenden Arrangements und brutaler Zerstörungskraft gekennzeichnet ist. Man kann die Band lieben oder hassen, aber eines muss anhand dieser Live-Retrospektive wieder einmal festgehalten werden: Die Band hat ihren Stil und ihre Nische gefunden, stetig weiterentwickelt, einen wichtigen Beitrag für den Djent/Progressive/Extreme Metal geleistet und darf nicht zuletzt deswegen zu gering geschätzt werden. Hier wurde und wird großes Metal-Kino fabriziert, das für die grenzerfahrende bzw. -dehnende Weiterentwicklung der Metalszene mehr als die meisten anderen Bands geleistet hat.



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (26.09.2014)

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