AMARANTHE - Massive Addictive

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VÖ: 17.10.2014
Bandinfo: AMARANTHE
Genre: Experimental Metal
Label: Spinefarm Records
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Lineup  |  Trackliste

Bands wie AMARANTHE müssen sich für die Art von Musik, die sie zelebrieren, immer wieder Häme abholen. In der Metal Welt wird immer von großer Toleranz gesprochen, doch vermischt eine Band verschiedene Genres, mischt u.a. poppige kommerzielle Einflüsse mit ein, so schüttelt der Ottonormalmetaller nur mit dem Kopf. Für mich unverständlich, denn AMARANTHE ist keine dieser Bands, die man in eine Schublade befördern kann. Unbestritten nutzen sie kommerzielle Einflüsse, doch am Ende des Tages entscheidet ohnehin der persönliche Geschmack, ob das gefällt, was man auf die Ohren bekommt. Eine Klassifizierung nach dem Motto "Es ist Metal, also darf ich es gut finden!" existiert bei mir nicht. AMARANTHE mögen zwar sowohl poppige als auch elektronische Elemente in ihre Musik integrieren, doch genauso ist eben auch der Metal ein großer Bestandteil ihres Schaffens. Was mich persönlich eher mit den Augen rollen lassen hat, war das vergangene Werk "The Nexus". So war jene Platte zumindest in meinen Augen bzw. Ohren eine 1:1 Kopie zum Debüt. Man hat mit dem selftitled Debüt seinen ganz eigene Sound kreiert, hat sich mit "The Nexus" aber folglich absolut gar nichts getraut und ist voll auf Nummer sicher gegangen. Als mir zu Ohren kam, dass nach 2013 bereits dieses Jahr erneut eine AMARANTHE Platte erscheinen würde, war ich mehr als nur skeptisch. Das konnte doch nur ein Schnellschuss werden...oder?

Der Opener "Dynamite" lässt diese Befürchtung schon mal eindrucksvoll verfliegen, catcht mich vor allem mit seiner groovigen Attitude. Verwundert hat mich aber vor allem die Tatsache, dass ich nicht sofort von einem Ohrwurm sprechen wollte. Wie bitte? Ein AMARANTHE Song, der keinen Ohrwurmcharakter besitzt? Richtig gehört! Und das ist mehr als nur positiv zu bewerten. So ging "The Nexus" insbesondere deswegen bei mir komplett unter, weil wirklich KEIN Song Entwicklungspotenzial mit sich gebracht hat. Alles war auf Nummer sicher, keine Nummer hatte auch nur im Ansatz die Möglichkeit irgendwie zu wachsen. Natürlich ist "Dynamite" kein Innovationsfeuerwerk, aber der Song hat deutlich mehr Charakter, wodurch er eben auch einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Anders empfinde ich das bei "Drop Dead Cynical", den man leider auch als Single gewählt hat. Jene Nummer erinnert mich eben an genau das, was man bereits auf den ersten zwei Alben zelebriert hat und so entwickelt die Single bereits nach den ersten Sekunden diesen Nervfaktor...Es sei AMARANTHE verziehen, denn "Trinity" macht das locker wieder wett, ist extrem melodisch, extrem power metallisch und vor allem verspielt. Der Titeltrack schleppt sich dann wiederum eher so durch, wirkt ein bisschen wie der große Bruder von "Razorblade", das auf dem vergangenen Werk seinen Platz hatte. "Digital World" ist wohl die Nummer, die schlichtweg ihren Platz auf einer AMARANTHE Platte finden MUSSTE. Gänzlich dürfen sie ihre Wurzeln dann doch nicht verleugnen, wobei insbesondere der Mittelpart mit einer netten Screameinlage ordentlich ballert.

Richtig angetan haben es mir diesmal die zwei Balladen "True" und "Over And Done", die im Vergleich zu "Amaranthine" deutlich reifer und erwachsener wirken, sowohl textlich als auch musikalisch. Seine volle Stärke entfaltet "Massive Addictive" auch insbesondere in der zweiten Hälfte mit Songs wie dem energischen "Unreal", "Danger Zone", das durch hau drauf Strophen und dem sehr melodischen Refrain einen tollen Kontrast bildet, "Skyline", das an Glanztaten von SONIC SYNDICATE erinnert und insbesondere "Ordinary Abnormality", das mit großer Sicherheit den härtesten Song der Bandgeschichte markiert. Hier darf der neue Schreihals Henrik sich vollends austoben und AMARANTHE machen kurzen Prozess. Ein absolutes Highlight! Auch der melancholisch angehauchte Abgang mit "Exhale" ist definitiv nicht zu verachten!

Ihr seht, auch AMARANTHE sind lernfähig und schaffen mit "Massive Addictive" ein Album, das ich so nicht erwartet hätte. Natürlich sind die typischen Elemente der ersten zwei Platten nachwievor unverkennbar, doch jeder einzelne Song hat Charakter und bietet ein gewisses Entwicklungspotenzial. So entsteht nicht schon nach einem Durchlauf der Eindruck, man hätte bereits alles entdeckt. Das muss man den Jungs und dem Mädel positiv ankreiden. Einziger Wehrmutstropfen sind die Single und der Titeltrack, die sich aber insbesondere durch die bärenstarke zweite Hälfte verschmerzen lassen. Wenn es einen Zeitpunkt gibt, AMARANTHE ernst zu nehmen, dann ist dieser spätestens jetzt gekommen!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sonata (20.10.2014)

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