GHOST BRIGADE - IV - One With The Storm

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VÖ: 07.11.2014
Bandinfo: GHOST BRIGADE
Genre: Melodic Death Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Auch auf ihrem vierten Longplayer bleiben sich die finnischen Düsterfürsten selbst treu, lassen sich wenig Spielraum für Experimente und feilen lieber an ihrem ureigenen musikalischen Monolithen. Melancholie und Moll-Akkorde gehören seit jeher zum Standard-Repertoire der Band aus Jyväskylä, episch ausladende Melodiebögen und der fast schon schmerzerfüllte Krächz-Gesang von Manne Ikonen zeichnen den Sound mit Wiederkennungswert aus - trotz unzähliger Mitbewerber aus diesem Genre. Und auch diesmal setzt man - wie bereits auf "Until Fear No Longer Defines Us" - mehr auf die "cleanen" Passagen, was manchen Songs wie etwa dem starken "Departures" recht gut steht. Doch die Geisterbrigade wandelt damit auch auf wackligen musikalischen Brücken.

Das merkt man vor allem bei "Disembodied Voices": hier gibt's fast schon Kommerz-Alarm, gottlob retten die Finnen den Song noch mit einem passablen Schlussteil. Dieser Song ist aber auch stellvertretend für die Misere von GHOST BRIGADE: sie schreiben schlüssige, eingängige Melodien, überlassen beim Zusammenfügen nichts dem Zufall und kommen über ein angenehm schunkelbares Midtempo nie hinweg - was den oben bereits erwähnten Spielraum einschränkt und der Combo unbewusst kreative Klötze in den Weg legt. Mit dem Resultat, dass "IV - One With The Storm" auch beim zehnten Durchlauf als Ganzes noch nicht so richtig zünden mag.

Auf der Habenseite stehen hier zwar großartige Kleinode wie "Aurora" mit seinem Hammer-Schlusspart, das knackige "The Knife", der unerwartet dynamische Rauswerfer "Elämä On Tulta" und "Stones & Pillars", für mich hier unbestritten der Höhepunkt des Albums, der ab sofort auch im Live-Set stehen muss. Mit "Electra Complex" hat man dann aber auch einen Zehnminüter, der nicht so richtig greifen will, wo man zu lange Spannung aufbaut, um sie mit keinem wirklichen Höhepunkt zu beenden. Das etwas zähe "Wretched Blues" funktioniert als Opener nicht wirklich, die schnarchige Halbballade "Anchored" hätte man sich schenken können, und auch das im Ansatz durchaus überzeugende "Long Way To The Grave" wird nach schwer verdaulichem Beginn erst zum Ende hin lohnend.

Was aber insgesamt keine schlechte Platte bedeutet. Konstanz heißt das Zauberwort, und nicht mit Siebenmeilenstiefeln durch die Musikgeschichte latschen. Aber GHOST BRIGADE können das noch um einen Tick besser, ich weiß es. Auch dieses Langspielteil wird zum endgültigen Durchbruch nicht ganz reichen, aber das ist vielleicht auch besser so - wenigstens kann man diese talentierte Band (noch) nicht kommerziell verheizen. Schade, dass sich das Sextett weiterhin unter Wert verkauft und aus dem Schatten von KATATONIA, INSOMNIUM und AMORPHIS nicht so richtig raus kommt. "IV- One With The Storm" ist ein solides Werk mit einigen lichten Höhen und einer Menge Mitten, nicht mehr und nicht weniger. Zumindest die Breitwand-Produktion von Tuomas Kokko (Electric Fox Studios) lässt am Ende keine Wünsche offen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (21.11.2014)

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