Blind Guardian - Beyond The Red Mirror

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VÖ: 30.01.2015
Bandinfo: BLIND GUARDIAN
Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

"Meine Damen und Herren, der Zirkus ist eröffnet!" Rund alle vier Jahre wieder melden sich die Krefelder Metal-Heroen von BLIND GUARDIAN amtlich mit neuem Studiomaterial zurück. Und jedes Mal ist es wieder ein Highlight, ein neues Album der Jungs rund um Mastermind Hansi Kürsch in Händen zu halten. Mit "Beyond The Red Mirror" schlagen die Metaller, die seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums "Battalions Of Fear" im Jahr 1988 (!) eine wahre stilistische und musikalische Symbiose vollzogen haben und verschiedenste Spielarten des modernen und traditionellen Metals in eine symphonisch-bombastische Einheit verschmelzen konnten, nun also ihr zehntes Kapitel auf. "Es geht um das Miteinander von Gestern und Morgen", bringt es Fronter und Songwriter Kürsch dabei perfekt auf den Punkt. Denn "Beyond The Mirror" ist nicht nur eine inhaltliche Wiederaufnahme des 1995er Geniestreichs "Imaginations From The Other Side", sondern schreibt auch den musikalischen Pfad, den BLIND GUARDIAN bereits auf dem Vorgängeralbum "At The Edge Of Time" wieder verstärkt aufgenommen haben, konsequent fort.

Das bedeutet vor allem eines: Dass es die Jungs schaffen, all ihre stilistischen Eigenheiten (von treibenden Speed-Metal-Riffs über Bombast-Chöre bis hin zu griffigen, mitreißenden Melodiebögen, teils überbordend, teils filigran, aber immer passgenau) in ein Album-Korsett zu schnüren, ohne dabei zwanghaft nach guten Lösungen suchen zu müssen. War für mich bereits der 2010er Output eine gekonnte Mischung aus allen BLIND GUARDIAN-Trademarks, ist "Beyond The Red Mirror" der logische Nachfolger und damit auch die Bestätigung dieser Annahme. Und obwohl sich auf dem neuen Longplayer immer wieder Einflüsse älterer Scheiben (ein bisschen "A Night At The Opera", ein bisschen "Imaginations From The Other Side" etc.) einschleichen, schaffen es die Krefelder erneut, ein spannendes, ausgereiftes und vor allem begeisterndes Album einzuspielen, das zwar erwartete Ingredienzien aufweist, damit aber zu keiner Sekunde langweilt.

Ganz im Gegenteil: Allein der über neunminütige Opener "The Ninth Wave" zeigt schon, wo der BLIND GUARDIAN-Hammer zu hängen hat. Ein episches Chor-Intro, das in einen treibenden Riff übergeht und in einem Mitsing-Refrain endet, der sich gewaschen hat. Und das alles natürlich punktgenau produziert und soundtechnisch bis in die kleinste Nuance austariert. Das trifft beispielsweise auch auf den instrumental etwas ausschweifenden Melodic-Titel "Prophecies" zu, vom 'Grand Finale' in Form der "Grand Parade" gar nicht erst zu sprechen. Und obwohl die Songs auf der neuen Scheibe auch immer wieder an der Sechs-Minuten-Grenze kratzen bzw. diese überschreiten, wird der Spannungsbogen nicht ein einziges Mal überreizt. Auch das ist eine Kunst, die Kürsch, Olbrich und Co erst lernen mussten. Songs wie "At The Edge Of Time" (als Reminiszenz ans Vorgängeralbum), das ein wenig an "Opera"-Zeiten erinnert oder der eher aggressive und härter ausgefallene Mittelteil rund um "Ashes Of Eternity" und "The Holy Grail", wissen einfach von vorne bis hinten zu überzeugen. Da ist keine Doublebass-Attacke zu viel und kein kreischender Kürsch an der falschen Stelle. Was auch ein Titel wie "The Throne" beweist: Mit einem filigranen Melodiebogen im Chorus, der von verspielten Riffs und choralen Effekten unterstützt wird, treten die Jungs zum Ende des Albums hin noch einmal ordentlich aufs Gas, um unmittelbar danach direkt die Handbremse zu ziehen, um mit "Miracle Machine" eine der ruhigsten und gleichzeitig gelungensten Balladen des BLIND GUARDIAN-Backkataloges einzuspielen. Wie aus einem Musical übernommen und in ein akustisches Metal-Gewand gepackt, klingt das Ganze - Gänsehaut pur!

Wie man sieht, ist "Beyond The Red Mirror" für mich persönlich ein wahres Highlight des frühen Metal-Jahres geworden. Eine Steigerung des bärenstarken "At The Edge Of Time" habe ich mir im Vorfeld nur schwer vorstellen können, mit der vorliegenden Platte ist das aber beinahe gelungen. Und auch wenn ein Song wie "Sacred Mind" spannungstechnisch etwas abfällt und mir die Vorab-Veröffentlichung "Twilight Of The Gods" zwar gefallen, aber nicht restlos begeistern konnte, bleibt einem - im Kontext des neuen Albums - eigentlich nichts anderes übrig als zuzugeben, dass sie es wieder einmal geschafft haben. Mit Bombast-Metal at it's best melden sich BLIND GUARDIAN im etwas verlängerten Vierjahres-Rhythmus zurück und beweisen damit vor allem eines: Dass diese Krefelder nicht unterzukriegen sind und nach wie vor zum absolut Besten gehören, was der Metal zu bieten hat. Wenn nicht noch mehr...



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: mat (22.01.2015)

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