Stormwitch - Season Of The Witch

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VÖ: 23.01.2015
Bandinfo: Stormwitch
Genre: Heavy Metal
Label: Massacre Records
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Lineup  |  Trackliste

Flashback ins Jahr 2012: "Rock'n'Rolf Kasparek" veröffentlicht zur Überraschung vieler ein neues RUNNING WILD-Album namens "Shadowmaker". War man Anfangs freudig erwartungsvoll, stellte sich beim Hören sehr schnell Ernüchterung ein und es war klar, ein guter Name allein ist auch nach langer Pause kein Garant für Qualität (auch wenn "Resilient" schon eine ganze Ecke besser gelungen war). Fast Forward nach 2015: Auch Andy Mück hat endlich wieder ein Line-Up zustande bekommen (das Wörtchen "stabil" verkneife ich mir mal) und tatsächlich ein neues STORMWITCH-Album eingespielt. Um die Verknüpfung herzustellen: "Season Of The Witch" wird ähnliche Reaktionen einfahren wie "Shadowmaker", wenn nicht schlimmere.

STORMWITCH sind Klassiker, keine Frage. Die Alben vor dem ersten Split 1996 sind allesamt gelungene Werke und strotzen vor Hits. Auch das Thema "Comeback" beherrscht Mück, "Dance With The Witches" anno 2002 war ein sehr gutes Album, das Folgewerk "Witchcraft" 2004 ging in eine zu kitschige Richtung und verprellte Fans wie Kritiker. Das sahen auch Label und Musikerkollegen so und schwupps stand Mück ohne Vertrag und Band da. Viele Jahre war es still um die Hexe, News gab es meistens nur über das ständig wechselnde Line-Up, bis es in den letzten Jahren zu einigen Konzerten und schließlich, nach langer Wartezeit, nun endlich zum Albumrelease kommt. Die lange Unbeständigkeit im Line-Up ist aber nur eine von vielen möglichen Antworten auf die Frage, was beim fertigen Endprodukt alles schief gelaufen ist.

Nachdem im Intro zu "Evil Spirit" das Faustsche Hexeneinmaleins rezitiert wird, Drums und Gitarren einsetzen, Andy Mück zum ersten Scream ansetzt, beschleicht einen direkt ein unwohliges Gefühl und zwar nicht die positive Art dessen. Erschreckend drucklos, gar lieblos hingematscht wirkt die Produktion. Schwachbrüstige Gitarren, papperne Drums auf Midi-Qualität, dünner Gesang (was ausdrücklich nicht an Mücks Fähigkeiten liegt). Bei dem vorab veröffentlichten "Last Warrior" gibt es dazu noch Blechbüchsen-Keyboards sowie einen Chor, der irgendwie immer eine Zählzeit im Takt vor oder hinter Mück einsetzt. Holprige Song-Enden und viele Unsauberheiten im weiteren Albumverlauf verdeutlichen die Tatsache, dass auf produktionstechnischer Seite viel Potential liegengelassen wurde. Das Album wurde komplett im Studio von Gitarrist "Stoney" Spitznagel eingespielt und produziert und Mut zur Eigenständigkeit ist eigentlich eine löbliche Sache. Doch hier hätte ein externer Produzent zwingend Not getan, um dem ganzen Material den nötigen Pfiff zu verpassen.

Kommen wir zu den Songs und fangen wir hier mal mit den Lichtblicken an: "True Until The End" ist genau das, was der Name suggeriert. Eine flotte, treibende, sehr eingängige und klischeetriefende Hymne auf den Metal, welche mit seinem tollen Refrain gerne auf dem nächsten Keep It True prominent platziert werden darf. Auch das Titelstück beweist einiges an Dynamik und bietet den wohl widerhakigsten Refrain des Albums. Der auf der Limited Edition erhältliche Longtrack "The Singer's Curse" zeugt von einer düsteren Spannungskurve und drückenden Riffs. Dann gibt es da noch einen schön stampfenden, eingängigen und abwechslungsreichen Mid-Tempo-Kracher namens "Taliesin", welcher sich nach einigen Spins als Albumhighlight entpuppt.

Dagegen stehen allerdings ein paar Volltreffer ins Plumpsklo, die so eigentlich kaum ernst gemeint sein können. "At The End Of The World" zum Beispiel klingt im Chorus wie eine schlechte Jodelnummer. Oder "Harper In The Wind", auf dessen Nicht-Riff wohl nicht mal eine Abi-Band stolz wäre. Irgendwo klingt ACCEPTs "Princess Of The Dawn" als Anleihe durch, aber um Abwechslungsreichtum, Melodie und Spannung erleichtert. Glorreich auch das Finale dieses Nicht-Songs: Nachdem die A-Saite im 4/4 Takt überlang bedeutungsloses Sologeschwurbel unterlegt, faded der Song so abrupt ab, als ob die Anlage gerade einen Telefonanruf reinbekommen würde. Und dann gibt es da noch die Balladen "Runescape" und "Different Eyes", die ich euch gar nicht weiter spoilern möchte. Hier haben wir es mit echten Trash-Highlights zu tun für alle, denen "Sharknado" noch viel zu anspruchsvoll, FREEDOM CALL noch viel zu düster und KISSIN' DYNAMITE noch viel zu männlich ist. Als Parodie gelungen, als ernst gemeinte Songs hoffnungslos vermurkst.

Der Rest dümpelt im Mittelfeld herum. Ob der Up-Tempo-Opener "Evil Spirit", der versucht epische "Last Warrior" oder das groovige, wenn auch unspektakuläre "Trail Of Tears" - jeder Song besitzt ein paar halbwegs gelungene Elemente, doch wird eigentlich bei keinem der Songs das volle Potential genutzt. Da wurden ein paar gute Ideen fix und schnell zusammengeschustert, aber nichts wirklich ausgearbeitet. Für erste Versuche einer Newcomerband vielleicht tolerabel, für einen prestigeträchtigen Namen wie STORMWITCH eine Zumutung.

Fazit: Objektivität hin oder her, die persönliche Enttäuschung ob des halbgaren Zustandes dieses Albums war anfänglich so dominant, dass ich das Album am liebsten nie wieder angefasst hätte. Es hat schon einiges an Überwindung gekostet, "Season Of The Witch" oft genug einzulegen, bis dass sich ein paar der Grower auch entfalten konnten und das Review hier nicht in einem Null-Punkte-Verriss enden zu lassen. Zwischen einem guten Album und diesem hier liegen dennoch Welten. Die paar wenigen zündenden Songs trösten nicht über die teils trashig schlechten Nummern und die unterirdische Produktion hinweg. Unterm Strich bleibt "Season Of The Witch" eine bittere Enttäuschung, die den Namen STORMWITCH in keinster Weise verdient.



Bewertung: 1.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (21.01.2015)

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