Melechesh - Enki

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VÖ: 27.02.2015
Bandinfo: MELECHESH
Genre: Black / Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Er zaubert wieder, der König des "Mesopotamian Metal", "Oriental Black Metal", "Sumerian Thrashing Black Metal", "Middle Eastern Folk Metal" - nennt das Ding wie ihr wollt! Zeremonienmeister Ashmedi ist wiederauferstanden, seiner treuen Fanschar ein weiteres Stückchen seiner Vision zu offenbaren. Zeichnete sich mit den Longplayer-Vorboten bereits die große Klasse dieser Band ab, hatte sich die Truppe mit dem glänzenden Vorgänger "The Epigenesis" endgültig etabliert. Auch auf ihrem sechsten Album bedienen sich MELECHESH jener Ingredienzien, welche bereits auf den Vorgängern zu einem orientalisch-ekstatischen Soundgebräu verschmolzen waren. Flirrende, säbelscharfe Gitarren und nah-/fernöstlich klingende Gitarrenskalen treffen auf komplexe Rhythmik und anspruchsvolle Arrangements. Der Reigen aus in sich gedrehten und verzahnten Rhythmen, rollenden Melodien, hypnotischen Riffs und exotisch wirkendem Drumming wird wieder zu einem dunklen, originell anmutenden Diamanten verdichtet.

Wie bereits in der Vergangenheit hat man oft das Gefühl, dass sich die Mitglieder hier in einen wahren Rausch spielen. Die betörenden Schwaden des Ergebnisses scheinen sich genüßlich über die Zuhörer zu senken. Die in den Niederlanden ansässige Band entführt den Hörer auf eine esoterische Reise und ummantelt diesen fantastischen musikalischen Output mit einem lyrischen und gesamtkonzeptionellen Konstrukt aus altertümlichen Spiritualität und fernöstlichen Kultureinflüssen. Diese Möglichkeit und Fähigkeit, seine privaten Interessen und sein Glaubens- und Mythologieverständnis in einzigartiger Qualität, Genialität und musikalischer Ausdruckskraft verschmelzen zu lassen, nützt der gebürtige Israeli ähnlich wie ABSU, MORBID ANGEL, ORPHANED LAND oder NILE und keift dabei wie immer charismatisch bis unheilschwanger, dass man ohrenscheinlich okkulte Zaubersprüche zu vernehmen meint.

"Enki" ist ein mit traumwandlerischer Sicherheit angelegtes Spiel aus Dynamik und entfesseltem Druck und wiederum ein faszinierendes Lehrstück der Erweiterung musikalisch ausgetrampelter Pfade. Trotz der Einwebung fernöstlicher Einflüsse scheint dieses Album zu fließen und schafft es dabei, ein Höchstmaß an Stimmigkeit und Homogenität zu erzeugen, ohne abgehackt, diffus oder gar disharmonisch zu klingen, Nummern wie der Opener oder das tolle "The Pendulum Speaks" mögen als Referenzsongs herhalten. Doch auch "Lost Tribes", "Multiple Truths" etc. überzeugen auf ganzer Ebene. Das zähe "Enki Divine Nature Awoken" könnte auch BEHEMOTH-Fans gefallen, "Metatron And Man" geht als das neue "Grand Gathas Of Baal Sin" durch und auf dem ruhigen "Doorways To Irkala" darf die Band die rein orientalische Seite strom- und hemmungslos ausleben, bevor der fast 13-Minüter "The Outsiders" am Schluss noch mit ausgefeiltem Aufbau glänzt.

"Enki" ist wiederum ein ergreifendes und packendes Album geworden, das den kapitalen Vorgänger zwar nicht übertreffen kann, aber das meisterliche Konzept weiter verdichtet. Großes, charismatisches Album, das wiederum anspruchsvoll-zwingende, dunkle Härte entfesselt, vorausgesetzt, man ist offen für Einflüsse außerhalb der Genregrenzen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (16.02.2015)

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