Napalm Death - Apex Predator - Easy Meat

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VÖ: 27.01.2015
Bandinfo: NAPALM DEATH
Genre: Grind Core
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Ein neues NAPALM DEATH-Album ist immer eine besondere Freude und gleichzeitig irgendwie wie ein Familientreffen… man freut sich, die Verwandten, die man manchmal länger nicht gesehen hat, wiederzusehen und weiß eigentlich genau, wie es ablaufen wird. Trotzdem kann man nie so ganz sicher sein, ob das Erwartete dann auch tatsächlich eintritt oder ob man nicht doch die eine oder andere Überraschung erlebt. Die Vier werken doch schon seit Jahren in derselben Besetzung, die ein Garant für hochqualitatives Studiomaterial und energetische Live-Performances ist. Dieses Line-Up widersetzt sich (trotz Kurzzeitausstieg von Barney) bereits seit mehr als 20 Jahren jeglichen Trends und Konventionen und pflegt den schon zuletzt auf eingeschlagenen Weg aus High-Class-Gebolze samt Mosh-Einsprengseln und Psycho-/Avantgarde/Ambient-Elementen (die wohl von den von der Band veehrten SWANS und KILLING JOKE inspiriert sind) auch auf ihrem neuen Album. Die große Überraschung bleibt somit aus, vielmehr werden die zuletzt gezeigten Trademarks verfeinert und in Summe abgerundet.

Eingeleitet vom dämonischen, titelgebenden Höllen-Intro darf "Apex Predator - Easy Meat" im Anschluss explodieren. Die Grindcore-Hölle bricht los, als "Smash A Single Digit" ungestüm nach vorne prescht. Die Zündschnur ist entfacht, der mächtige Energieball darf bersten und seine Wucht ungehemmt entfalten. Wie Dampfhämmer knallen einem die Titel mitten in die Visage, die Veteranen finden wieder eine wohlfeile Mischung aus genretypischem Geklopfe (wüste Aggro-Bolzen wie etwa "Bloodless Coup", "Stunt Your Growth" oder "One-Eyed") und groovig-rockigeren Einsprengseln. Herausragend und beängstigend sind daneben die psychotischen, zähen "How The Years Condemn" oder "Dear Slum Landlord". Lässig sind die integrierten "Up-Tempo-Rock"-Passagen (das geile "Cesspits" oder "Stubborn Stains") oder der Chorgesang bei "Hierarchies" geraten, wohingegen man Barney gerade beim rabiaten "Timeless Flogging" vor dem geistigen Auge hektisch hin und her wetzen und auszucken sieht. "Beyond The Pale" besticht mit Abwechslungsreichtum, bevor das vergleichsweise lange "Adversarial / Copulating Snakes" den Sack endgültig zumacht.

Der Frontbrüller äußert sich bekannt gesellschaftskritisch und richtet sich politisch korrekt gegen die gewohnten Feindbilder (Kapitalismus, Politiker, soziale Missstände etc.) und widmet sich dieses Mal besonders der modernen Sklaverei. Aktuell geprägt wurden die Engländer vom Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh, bei dem mehr als 1.100 ausgebeutete ArbeiterInnen ihr Leben verloren und doppelt so viele verletzt wurden. Solange sich die Welt dermaßen aus den Fugen geraten präsentiert und den Politköpfen mit akustischer Reichweite ausreichend Futter für Kritik gibt, werden diese Musiker mit Attitüde ihre Meinung auch weiterhin hinausbrüllen. Auch das plakative Albumcover springt einem förmlich ins Gesicht und ist per se schon ein Statement. Und wer mit dem „Apex Predator“, dem Oberen in der Nahrungskette, gemeint ist, sollte ebenfalls bald klar werden. Alles versinnbildlicht die Einstellung und politische Ausrichtung der Band, die aus der Masse heraussticht und den Fans zum akustischen Oeuvre auch noch "Food For Brain" mitkredenzt. Das seit Beginn des neuen Jahrtausends wieder verwendete Ur-Logo ist ein weiterer Garant für die Stabilität im Grindcore-Kosmos.

Die Gods Of Grindcore und Death Metal brauchen niemandem etwas zu beweisen und können sich weitgehend frei von Zwängen im mittlerweile 28. Veröffentlichungsjahr bewegen. Dabei bleiben die britischen Anarcho-Grinder ihren Idealen treu und liefern wieder derbe und intensive Kost in verstörend-kaltem, aber knallendem Soundkleid ab. So steht „Apex Predator“, immerhin Studioalbum Nr. 15, für moderne NAPALM DEATH und zeigt die Band in toller Verfassung und auf hohem Niveau. Was bleibt abschließend noch zu sagen? Ich freu mich schon auf die nächste livehaftige Zerstörung und Ohrenspülung von und mit Birmingham's Finest! Mehr als Metal...Metal with an attitude!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (21.01.2015)

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