Pink Floyd - Endless River

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VÖ: 07.11.2014
Bandinfo: Pink Floyd
Genre: Progressive Rock
Label: Warner Music
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Lineup  |  Trackliste

Die größte Band der Welt bringt nach 20 Jahren ein letztes Album auf den Markt. Von dieser Band, die ursprünglich aus Nick Mason (Drums), Roger Waters (Bass, Vocals), Richard Wright (Keyboards, Vocals) und Syd Barrett (Guitars, Vocals) bestand, sind heute nur noch Nick Mason und David Gilmour dabei.

Gilmour? Ja, der absolute Kultgitarrist löste Syd Barrett nach drei Jahren Bandgeschichte im Jahr 1968 ab. Die Meinungen mögen da auseinandergehen – Gilmour hat den Sound der Band beeinflusst wie kein Zweiter!

Wie gesagt, die Ur-Formation gibt es nicht mehr, Barrett und Wright sind 2006 und 2008 gestorben und mit Roger Waters liegt die Restband seit Jahren im Streit.

Kommt dazu – ähnlich wie bei GENESIS mit Peter Gabriel – dass Syd Barrett für viele Fans Kultstatus hat und David Gilmour für sie quasi der Phil Collins von PINK FLOYD ist.

Und die letzte Ausgangslage, die kein Vorteil ist – die Band feiert ihren 50. (!) Geburtstag.

Die ersten PINK FLOYD-Alben, die ich aktiv mitgekriegt habe, waren „Ummagumma“, „Atom Heart Mother“ und „Meddle“; „A Saucerful Of Secrets“ kam später dazu und die bekanntesten Alben „The Dark Side Of The Moon“, „Wish You Were Here“ und „Animals“ waren dann meine persönliche Hochphase als Fan der Band. Es war klar, etwas besseres und für die Musikwelt wichtigeres gab es damals nicht.

Der Höhepunkt – vielleicht mit Ausnahme der „Animals“-Show – war dann „The Wall“. Nie werde ich vergessen, wie wir 1980 in der Westfalenhalle in Dortmund eines der wenigen Konzerte besuchten – die Show wurde nur noch in New York, Los Angeles und London aufgeführt. So etwas hatten wir nie zuvor erlebt und es erschien uns unmöglich, dass das noch getoppt werden konnte.

Bis heute ist „The Wall“ die meistverkaufte Doppel-LP der Welt. Bis es von MICHAEL JACKSONs „Thriller“ getoppt wurde, war es das meistverkaufte Album überhaupt.

Für viele Fans der Band begann der „Abstieg“ mit „Final Cut“ und „A Momentary Lapse Of Reason“ und letztlich mit „Division Bell“. PINK FLOYD hatten zu dieser Zeit längst nicht mehr die Bedeutung für die Musikwelt wie in den 60ern und 70ern.

Der langen Rede kurzer Sinn – nach 20 Jahren ohne musikalisches Lebenszeichen kannst du als Band von diesem Format nur Fehler machen, selbst wenn du kein Album herausbringst.

David Gilmour und Nick Mason haben es trotzdem getan und sie haben Richard Wright quasi mit an Bord geholt, da viele Puzzles zum Album von ihm komponiert worden waren.

Kurz und gut: „The Endless River“ ist das Schlussbouquet, das große Finale der Band. Es ist die Abschiedsvorstellung von Musikern, die sich und der Welt nichts mehr beweisen müssen. Es ist ein persönliches Album, vielleicht eine Art Abschiedsgeschenk. Gleichzeitig ist es ein Rückblick auf 50 Jahre Band- und Musikgeschichte. Und ich mag es.

Man mag monieren, dass es Versatzstücke sind, mehr oder weniger klare Bezüge zu altem Material. „It’s What We Do“ klingt ähnlich wie „Us And Them“, „Sum“ könnte Teil von „The Wall“ sein und so weiter und so fort. Who cares?

Das Album bringt PINK FLOYD zurück – wahrscheinlich zum letzten Mal. Es fasst ein Lebenswerk zusammen – ob Roger Waters dabei ist oder nicht. Gilmour und Mason verkörpern den Geist dieser epochalen Band mindestens so gut wie der große Vermarkter und Rechteinhaber des „Wall“-Albums.

Ich finde das Album gut, auch wenn es nicht ohne Makel ist. Ohne Zweifel ist es sentimental, teilweise zu nahe am Soundtrack für einen epischen Film. Über weite Strecken ist es aber PINK FLOYD, wie sie immer waren.

Jemand hat einmal geschrieben, dass PINK FLOYD eigentlich „nicht viel anders klingen als eine Violinsonate aus dem 17. Jahrhundert, die auf einem Keyboard gespielt wird“. Man könnte das auch „klassisch“ nennen.

„The Endless River“ mag endlos sentimental sein, überkandidelt oder ein Puzzle aus früheren Soundfragmenten. Es ist aber auch ein Zeugnis der enormen Musikalität dreier Männer, die in den letzten 50 Jahren mehr für die Entwicklung der modernen Rockmusik getan haben als jede andere Band – Punkt.

Und egal, wie anspruchsvoll oder nicht, wie kreativ oder nicht – mir gefällt die Scheibe, ich höre sie gerne, ich kann dabei meinen Gedanken nachhängen, mich entspannen und eine Reise zurück bis in meine Kindheit und Jugend unternehmen, weil es einige Musiker gibt, welche mich auf diesem Weg hierher begleitet haben und mir nun einen Weg zurück öffnen.
Das ist cool – danke!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Danny Frischknecht (22.01.2015)

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