Visigoth - The Revenant King

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VÖ: 23.01.2015
Bandinfo: VISIGOTH
Genre: Heavy Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Der König kommt zurück!

Das Westgotenreich war das von 418 bis 711 (bzw. 725) bestehende Reich der Westgoten, das seinen Schwerpunkt zunächst im Südwesten Galliens, später auf der Iberischen Halbinsel hatte. Ja, und weiter? Die Westgoten sind eben die Visigoten oder wie im Englischen VISGOTH. Und deren König kehrt eben auf dem Album der US-Amerikaner aus der Partymetropole Salt Lake City/Utah zurück. Von wo her und wo hin? Man weiß es nicht. Und, wenn man ganz tief in sich hineinschaut, ist es auch sensationell egal.

Nach dieser zeilenschindenden Einführung kurz ein paar Eckpunkte. Die Band gibt es seit 2010, damals hat Sänger Jake "The Snake" Rogers mit dem Gitarristen Lee Campana VISIGOTH gegründet, um dem Spirit des wahren, alten Metals zu huldigen. Das daraus resultierende Demo nannte sich "Vengeance". Der Rest der Band fand sich nach und nach ein und somit war die Band unter dem Banner VISIGOTH geboren.

Hier darf ich dann kurz zitieren:

After many hard-fought battles, the band came together to record the "Final Spell" EP in 2012, sealing the pact between them with rites ancient and sorcerous.

Es ist das Klischee, das VISIGOTH hier ausleben. Und das ist so auf die Spitze getrieben, dass es schon wieder, Kinder weghören, saugeil ist. Wer wie ich mit Blood, Steel, Vengeance und Fire aufgewachsen ist geht automatisch auf die Knie und preist wen auch immer. Hauptsache preisen, und zwar ohne Unterlass.

"The Revenant King" ist ein Album wie es viele echte Metaller sich wünschen. Sauhart für traditionellen Metal, ein paar technischen Spielereien, überlange Songs die nie langweilig werden weil die Band eben Songs mit Pathos, Härte und Melodie schreiben kann UND mit Jake Rogers einen begnadeten Sänger hat, der sich anhört als wäre er mit Jack Daniels und Marlboro hochgezogen worden. Eine dieser Stimmen die man nicht vergisst.

Die Jungs erfinden den Metal nicht neu, diese Binsenweisheit gönne ich mir, aber die Interpretation der vor allem amerikanischen Obskur-Metal-Ausprägung geht hier nicht nur gut ,sondern fegt jeden Traditionalisten, der nichts gegen gut produzierte Alben hat, locker vom Sessel. Mit gut produziert meine ich hier eine deftige Grundhärte, eine Klarheit und Dynamik wie sie in den hohen Zeiten des amerikanischen Kauz-Metals technisch wohl noch nicht möglich war.

Und deshalb gibt es dann auch noch eine knackige MANILLA ROAD-Coverversion von "Necropolis". Der etwas andere Metal eben. Mit mal doomigen Passagen, schrägen Gesangslinien und fernab dessen, was in Europa Metal war und ist.

Das ist jetzt nicht besser oder schlechter, es ist einfach. Die Jungs sind noch dazu dermaßen fit an ihren Instrumenten, selbst die Gitarrensoli sind vom feinsten.

„Blood Sacrifice“ – so einen Song schreibt eine Band nicht oft. Herr im Himmel, in der Hölle oder beim lokalen Baumarkt, selten hab ich so ein geiles Metallied gehört. Akustischer, balladesker Beginn und dann wird das Tempo angezogen und im Sicherungskasten brennen alle Automaten durch. Darüber thront der Gesang des Chefs souverän als wäre es das Natürlichste überhaupt. Und das ist nur einer der neun Hämmer.

Ich rede viel Nonsens, das dürfte bekannt sein, aber diese Scheibe ist dermaßen Metal, dermaßen Melodie, dermaßen Pathos, dermaßen saustarkes Songwriting und dermaßen gut gespielt, dass man nur mehr ungläubig mit dem immer kahler werdenden Haupt schütteln darf.

Hammer, Hammer, Hammer! Ich geh jetzt grad amal meine Kutte suchen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (26.01.2015)

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