MORTICIAN - Mortal Massacre (Re-Release)

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VÖ: 20.02.2015
Bandinfo: MORTICIAN
Genre: Brutal Death Metal
Label: Hells Headbangers
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Lineup  |  Trackliste

Für Krachfetischisten und Brutal-Death-Metal-Liebhaber gehören die Pennsylvania-Rednecks MORTICIAN zum A&O der musikalischen Grundausbildung. Zu respektabler Szene-Bekanntheit gelangte das Duo vornehmlich durch drei Ereignisse. Punkt eins: Die Alben „Hacked Up For Barbecue“ (1996), „Chainsaw Dismemberment“ (1999) und „Domain Of Death“ (2001) zählten durch Sänger Will Rahmers unterirdische Growls und den maschinellen Drumcomputer einst zum brutalsten Liedmaterial unter der Sonne (und wir sprechen von Zeiten laaange vor dem Brutal/Slam-Death-Hype!). Punkt zwei: Sänger Will Rahmer war schon Frontgurgler von INCANTATION. Punkt drei: Vor knapp zehn Jahren kam er durch seine Inhaftierung aufgrund einer Morddrohung und eines entführten Taxis in Polen zu größerer Bekanntheit – unvergessen auch das unvergleichlich prollige Statement danach (alle Interessieren lesen bitte HIER).

Doch lange bevor MORTICIAN als kompromisslos-maschinelle Todeshäcksler bekannt wurden, hatten sie tatsächlich einen Drummer aus Fleisch und Blut. Matt Sicher hieß der gute Mann, mit dem die Band ihre ersten Demos und EPs einprügelte und der im Juli 1994 auf tragische Weise in einem Fluss ertrank, weil er diesen völlig verwirrt unter Drogeneinfluss betreten hat. Die Installierung des Drumcomputers war übrigens auch diesem Vorfall geschuldet – schließlich wollte Rahmer Würde und Legende seines Freundes auf ewig in Ehren halten. Der Kultschmiede Hells Headbangers Records haben wir es jedenfalls zu verdanken, dass es die kultige 1993er Compilation „Mortal Massacre“ nun auch auf Doppelvinyl abzugreifen gibt. Glücklicherweise wurde bei der Neuauflage nirgendwo herumgeschraubt, womit MORTICIAN-Liebhaber als auch potenzielle Neu-Fans das Original-Geschrote der Sickos genießen dürfen.

Das Material setzt sich zusammen aus den Songs der beiden EPs „Brutally Mutilated“ (1990) und eben „Mortal Massacre“ (1991) und wurde schon anno dazumal noch mit 14 knackigen, natürlich übelst rohen Live-Aufnahmen aufgefettet. Im Gegensatz zu eingangs erwähnten Brutalitätsweltrekordversuchen waren MORTICIAN in den Kinderschuhen ihrer Karriere noch eher am US-Death-Metal im herkömmlichen Sinne. Keine ultragutturalen Vocals, keine Highspeed-Stafetten, dafür ein Rahmer-Organ, das ganz klar Richtung Chris Barnes schielte und das – no na – menschliche Drumming von Sicher, der den Songs einen hörbar organischen Anstrich verpasste, der sämtlichen MORTICIAN-Veröffentlichungen nach 1994 gänzlich fehlte.

Wie schon seit jeher üblich reicherte Horrorfilm-Fan und –Sammler Rahmer die Songs schon damals mit zahlreichen Samples aus den diversesten Schinken an, bretterte in durchaus passabler Soundqualität durchs Unterholz und hatte vor allem eine immens lebendige Intensität und Frische, wie sie der Death Metal nur in seinen Frühzeiten haben konnte. Empfohlen sei hier vor allem der Track „Necrocannibal“, eine wühlende Hasswalze, wie sie Rahmer heute niemals mehr schreiben würde. Die Live-Tracks sind klanglich unterm Hund, aber ein wichtiges und gültiges Zeitdokument für Komplettisten und Liebhaber. Nur schade, dass man von der Band seit fast einer Dekade kaum mehr wirklich Neues gehört hat. Mit diesem kultigen, aber keinesfalls essenziellen Stück können sich Fans und Interessierte aber zumindest die Aggressivität zum sonntäglichen Schnitzelklopfen sichern.



Ohne Bewertung
Autor: Robert Fröwein (13.02.2015)

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