Majesty - Generation Steel

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VÖ: 20.03.2015
Bandinfo: Majesty
Genre: True Metal
Label: Noiseart Records
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Lineup  |  Trackliste

"Für die Fans!!!" Ein Ausruf, den ich immer mit einem gewissen Joey DeMaio in Verbindung bringen werde. Dieser kam vor allem Mitte der 2000er-Jahre stets als Totschlagargument, wenn MANOWAR irgendeinen unverständlichen Bullshit rechtfertigen wollten (siehe dazu eines der infamosesten Interviews aller Zeiten von Kollege Götz Kühnemund). Die immer als deutsche MANOWAR titulierten MAJESTY bringen nun mit "Generation Steel" ein Album, das laut Frontmann Tarek Maghary etwas überspitzt auch "Für die Fans!!!" und die gesamte Metalgemeinschaft geschrieben wurde. Viel mehr noch sei es das wichtigste Album seiner bisherigen Karriere. Im Gegensatz zu den SPINAL TAPigen Amerikanern ist dies allerdings keine Killerphrase, da man in jeder Note die aufrichtige Leidenschaft und Hingabe MAJESTYs heraushören kann, auch wenn das fertige Produkt polarisieren wird.

"Generation Steel" darf nämlich nicht als Follow-Up oder Weiterentwicklung zu "Thunder Rider" und "Banners High" gesehen werden. Sämtliche musikalischen Experimente die auf den beiden Vorgängern zu hören waren, mussten heuer wieder weichen. Das Album liefert nicht mehr und nicht weniger als die Essenz MAJESTYs, geht große Schritte Back To The Roots, wird den Anhängern Freudentränen in die Augen treiben, genauso wie es Wasser auf die Mühlen der Hassenden geben wird.

"Hawks Will Fly" beginnt mit einer folkigen Akustikgitarre und Tareks unverwechselbarem Gesang, bevor ein donnerndes Triolenriff den Song in die Strophe überleitet. "Call To Arms" lässt grüßen. Die Melodik nimmt in der Bridge zu, Tiefe Chöre setzen ein, der Refrain ertönt. Und hier kommt der Moment, an dem ihr euch entscheidet, ob ihr "Generation Steel" verteufelt oder lobpreist. MAJESTY waren immer kitschig und über-melodisch, setzten aber in den bisherigen Alben immer mal wieder markige Kontrapunkte. Diese findet ihr hier nicht. Die Refrains gehen alle in diese hochtheatralische Richtung, wie ihr sie im Opener hört. Vor meinem Auge sehe ich schon die ablehnende Reaktion der Kitschgegner und verdrücke mir ein Lächeln.

Das Titelstück geht genau da weiter, erinnert an "Sons Of The New Millenium" vom "Hellforces"-Album, erzeugt die MAJESTY-typische Dramatik und zwingt einen geradewegs dazu, die Faust zu recken. Selbiges gilt für das spätere "Damnation Heroes". Bei dem etwas flotteren "Circle Of Rage" gelingt die Verbeugung vor den 80ern sehr gut, die Strophe atmet die gleiche Authentizität der frühen SAXON, bevor es auch hier im Chorus wieder megahymnisch wird. "Shout At The World" ist ein astreiner Stadionrocker, aber MAJESTY dürfen das, Metal soll ja schließlich "To The Stadiums" gebracht werden. Paradoxerweise gelingt es dem mit einem Kinderchor versehenen "Children Of The Dark", die allzu süßen Kitschklippen zu umschiffen und drückt stattdessen gut nach vorne. Die Ballade des Albums, "The Last Reward", macht nicht viel anders, als es 1997 ein gewisses "Glory To The Brave" gemacht hat. Vielleicht wird es um eine Note "Heart Of Steel" angereichert. Obwohl alles andere als originell, freue ich mich Jeck, mal wieder ein neues Stück in dieser Richtung zu hören, welche selbst die Vorbilder heutzutage nicht mehr einschlagen. Mit "Knights Of The Empire" hat sich tatsächlich ein Stück eingefunden, welches nicht auf Anhieb zünden will, bevor "Rulers Of The World" gar in die Happy-Metal-Schiene Marke FREEDOM CALL schlägt. Zum Schluss rufen MAJESTY dann zum "War For Metal" auf und beehren uns noch einmal in bester MANOWAR-Manier mit einem hymnischen Stampfer voller Naivität und Kitsch.

Kritisieren kann man abschließend das etwas zu schwerfällige Tempo des Albums, ein paar Up-Tempo-Nummern mehr hätten nicht geschadet.

Einen kleinen Seitenhieb kann ich mir nicht verkneifen: "Generation Steel" wurde wie seine Vorgänger im bandeigenen Studio aufgenommen und geschliffen, so wie es die wiedererwachten STORMWITCH jüngst versuchten und scheiterten. Das Klangprodukt von MAJESTY darf gerne mit seiner wuchtigen und druckvollen Ausrichtung als Vorbild dazu dienen, wie so etwas vernünftig zu klingen hat. Chapeau!

Fazit: Haters gonna hate, Lovers gonna love. MAJESTY gehen auf "Generation Steel" Back To The Roots und liefern praktisch ein Best-Of des bisherigen Schaffens mit Fokus auf die allergrößten Hymnen, welches dem selbst gesetzten Ansatz vollauf gerecht wird. Viele werden aufgrund des im Vergleich zu den letzten Werken nochmal potenzierten Kitschfaktors wegrennen, während die Anhänger der Frühwerke euphorisch die Göttergabe in Empfang nehmen werden. So ist die Endnote vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber einen solchen Spaß hatte ich seit "Hellforces" nicht mehr bei MAJESTY, daher geht es nicht anders.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (14.03.2015)

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