THUNDER - Wonder Days

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VÖ: 13.02.2015
Bandinfo: THUNDER
Genre: Classic Rock
Label: earMusic
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Lineup  |  Trackliste

Da staunte ich nicht schlecht, als ein neues THUNDER-Album zur Besprechung hereinflatterte. Ich muß gestehen, dass ich die Briten schon länger nicht mehr auf dem Radar hatte. Das letzte Album "Bang!" erschien 2008, nun kommt also das Quasi-Comeback. Schon der erste Höreindruck von „Wonder Days“ entführte mich gefühlsmäßig zurück in die für die Band erfolgreichen Tage, als die damals aufstrebenden jungen Rocker Anfang der Neunziger (vor allem mit "Backstreet Symphony" und "Laughing On Judgement Day" samt dazugehörigen Singles) einige Erfolge für sich verbuchen konnten. THUNDER konnten nicht den nachhaltigen Einfluß auf die Musikwelt wie ihre Inselkollegen DEF LEPPARD oder MAGNUM ausüben, der Durchbruch blieb den - man muß es leider sagen - etwas gesichts- und farblosen Engländern, versagt, womit das damals zu beobachtende Klischee der guten, aber weitgehend unoriginellen und irgendwie nicht greifbaren Inselbands a la GUN, TERRORVISION, LITTLE ANGELS auch auf THUNDER zutraf, die alle ein ähnliches Schicksal ereilte, sogar kantigere Combos wie THE ALMIGHTY oder THE WILDHEARTS konnten dem nicht entrinnen.

Dennoch dokumentiert das neue Album eine gewisse (Veröffentlichungs-)Konstanz (trotz zwischenzeitlichem Split) und auch Qualität des Schaffens der Hard/ClassicRocker, schließlich braucht sich "Wonder Days" nicht zu verstecken. Der Dreck unter den Fingernägeln, die Gossensprache und das Outlaw-Gen fehlte dem UK-Outfit immer schon, dennoch begeistert vor allem der Titeltrack, der entsprechend Druck erzeugt und mit einem lässigen Refrain überzeugt. Flotte Uptempo-Rocker wie „The Thing I Want“ oder das rock n´ rollige "I Love The Weekend" und die typischerweise gern intonierten balladesken Töne ("Broken") gesellen sich zu den eher schmeichelnden Rockern ("Resurrection Day"), die allerdings nicht immer das hohe Level halten können. Dennoch rocken die Briten über weite Strecken ("When The Music Played") absolut amtlich. Organischer Sound, feine Gitarrenriffs, genretypische Melodien und Refrains sowie die lässige Rockröhre von Danny Bowes fließen zu erdigen, bluesgeräucherten Rocknummern zusammen, die ihr Klientel anständig bedienen.

Bei "The Rain" zeigen THUNDER, ähnlich wie ihre Inselkollegen THE QUIREBOYS, ihr Händchen dafür, ihrem Hardrock eine bluesig-rauchige LED ZEPPELIN-Breitseite zu verpassen (man höre etwa auch "Chasing Shadows"), immer wieder kommt abseits der Reminiszenzen an die ohnehin bekannten Größen der Rockgeschichte bzw. ihre oben genannten Inselkollegen auch ein wenig THE BLACK CROWES-Feeling auf, bei "Serpentine" wagt man gar einen kleinen Ausflug in Southern-Gefilde. Dass sie schlüssige Rocksongs zu schreiben vermögen, sei quasi nur der Vollständigkeit halber vermerkt, wenngleich das Intensitäts- und Spannungslevel nicht über die volle Albumlänge gleich hoch gehalten werden kann. THUNDER sind auch 2015 das, was sie schon immer waren. Eine gute Rockband mit lässigen Songs, die allerdings zu austauschbar und ohne Widerhaken sind, um sich bleibend festzusetzen. Irgendwie schade, zumal das Album Comeback-Status hat und der Band eigentlich (Zitat Promotext) "endlich zu ihrem verdienten Platz im Kreise der größten britischen Rock Bands verhelfen" sollte.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (17.02.2015)

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