Herman Rarebell - Herman‘s Scorpions Songs

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VÖ: 07.11.2014
Bandinfo: Herman Rarebell
Genre: Hard Rock
Label: Solid Rockhouse Records
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Lineup  |  Trackliste

„Herman Ze German“ war von Ende der 70er an fast drei Dekaden der Drummer der bis RAMMSTEIN erfolgreichsten Härtner-Band Deutschlands. Mit den SCORPIONS betourte er die Welt, füllt Arenen und verkaufte Millionen Tonträger. Die Tatsache, dass der gute Mann (Lyric-)Credits an den auf dieser Zusammenstellung vertretenen Songs vorweisen kann, erklärt die Auswahl der einzelnen Titel auf vorliegendem Album und ist - im eigenen Interesse - der wohl größte Verdienst des 65-Jährigen. Abseits der Tour-Einnahmen garantierten die Tantiemen wohl den gehobenen Status des Deutschen mit teilweisem Wohnsitz in Monaco und sonstige Annehmlichkeiten. Bei solchen Veröffentlichungen mit Projekt/Friends/Session-Charakter ist ja grundsätzlich große Vorsicht angebracht, dennoch konnte ich mich als SCORPIONS-Freund und Bewunderer einer Vielzahl der vertretenen Stimmen (Don DOKKEN, Jack Russell, Tony Martin oder JOHN PARR) dieses Mal wieder einmal nicht zurückhalten, meine Lauscher zu spitzen. Rarebell macht grundsätzlich einfach das, was in die Jahre gekommene oder ausgemusterte/ausgestiegene Musiker nach dem Auseinanderbrechen der Bands bzw. dem Ausscheiden aus denselben so machen. Sie schnappen sich diverse, über die Jahre auf Tour oder sonst wo kennengelernte Musiker und jammen herum, interpretieren ihre eigenen oder fremde Songs, gehen auf Tour oder nehmen ein Album auf. Rarebell hat das Vollprogramm mit dem "Acoustic Fever"-Album, das 2013 erschien (und song- und interpretentechnisch nahezu ident mit vorliegendem Elaborat ist) und dem eine kleine Tour folgte, bereits absolviert. Im Akustikgewand (u.a. auch mit Flamenco-Gitarre) klang das Ganze tatsächlich interessant und sinnvoll, aber wie klingt das alles in der Hardrock-/Cover-Version?

Wie schon auf dem Akustik-Ding sind hier die größten Hits ("Rock You Like A Hurricane", "Dynamite"), der Hannoveraner vertreten, über die kaum referiert werden muss, wobei die Relevanz eines Songs wie "Animal Magnetism" dennoch hinterfragt werden darf. Interessant ist vielmehr, wie sich die Weltstimmen wie Bobby Kimball (TOTO) & Co. in die Songs einfügen und einbringen können. Wer kann einen Klaus Meine ersetzen, wer versagt und bei welchen Songs gelingt es, eine ganz eigene, homogene Version zu erschaffen? Neu eingespielt startet der Dreher gleich mit einer gezwungenen Version von "Hurricane" los, die von einem bemühten, aber schwachen Bobby Kimball intoniert wird. Passt überhaupt nicht, den Rest besorgt die gänzlich ohne den ursprünglichen Drive eingespielte, abgehackt wirkende Version des Songs. Hätte eher eine echte Rockröhre erledigen sollen. Michael Voss (MAD MAX, CASANOVA) singt sich respektabel über "Loving You Sunday Morning" hinweg, John Parr lässt die Rocksau raus und schleift das ansonsten schwache "Passion Rules The Game" zu einem echten Diamanten. Der mir bislang unbekannte Alex Ligertwood (ex-SANTANA) rettet eine launige "Is There Anybody There"-Version und Don DOKKEN weichspült "You Give Me All I Need". Ab diesem Moment wendet sich das Blatt jedoch und Sanges-Legenden wie Doogie White (ex-RAINBOW) macht ebenso wie in weiterer Folge Paul Shortino (ex-ROUGH CUTT, QUIET RIOT), Jack Russell (ex-GREAT WHITE) und Gary Barden (ex-MSG) eine gute Figur und allesamt retten die ihnen zugedachten schwachen Titel. Welche bärenstarke Röhre Johnny Gioeli (HARLINE, A.R. PELL) hat, wird beim mit dem nötigen Drive intonierten "Dynamite" bewusst. Mit dem typisch deutschen Unterton macht das von Thomas Perry in geiler Klaus Meine gesungene "Arizona" viel Spaß. Tony Martin lässt ebenfalls seine Stimmbänder hüpfen, was ein gelangweilt runtergeholztes "Another Piece Of Meat" aber auch nicht rettet, vielmehr recht inhomogen macht. "Animal Magnetism" klingt schon in der Urversion überflüssig, sodass hier dem Sänger (Michael Nagy) kein Vorwurf gemacht werden kann.

Die Songauswahl (der Schwerpunkt liegt auf der End-70er/Früh-80er-Phase "Lovedrive", "Animal Magnetism" und "Blackout") ist trotz SCORPS-Megahits fragwürdig, der groß angekündigte neue Song ("Let It Shine") ein Langweiler. „You Give Me All I Need“ ist maximal Standard, allerdings werden schwächere Nummern wie „Love Is Blind“ oder „Arizona“ durch die Vocals hinaufgestuft. "Let It Shine" wurde ja von Rarebell als die Follow-Up-Single zu "Wind Of Change" angepriesen, wobei es sich wohl um ein kleines Scherzchen des großen Drummers gehandelt haben muss. Der Song ist, gelinde gesagt, ein mageres Ballädchen bzw. ein "laues Lüftchen", kein "Wind Of Change" und allein die Nennung des Songs im gleichen Satz wie die Glasnost/Perestroika-Nummer (so cheesy der Song und das Drumherum auch immer schon waren) ist, verkürzt gesagt, Quatsch und auch die Gesangsleistung von Al Crespo ist eine eher dünne Partie. Für die Kirsche auf der Torte sorgt schließlich noch der Meister selbst, wenn Rarebell über die Nachwuchsband UNBREAKABLE, in der sich Crespo als Sänger verdingt, meint, dass sie das Zeug hätten, die neuen SCORPIONS zu werden. Nie und nimmer sage ich, ziehe meinen Hut vor dem Gesamtwerk Rarebell´s und tippe meine letzten Worte unter ein äußerst durchwachsenes und launiges Album, das zeigt, wie schwer der ob seiner Käppis, seiner Phrasierung und seines Akzents oft gescholtene Klaus Meine zu ersetzen ist. Auch wenn die Beteiligten zum Teil überzeugen, brauchen dieses Album nur Die-Hard-Fans der handelnden Akteure.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (28.02.2015)

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