Donots - Karacho

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VÖ: 20.02.2015
Bandinfo: Donots
Genre: Alternative Rock
Label: Universal Music Austria
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Lineup  |  Trackliste

Die Antwort auf die Frage "Was hat eine DONOTS Review auf Stormbringer verloren" sei direkt vorweggestellt: Die Herren ausm Pott (vor allem Fronter Ingo Knollmann) haben nie einen Hehl um Ihre Affinität zum Metal gemacht, und das auch abseits der 2002 veröffentlichten "DONOTS Go Metal" EP. Das finden wir gut und deswegen schauen wir "toleranten" Metaller nun gerne auch über den Tellerrand und schenken dem neuen Album "Karacho" die gleiche Aufmerksamkeit wie jeder anderen Scheibe auch. Okay? Okay!

Da dennoch nicht davon auszugehen ist, dass jeder mit dem Schaffen des Fünfers vertraut ist, folgt zunächst eine knappe Retrospektive. Die DONOTS sind ein mit konstantem Erfolg gesegnetes Überbleibsel der populären Rockwelle um die Jahrtausendwende. Damals im melodischen Pop-Punk angesiedelt, konnte vor allem das mit vielen Hits gespickte "Pocket Rock" Album mehr als nur Achtungserfolge einfahren. Viele werden Stücke wie "What Happened To The 80s" oder "Superhero" schon irgendwo einmal gehört haben. Diesem Stil blieb man im Groben und Ganzen bis zum 2004er Release "Got The Noise" treu, bevor man eine längere Pause einlegte und sich neu orientierte. Beflügelt vom Erfolg der BEATSTEAKS veröffentlichte man ein räudigeres Album namens "Coma Chameleon", welches mit zuvor nicht erreichten Härtespitzen, aber auch mit softeren Indie Rock Klängen ganz neue Töne beinhaltete. Die neu gewonnenen Möglichkeiten kombinierte man mit Anleihen aus der Frühzeit und perfektionierte den eigenen Stil auf den letzten beiden Alben "The Long Way Home" und "Wake The Dogs". Nun kommt überraschend der zweite große Umbruch im Hause DONOTS, denn "Karacho" ist das erste Album in komplett deutscher Sprache.

Ein Merkmal zieht sich durch die gesamte Diskografie. Die DONOTS haben wie kaum eine andere Band die Fähigkeit, mit wenigen Mitteln große und epische Klangbilder zu erschaffen. So zu hören auch beim Kickstart ins "Karacho" mit Namen "Ich mach nicht mehr mit". Es beginnt mit verträumten heroischen Gitarren inklusive ROCKY-Feeling, bevor im knackigen Triolentempo aufs Gas getreten wird und die breite Melodie den Hörer in seinen Bann zu ziehen weiß. Mit Dissonanzen im Riffing gen Ende kommt sogar ein richtiger Headbangpart zustande. Gelungener Einstieg und im besten Sinne typisch neuere DONOTS. Ähnlich gelagert sind die etwas späteren "Straßenköter" und "Das Ende der Welt ist längst vorbei", letzteres mit einer leichten WIR SIND HELDEN Reminiszenz. Dann gibt es ein Stück Namens "Junger Mann zum Mitleiden gesucht", welches eingerahmt von einer einprägsamen Gitarrenhook das vielschichtigste Stück des Albums darstellt. Zunächst reduziert melancholisch, nimmt der Song im Laufe der Spielzeit enorm an Intensität zu. Natürlich gibt es auch nach vorne gehende Rocker, allen voran das Rechts-Kritische "Dann ohne mich" und "Du darfst niemals glücklich sein", welche sich perfekt in den Gesamtkontext der DONOTS einfügen.

Auch Experimente gibt es, und diese sind leider nicht immer geglückt. Das zum Großteil akustische und leicht angefolkte "Weiter" erinnert von seiner Ausrichtung an "You're So Yesterday" vom "Wake The Dogs" Album, was leider schon damals das Lowlight eines sonst superben Albums war. Zu belanglos plätschert es vor sich hin. Dann versuchen sich die Ibbenbürener an einem Reggae-Song, "Problem kein Problem", vorgetragen von Gitarrist Guido. Musikalisch zwar authentisch, bleibt trotzdem der negative Nachgeschmack der allzu penetranten Annäherung an die alternative Szene. Das Country und Western Feeling, welches "Dead Man Walking" zu einem Riesenhit hat avancieren lassen will dem Lagerfeuersong "Immer noch" nicht so recht zu Gesicht stehen, hier hätte ein anders gewähltes Arrangement und ein vielleicht etwas weniger SPORTFREUNDiger Text gut getan. Ingos abgedrehte Vocal Performance hört sich zwar super an, rückt aber die beiden Stücke "Kaputt" und "Hier also weg" ziemlich weit weg vom gewohnten Songwriting der DONOTS. Vielmehr erinnern diese beiden Songs zu sehr an verkopfte Indie-Rock-Hipster-Ware, welche den DONOTS nicht gut steht. Viel besser gelingt das zum Beispiel mit "Besser als das", in dem unterlegt vom zackigen und anspruchsvollen Drumming Eikes wieder das typische Melodikgespür aufkommt.

Das lyrische Experiment gelingt indes (bis auf wenige Ausnahmen) sehr gut. Ingos Texte sind weder zu plump und plakativ, noch sind sie zu verkopft und pseudointellektuell peinlich wie die Ausgüsse von Indie-Rock Schund wie FIDLAR oder den schon erwähnten katastrophalen SPORTFREUNDEN STILLER. Ohne zu sehr auf die Themenauswahl einzugehen verstecken sich auf "Karacho" herrlich zynische, gesellschaftskritische und oft auch leicht misanthropische Texte. Respekt dafür!

Fazit: "Karacho" ist mal wieder ein äußerst abwechslungsreiches Album einer der besten Rockbands aus dem deutschsprachigen Raum geworden. Die deutsche Sprache steht den Songs dank der hervorragenden textlichen Leistung von Frontmann Ingo Knollmann sehr gut. Nicht alle klanglichen Experimente wollen dieses mal indes gelingen und auch die ganz großen Hits, die ganz großen Gänsehautmomente der letzten Alben à la "High And Dry", "Calling", "You Got It" oder "Come Away With Me" fehlen. Dennoch ist "Karacho" Pflicht für Fans und interessant genug für Neulinge!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (01.03.2015)

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