MARGIN - Psychedelic Teatime

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VÖ: 30.06.2014
Bandinfo: MARGIN
Genre: Art Rock
Label: Madvedge Records
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Lineup  |  Trackliste

Das Album der Berliner ist bereits vorigen Juni erschienen, aber aus irgendwelchen mysteriösen Gründen erst jetzt bei mir am Schreibtisch gelandet. Eigentlich bestehen MARGIN ja nur aus dem Fusion-Musiker Lutz Meinert, der zu seiner psychedelische Teestunde auch noch seine Frau Carola und Arne Spekat, seinen alten Bandkumpel aus FOR YOUR PLEASURE-Zeiten eingeladen hat. Grundsätzlich ist man im progressiven Rock / Artrock alter Prägung zuhause, sprich: die psychedelische Schlagseite ist, ganz getreu dem Titel, eine nicht unwesentliche. Die rund einstündige musikalische Butterfahrt ins Bunte kann man dann grob in zwei Teile gliedern: das rund 24-Minütige Titelstück und den Rest.

"A Mysterious Cup Of Tea" - selbst wiederum in fünf Teile aufgesplittet, erinnert von Beginn an unweigerlich an die PINK FLOYD der ausgehenden Siebziger- und beginnenden Achtziger Jahre. Dabei schafft es Lutz Meinert auch noch, beim Gesang irgendwo zwischen Roger Waters, Syd Barrett und Paul Roland zu klingen, unaufdringlich, aber doch irgendwo schrullig und mystisch - irgendwann wird sogar der "Saucerful Of Secrets" zitiert und die Lyrics erinnern an "Alice Im Wunderland", und das gar nicht so von ungefähr. Anstatt hier aber bloß PINK FLOYD, ALAN PARSONS PROJECT oder SOFT MACHINE zu kopieren, geben MARGIN dem Longtrack einen ganz eigenen, ja eigenwilligen Charme, der in Part 3 und 4 auch schon mal jazzig wird und an die Rock-Phase von PAT METHENY denken lässt.

Der zweite Teil der Platte besteht dann zuerst mal aus dem Song "Psychedelic Underground", der gleich in zwei Versionen auftaucht: Der atmosphärisch dichtere "Long Trip" ist hier dem "Short Trip" in Single-Länge natürlich vorzuziehen, auch wenn beide Versionen allein durch ihren unbeschwert flockigen Refrain und die treibend-groovige Rhythmik ihre volle Berechtigung haben. Bei "Landscapes In The Sky" schimmert irgendwie der Canterbury-Vibe durch, manchmal so sehr, dass der Song schon fast britisch klingt. Akustik-Gitarre, Streicher, Hammond-Vibrato und wunderschöne Duette von Herrn und Frau Meinert veredeln dieses eher minimal gehaltene, frei im Raum schwebende Stück. Und... hab ich da sogar eine Mandoline gehört? Beim Instrumental "Last Exit To Pluto" in seiner experimentellen, offenen Aufbereitung hat man das Gefühl, KING CRIMSON würden einen auf Ambient machen, leider ohne den latenten Irrsinn der selben zur erreichen. Elf Minuten lang gleitet der Hörer hier ruhig und entspannt in Richtung äußeres Sonnensystem, nicht umsonst nennt man das ja manchmal auch "Space Rock", in diesem Falle aber wohl vermehrt "Krautrock"

MARGIN schicken mit diesem Langspieler ein erfrischend unprätentiöses Stück Musik ins Rennen, das sich zwischen all den technikverliebten Frickel-Helden und den auf Superhit getrimmten Prog-Megasellern anfangs ein wenig bescheiden in den Hintergrund stellt, aber am Ende mit einigen frischen Ideen (oder besser: frischen Umsetzungen alter Ideen) punkten kann. Zudem ist Lutz Meinert nicht nur Multi-Instrumentalist, der außer den Gitarren gleich mal alles selbst eingespielt hat, er könnte stimmlich auch fast schon als Berliner Version von PAUL ROLAND durchgehen. Ein Geheimtipp, der hoffentlich keiner bleibt, und erfrischend bunte Klangkulissen nicht nur für den progressiven Hörer!



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (08.03.2015)

WERBUNG: Hard
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