SCARAB - Serpents Of The Nile

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VÖ: 06.03.2015
Bandinfo: SCARAB
Genre: Death Metal
Label: ViciSolum Productions
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Lineup  |  Trackliste

Beim Pharao! Binnen einer EP und nunmehr zwei Langspielplatten haben es die Jungs aus Kairo geschafft, zum internationalen Death-Metal-Standard aufzuschließen. Was der mittlerweile um einen Keyboarder ergänzte Wüstenstoßtrupp auf "Serpents Of The Nile" veranstaltet, braucht sich auch im Bewerb mit Kapazundern wie NILE oder BEHEMOTH nicht mehr zu verstecken. Wozu die einen Keyboarder brauchen fragt ihr euch im Stillen? Vielleicht für die Muezzin-Gesänge aus der Konserve? Egal, der eine oder andere atmosphärische Klangteppich, der Stimmung wegen, rechtfertigt auch einen sechsten Mann an Bord. Als ob fünf nicht schon genug Krach machen. Geordneten Krach wohlgemerkt. Die Parallelen zu NILE sind - klar, hier sind wir im gleichen Film - immer noch vorhanden, aber ich würde das Pferd jetzt mal von hinten aufzäumen oder so und dreist behaupten: NILE sind Amis, und SCARAB die echten Nachfahren der Wüstensöhne, über die Karl Sanders so gerne singt. Eins Null also für die Ägypter.

Das mir vorliegende, schön im Digipack eingebettete Exemplar ist auch Artwork-technisch nett anzusehen und entfaltet nach überlangem Intro seine eigene, rohe Wucht, die gottlob noch eine Portion Ursprünglichkeit bewahrt und nicht nach den üblichen, zu schnörkellosen Todmetall-Massenproduktionen von der Stange klingt. "Visions Of A Blood River", "The Afterlife Illusions" oder das mit dräuenden Trompetenklängen untermalte "Spells Of Coming Forth By Day" sind nur drei Beispiele dafür, dass es erstens auch in diesem Genre immer noch Land zu gewinnen gibt und dass sich zweitens die Burschen nie und nimmer vorschreiben lassen, wo es denn nun mit dem Lärm hingehen soll. Klingt vetraut? Egal, der Spirit passt. Schon müde vom Techno-Death - na und? Schafft ihr mal unter den gegebenen (soziopolitischen) Umständen auf dieses technische Niveau zu gelangen und zwei überdurchschnittlich geile Langspielplatten einzuprügeln, die die Konkurrenz aussehen lassen wie unbekümmerte Blumenkinder auf der bunten Klatschmohnwiese.

Dass die Tracks fast allesamt im Acht-Minuten-Bereich rangieren, stört zudem auch nicht, man hat so fast den Eindruck, jeder Song bildet ein eigenes kleines Epos für sich. Einzig der Titeltrack kommt mit knackigen fünf Minuten aus, um uns im reduzierten Tempobereich schon mal das Genick zu brechen. Überhaupt sind SCARAB am besten, wenn sie nicht alles mit Blastbeats versumpfen, sondern auch mal schön im Doublebass-Mid-Tempo dahin swingen, wo man auch als frischer Vierziger noch unbeschwert den Kopf kreisen lassen kann, ohne Wirbelsäulenschäden davonzutragen. (Hat hier jemand BOLT THROWER gesagt? Na eben.) Wie ich immer sage, halbes Tempo, doppelte Brutalität, der SLAYER-Effekt halt. Beide Daumen hoch für SCARAB, die wir hoffentlich (so es der politische Zustand der Welt es zulässt) demnächst auch abseits diverser Festivals in Europa live beäugen werden dürfen. Einstweilen rumpeln wir uns "Serpents Of The Nile" in die Ganglien. Aber sowas von.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (19.03.2015)

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