Der Weg einer Freiheit - Stellar

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VÖ: 20.03.2015
Bandinfo: DER WEG EINER FREIHEIT
Genre: Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Wenn der Name DER WEG EINER FREIHEIT fällt, gehen viele Puristen in Schutzhaltung. Die Würzburger haben es mit ihrem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahre 2009 geschafft, den Black Metal bzw. seine Szene in Unrast zu versetzen und auch wenn sie dabei nicht die einzigen und ersten waren, so waren sie zumindest stets einer DER Auslöser für hitzige Debatten rund um's Auftreten als verpöhnte Hipster und die partielle Modernisierung eines Genres, welches sich zu gewissen Teilen wohl in der Steinzeit wohlzufühlen scheint. Fernab davon konnte mich die quasi bei mir um die Ecke residierende Formation bisher kaum gänzlich überzeugen: Besagtes Debüt war mir eine Spur zu lieb, die anschließende "Agonie"-EP immerhin verbessert und "Unstille" mehr als nur ein Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem oder vielleicht auch genau deswegen war die Spannung in Hinblick auf "Stellar", das im März erscheinenden dritte Album, groß.

Das hat seinen Ursprung hauptsächlich darin, dass DER WEG EINER FREIHEIT seit der Gründung stetig ihrer Entwicklung nachgegangen und über die Jahre definitiv zu besseren Musikern avanciert sind. Und dass Stillstand keine Option ist, wie sie 2015 mit dem Opener "Repulsion" direkt nachweisen: Gleisender, nahezu ritualistischer Klargesang trifft hier auf angeschwärzte Gitarrenharmonien, die an den ein oder anderen Filmklassiker erinnern und nach den einsetzenden Marschrhythmen mehr und mehr zu einem finster-doomigen Brocken wandeln, der am Ende zugunsten von "Requiem" vorgreifend mit schepperndem Schlagwerk und melodischem Riffing der Marke DISSECTION an Fahrt aufnimmt.

Die Übergänge gelingen Bandkopf Nikita Kamprad und seiner mittlerweile gefundenen Stammbelegschaft dabei überaus gut: Nicht nur dadurch, dass "Repulsion" und das sich ihm fügende "Requiem" mittels cleverer Takt- und Stimmungswechsel von der ersten Sekunde an für Atmosphäre sorgen, sondern auch durch die Scheuklappenlosigkeit im schlüssigen Einbinden verschiedenster Stilmittel. So weist "Einkehr" bei der Melodieführung klare Tendenzen in Richtung Skandinavien auf, kann aber auch mit minimal gestreuten, schwermütigen Shoegaze-Fragmenten brillieren. Im Gegensatz dazu erscheint "Verbund" mit seiner Spielzeit von nur etwas mehr als drei Minuten sehr gut auf die infernalisch flirrenden Riffs und Blastbeat-Passagen akzentuiert und die Intensität kurzzeitig im positiven Sinne etwas auflockernd. Ähnlich tastet sich zunächst auch der "Eiswanderer" ans Gehör, versucht sich dabei aber auch erfolgreich in stimmigen Ambient-Ruhephasen und subtiler Melodik, die Titel wie auch Schrift adäquat repräsentieren.

Darin scheinen DER WEG EINER FREIHEIT auf ihrem Drittling aber grundsätzlich ihre Stärke gefunden zu haben, denn auch "Letzte Sonne" kann seinem Namen Leben einhauchen und fasst darüber hinaus die musikalische Werdung dieses Albums mit all seinen Facetten eindrucksvoll zusammen. Damit ist "Stellar" für mich persönlich klar der Meilenstein in der jungen Historie des Quartetts, das gänzlich ohne die Bedienung gewisser Klischees, dafür aber mit eigenständigem, größtenteils herausragend komponiertem Songmaterial auskommt und mit einem beachtlichen Sprung den vorläufigen Höhepunkt auf der ansteigenden Entwicklungskurve markiert.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (16.03.2015)

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