THE GENTLE STORM - The Diary

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VÖ: 20.03.2015
Bandinfo: THE GENTLE STORM
Genre: (stilübergreifend)
Label: Inside Out Music
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Lineup  |  Trackliste

Wenn sich zwei absolute Könner wie Arjen Lucassen und Anneke van Giersbergen zusammentun, dann kann nur pures Gold dabei rauskommen. Die beiden verfolgen eine lange gemeinsame Historie, sei es die erste Zusammenkunft bei der Arbeit an AYREONs "The Electric Castle" oder am etwas aktuelleren 2008er Werk "01011001" - die beiden kennen und mögen sich. Nun haben die zwei Niederländer ein neues Projekt auf die Beine gestellt, das auf den schönen kraftvollen Namen THE GENTLE STORM hört. Das Debüt erscheint bereits am 20. März und dürfte alle Fans der beiden in helle Aufregung versetzen. Während Anneke van Giersbergen sich für die Lyrics und natürlich letztendlich die Vocals auszeichnete, übernahm Mastermind Lucassen wie so oft die Regie aller Instrumente, wobei er bei einigen davon natürlich auch selbst Hand anlegte. Wie es sich für ein Album der beiden gehört, handelt es sich bei "The Diary" um ein Konzept. Das bemerkenswerte dabei ist, dass man hier nicht nur ein geschichtliches Konzept geschaffen hat, sondern ebenso ein musikalisches. Die elf Nummern wurden in zwei Gewändern aufgenommen, einmal hart und einmal zart. Das Story-Konzept orientiert sich am 17. Jahrhundert und versetzt uns natürlich ins goldene Zeitalter der Niederlande. Zwei sich liebende Personen werden auseinandergerissen, weil eine Partei als Schiffsfahrer die Welt bereist, während Frau einsam zuhause verweilt. Die einzige Möglichkeit der Kommunikation zeigt sich in Briefform und genau darauf bezieht sich das Konzept dieser Platte.

Als Rezensent dieser Scheibe war es gar nicht so einfach, sich darauf einzulassen, denn bei zwei CDs mit selbem Inhalt, der sich musikalisch doch sehr stark voneinander unterscheidet, hörst du natürlich ganz anders hin. Ich für meinen Teil habe immer nur jeweils eine der zwei Seiten auf mich wirken lassen und nichts durcheinander geworfen. Beginnen wir doch mit der "Gentle" Side, die sich im ruhigen akustischen Gewand präsentiert. Hier dominieren akustische Gitarren und allerlei Flötenklänge, versprühen dabei ungemein viel Charme und verkörpern das Konzept in einer wahnsinnig intensiven Form. Während "Endless Sea" und "Heart Of Amsterdam" eher in die progressive AYREON-Kerbe einschlagen, Zeit brauchen, sich dann aber prächtig entwickeln, entpuppt sich "The Greatest Love" als dickster Ohrwurm der Scheibe. Die leichten Streich-Elemente drücken dem Song eine sehr wohlige Atmosphäre auf und emotional hat mich dieses Stück am meisten für sich begeistern können. Allerdings verstanden es auch düstere atmosphärisch angehauchte Tracks wie "The Moment", mich gänzlich in ihren Bann zu ziehen. Auf der akustischen Seite zeigt sich "The Diary" sehr minimalistisch und erzielt dabei maximalen Erfolg. Es ist Wahnsinn, wie einfach Musik klingen kann und doch wiederum extrem beeindruckend, wie viele Details in das Gesamtwerk verpackt wurden.

Dennoch habe ich mich als Fan der bombastischen härteren Gangart natürlich gefreut, dass uns die beiden mit der "Storm"-Side auch eine andere musikalische Interpretation vorlegen. Hier zeigen sich tiefgestimmte Gitarren und eine sehr wuchtige Orchestrierung, dementsprechend natürlich auch dominantere Drums. Strukturell und rein von der melodischen Perspektive wurden die Songs in keiner Form angerührt, doch wirken sie durch die etwas andere Instrumentierung dennoch sehr erfrischend. Während ein "Shores Of India" auf der "Gentle"-Side wie eine ruhige Akustik-Ballade wirkte, präsentiert sich jener Track auf der "Storm"-Side wie ein fulminantes Brett, das ordentlich Druck erzeugt. Es begeistert schlichtweg, wie es die zwei Ausnahmemusiker vollbracht haben, Songs der selben Struktur musikalisch so unterschiedlich zu interpretieren. So entpuppte sich "New Horizons" auf der einen Seite erneut sehr ruhig und detailverliebt, kracht auf der anderen Seite aber fast schon in "brutaler" Form auf den Hörer nieder, ohne jegliche melodische Komponente zu vernachlässigen.

Der aufmerksame Leser mag schon vernommen haben, dass beide Seiten dieses Albums ihre Daseinsberechtigung haben und nicht nur eine leicht abgeänderte, billige Kopie voneinander darstellen. Hier stecken unfassbar viele fein ausgearbeitete Details drin und lassen den geneigten Hörer vollends im wunderschön ausgeklügelten Konzept versinken. Wer der Musik von Anneke van Giersbergen und Arjen Lucassen in der Vergangenheit schon was abgewinnen konnte, der wird auch hier einen weiteren Meilenstein vorfinden. Bitte mehr davon in Zukunft!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sonata (17.03.2015)

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