SOLEFALD - World Metal. Kosmopolis Sud

Artikel-Bild
VÖ: 13.02.2015
Bandinfo: SOLEFALD
Genre: Avantgarde
Label: Indie Recordings
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste

World Music und afrikanische Folklore, Black Metal, Dubstep, Techno und vieles mehr auf einem Album vereint? In anderen Worten: SOLEFALD 2015. Ich hatte die völlig irren Norweger trotz hervorragender Veröffentlichungen wie "Norrøn Livskunst" und dem famosen "An Icelandic Odyssey"-Zweiteiler ein wenig aus dem Sichtfeld verloren, war aber ebenso entzückt als man gegen Ende letzten Jahres ein Projektdoppel bestehend aus EP und Album ankündigte. Eine milde Enttäuschung war "Norrønasongen. Kosmopolis Nord" dann aber schon. Zu steril, selten gelingende Experimente - so richtig überspringen wollte die Magie nicht. Mit "World Metal. Kosmopolis Sud" wandern die beiden Open-Mind-Verfechter Cornelius Jakhelln und Lazare Nedland mitsamt ihrem Gastanhang gen Süden und präsentieren damit ihre neue, völlig skurrile Ausgeburt.

Von SOLEFALD ist man als langjähriger Begleiter oder auch als Fan erster Stunde sowieso nichts anderes gewohnt, wobei man im Gegenzug trotzdem nie wissen kann, was auf der nächsten Veröffentlichung so alles auf einen zukommt. Aus dieser Ungewissheit heraus erschlägt einen zunächst auch "World Music With Black Edges": staunen, schmunzeln, rätselraten. Was war das denn? Extremer Metal, poppige Refrains, Technoversatzstücke, die man laut eigener Aussage in den Niederlanden aufgeschnappt hat? Dazu afrikanische Conga-Percussion? Im SOLEFALD-Inventar gibt's in Theorie und Praxis offenbar nichts, was es nicht gibt. Dieses vermeintliche Wirrwarr der Einprägsamkeit unterzuordnen ist gleichwohl auch ihre unstreitbare Stärke, die sie zuletzt leider nicht durchsetzen konnten.

Auf "World Metal. Kosmopolis Sud" hingegen erlebt man SOLEFALD in Glanzform, wenn es darum geht, aus dem großen Fundus eine nachvollziehbare Melange zu kreieren. Hat man den Respekt vor dem bunten Allerlei abgelegt, findet man zunehmends Spaß daran, wenn das Duo Infernale einen Titel wie "The Germanic Entity" mit Dubstep-Breaks und Kalimba-Klängen unterlegt oder in der ziemlich bizarren Akustik-Nummer "Bububu Bad Beuys" plötzlich mit Riffwellen und basslastigem Elektro daherkommt. Dass "Future Universal Histories" mit seinen vielschichtig gemalten Szenarien inmitten dessen noch am leichtesten verdaubar ist, spricht für sich.

Vielleicht reflektiert das aber auch den Werdegang des mittlerweile achten Longplayers von SOLEFALD, der seine Wurzeln natürlich in Norwegen, aber auch in Sansibar und Tansania hat, wo man sich letztlich die musikalischen Dienste von Anania Ngoliga (ein wohl mehr als nur bekannter Protagonist in der World-Music-Szenerie) gesichert hat. Seine Kalimba- und Akustikgitarrenkünste stechen im erwähnten "The Germanic Entity" und "Bububu Bad Beuys" sowie in "Le Soleil" heraus und verleihen eine wahrlich spezielle, unverbrauchte Note. Für die abschließenden "String The Bow Of Sorrow" und "Oslo Melancholy" kehrt man der hyperaktiven Seite des Albums allerdings den Rücken zu und gewährt einer gewissen Wehmut, Epik und Kälte Einzug.

Und solche Stimmungswechsel braucht "World Metal. Kosmopolis Sud" auch. Davon lebt es sogar. Denn es verlangt den Lauschern einiges ab. Geballte 50 Minuten lang. Die Kunst für sich ist es dabei, dass SOLEFALD ihre avantgarde Interpretation moderner Musik nicht zum anstrengenden Selbstzweck verdorren lassen, sondern ihre ausgefallenen Kompositionen durchaus eingängig vortragen. Wie sie das umsetzen, weiß diese durchgeknallte Combo nur selbst, für Liebhaber solch extravaganter Tonkunst und auch diejenigen, die es noch werden möchten, steht der Pflichtkauf jedoch fest. Denn auch 2015 serviert die Ausnahmeband SOLEFALD ein absolutes Ausnahmealbum, dessen Titel bestehend aus World Music und Metal garantiert kein Etikettenschwindel ist. Metal von Welt, quasi.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (26.03.2015)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: IMMORTAL - The Seventh Date Of Blashyrkh
ANZEIGE