MORGOTH - Ungod

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VÖ: 27.03.2015
Bandinfo: MORGOTH
Genre: Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Es begab sich in den späten Achtzigern, dass sich fünf Jungspunde aufmachten, dem skandinavischen und US-amerikanischen Death Metal die deutsche Stirn zu bieten. Vor allem mit den beiden hammerstarken EPs konnten sich MORGOTH inmitten der grassierenden Death Metal-Euphorie profilieren, das Debut "Cursed" sowie ansprechende Konzertreisen festigten den Ruf als DIE Adresse im deutschen Death Metal (daneben vermochten nur ATROCITY mitzuhalten). Mit "Odium" fanden moderne Elemente Einzug in den bis dahin sortenreinen, brutal-drückenden Sound, "Feel Sorry For The Fanatic" markierte dann den endgültigen Wendepunkt in der bis dahin ansprechenden Karriere der Band. Das entscheidende dritte Album hatte der um Weiterentwicklung bemühten Band schließlich das Genick gebrochen. Die Fans waren mit den Industrial/KILLING JOKE-Einflüssen überfordert, die Auflösung der damals immer mehr vom Death Metal abgewandten Band war eine logische Konsequenz. 2010 folgte zur großen Überraschung und Freude der Fans eine Live-Reunion zum "Cursed"-Jubiläum, die auch auf einem Live-Dreher verewigt wurde. Auf ein neues Studioalbum durfte man hoffen, wackelig wurde es allerdings mit der Trennung von Stammsänger Marc Grewe Ende letzten Jahres zum Studiotermin.

Allen Untergangs-Szenarien zum Trotze wuchten MORGOTH nun "Ungod" in die immer spärlicher bestückten Verkaufsregale. Die Erleichterung ist schon beim ersten Hördurchgang groß. Die Band weiß, wo ihre Death Metal-Stärken liegen und spielt diese auch drückend und phongewaltig aus, vergessen, ja terminiert, sind die Erinnerungen an die Ausflüge der Band in fremde Soundgefilde. Von der einstigen Ur-Formation sind zwar nur mehr Harald Busse und Sebastian Swart am Start, diese wußten jedoch, wo die Reise für die Band hingehen mußte. Der jugendliche Feuereifer ist naturgemäß nicht mehr so unbändig spürbar wie früher, vielmehr zeigt sich die um ex-DESTRUCTION-Drummer Marc Reign verstärkte Band gereift und entschlossen, die gewonnene Abgeklärtheit, Erfahrung und Präzision in ein wuchtiges und tödliches Album wie "Ungod" fließen zu lassen, einen Longplayer, der seinerzeit "Cursed" hätte folgen sollen. Und dieses Kunststück, "Ungod" nach den Wurzeln der Band, die alle liebten, klingen zu lassen, ist der Band mit Bravour gelungen. Selbst die kurz vor den Aufnahmen erfolgte Trennung von Grewe, welcher der Band mit seinem prägnanten Organ einen besonderen Anstrich verlieh, kann die Band kompensieren. Zu danken haben es MORGOTH dem erfahrenen DISBELIEF-Shouter Jagger, der sich ideal einfügt und trotz aller Eigenständigkeit ein gewisses Marc Grewe-Feeling kreiert und somit dessen (unfreiwilligen) Rückzug verschmerzbar macht.

Ansonsten darf man die liebgewonnenen Trademarks genießen, morbid-stimmungsvolle Midtempo-Grundatmosphäre, lässige Rhythmuswechsel, sägende Riffs, welche die Ohren malträtieren und der ureigene MORGOTH-Groove. Sehr stark vor allem der Opener, "Snakestate" oder "Black Enemy", "God Is Evil" durfte man sich bereits im Vorfeld noch von Marc Grewe eingesungen genießen, die Albumversion brüllte Jagger neu ein. Und auch wenn manche akustischen Stimmungsbilder, Gekeife und melodischen Riffgewitter an Genregrößen wie BOLT THROWER, ASPHYX oder DEATH erinnern und wohl nicht immer die ganze Klasse der Band ausgespielt wird, tut das dem Hörgenuß des in den letzten zwei Jahren entstandenen Longplayers in keinster Weise Abbruch. "Ungod" ist ein brachiales und gelungenes Comebackalbum einer fähigen Formation, das zur Freude der Fans an alten Glanzzeiten anknüpft und auch dank einem bärenstark agierenden Fronter Jagger den Weggang von Stammvokalist Marc Grewe verschmerzbar macht! MORGOTH haben sich quasi unfreiwillig einem Facelift unterzogen, das die alten Züge aber nicht negiert, sondern vielmehr unterstreicht.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (19.03.2015)

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