RANGER - Where Evil Dwells

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VÖ: 13.03.2015
Bandinfo: RANGER
Genre: Speed Metal
Label: Spinefarm Records
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Lineup  |  Trackliste

RANGER krachten 2013 völlig unvermittelt in meine musikalische Wohlfühloase. "Knights Of Darkness" und allen voran die Bandhymne "Ranger" sorgten für feuchte Augen, staunenden Mund und erhöhten Pulsschlag. Die Band ging dermaßen befreit, ungestüm und gleichsam hochklassig zu Werke, dass es eine Wonne war. Die musikalische Verzückung setzte sich mit der "Shock Skull"-Single fort, in deren Review ich noch mutmaßte, dass die Band wohl auch live abräumen wurde, so durfte ich mich angesichts des sehr gelungenen Gigs am "Keep It True"-Festival (zum Livereport) mehr als zufrieden wie auch bestätigt sehen. Zum Glück ist auch auf der Debut-Full-Length alles beim Alten geblieben. Holterdipolter und hemmungslose Geschwindigkeit dominieren den Suomi-Speed Metal. Beim Bau des Hi-Speed-Geschoßes von RANGER ist definitiv darauf vergessen worden, eine Bremsvorrichtung zu bauen, dermaßen ungehalten brettert der Vierer durch die 38minütige Spielzeit, für Nichteingeweihte hektisch klingend und nur für Speed Metal-Freunde nachvollziehbar.

"Full Speed" lautet die Devise der Finnen, somit ist der Sound nur für Verfechter der wahren Headbanger-Lehre, Mattenflugzauberer und Achtziger-Fetischisten verehrungswürdig . Spätestens die Sirene von Fronter Dimi (der seine gellenden Screams auch live gekonnt zu reproduzieren weiß) sorgt für eine natürliche Auslese und trennt die Spreu vom Weizen, unterstützt durch das wiederum grottige Cover, das den Rest endgültig vertreibt. Alle Übriggebliebenen genießen "Defcon 1", das gleich mit der Tür ins Haus fällt und mit seinen "Fire! ...Die! ...Nuclear! ...War! ...Thunder! ...Roar! ...Hell! ...Burn!"-Shouts gleich amtlich reinhaut. Damit ist eigentlich das Meiste gesagt, Feingeister oder Lyrikliebhaber sind hier definitiv fehl am Platze, RANGER brettern einfach stur und schnurstracks drüber. Und so knallen uns die Finnen ein Riffgewitter nach dem anderen um die Ohren, Abwechslung wird auf dem Albumdebut nicht gerade groß geschrieben, allerdings erinnert etwa "Phantom Soldier" an MEGADETH und lockert die akustische Hi-Speed-Achterbahn etwas auf, während "Dead Zone" melodische MAIDEN-Gitarren in Szene setzt. Warum der Titeltrack über 10 Minuten dauern muß, erschließt sich mir bis heute nicht.

Egal, am Albumende wartet dann noch ein Riesenkracher, das brachiale "Storm Of Power" durfte ja schon vor längerer Zeit für "Storm!" ..."Power!"-Verzückung sorgen und fraß sich in Gedächtnis fest. Beseelt vom urwüchsigen Spirit der Achtziger und an das Erbe von Combos wie RAZOR, SAVAGE GRACE, AGENT STEEL, EXCITER, frühen HELLOWEEN, METALLICA oder SLAYER anknüpfend, wird auf dem ersten Longplayer der Metal-Geist aus der Flasche gelassen. RANGER triefen vor (Retro-)Metal-Attitüde, riechen nach Leder und Bier und sehen nach schimmligem Proberaum oder Garage aus. Der erste Longplayer wartet mit allen Trademarks der bisherigen Veröffentlichungen auf, welch Wunder, dass hier das renommierte Spinefarm-Label zugegriffen hat. RANGER bestechen wieder mit unbändiger Spielfreude, authentisch-sympathischem Underground-Charme, halsbrecherischer Hochgeschwindigkeit und Achtziger-Spirit-beseeltem Speed Metal, der den hochklassigen Konkurrenten a la SKULL FIST oder EVIL INVADERS davonzieht. Mag vielleicht alles übertrieben klingen, aber ich schwöre auf diese Band, die hoffentlich noch lange ihre Kreise im Metal-Zirkus ziehen wird. Erfolg auf breiterer Ebene ist mit dieser Art von Sound ohnehin von vornherein ausgeschlossen.





Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (30.03.2015)

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