WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER - Wieder geil!

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VÖ: 21.05.2015
Bandinfo: WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER
Genre: Deathcore
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER sind "Wieder geil!", lassen zumindest der Titel des neuen Albums und einige Aussagen im Vorfeld der Veröffentlichung dessen annehmen. Tatsächlich war der direkte Vorgänger "Goldkinder" in vielerlei Hinsicht ein Fehlgriff: Die schwache Produktion, Unmengen an Weichspüler und der völlig misslungene Versuch, sich reifer zu präsentieren, sorgten dafür, dass selbst hartgesottene Fans der Berliner nicht mehr wussten, was sie von ihrer ehedem so geliebten Knabencore-Kapelle noch halten sollen.

Keine Sorge, "Wieder geil!" ist keine Abhandlung über alternde Menschen, die mithilfe blauer Pillen wieder zur einstigen Potenz finden. Trotzdem könnte man das irgendwo auch sinnbildlich auf WBTBWB übertragen: Längst erwachsene Jungs versuchen mittels diverser Kniffe wieder jung und bissig zu ertönen, wobei man manchmal das Gefühl nicht los wird, dass sie da seit ein oder zwei Jährchen ihren Kalender nicht aktualisiert haben. Das fängt beim Hipster-Katzenmotiv des Frontcovers an und hört bei den durch eine fett-amerikareife Produktion inszenierten, tiefergestimmten Gitarren auf. Dass man dann in "Ich mach was mit Medien" auch noch zur Rundumschelle für die Generation Social Media ausholt, darf man entweder dem Humor oder der Spitzfindigkeit der Band zuschreiben. Beim ballernden Hardstyle-Part ab circa Mitte ereilt die Butterbrote hier allerdings ein ähnliches Schicksal wie ihre tiefgekühlten Stricherkollegen aus Castrop-Rauxel mit "Crystals": Die Provokation greift kaum noch, weil sich die erwähnte Geschmackspolizei längst selbst ausgedünnt bzw. den Fokus auf andere Genres gerichtet hat.

Dieser Gegebenheit scheint sich das hauptstädtische Quartett allerdings mehr als nur bewusst zu sein, denn trotz diverser Anpassungen gelingt WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER ein für mich doch durchaus frisches Album, das seinen Schwerpunkt auf einprägsame Rhythmen und Hymnen sowie kernige Riffs und abwechslungsreichen Gesang legt. Den Affront suchen sie mittlerweile woanders und überbordendes Electro-Geklimper findet man lediglich im erwähnten Opener und dem Dubstepper "Thug Life", der überdies der einzige Ausfall von "Wieder geil!" ist. Ansonsten schaffen es Bandgründer Marcel Neumann (Gitarre, Programmierung, Gesang) plus Gefolgschaft, mit simpler Methodik gute Songs abzuliefern. Der von Klargesang unterstützte "Exorzist" und der sarkastische "Rockstar" dürften dabei die klaren Highlights sein.

Wie angedeutet, sind WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER aber auch mit Kritik an Missständen, die über das Schmähen der herzallerliebsten First-World-Problematiken wie in "Ich mach was mit Medien" hinausgeht, beschäftigt: Im englisch gehaltenen "Anarchy" wird sich semi-clean über Überwachungsstaat-Charakteristiken der Neuzeit ausgekotzt und "Warum lieben wir nicht mehr" (klasse Frauengesang) bricht bedeutungsreich die Neidgesellschafts-Debatte aber auch den Überfremdungsangstszenario-Wahn einiger Irrer auf's Einfachste herunter. Die Heimatstadt-Liebeserklärung "Berlin, Berlin!" und das stumpfe "Bang Bang Bang" mogeln sich da gekonnt dazwischen und lockern das Geschehen wieder auf.

Ob WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER schlussendlich "Wieder geil!" sind, muss vermutlich das eigene Fanlager entscheiden, da ich mich für meinen Teil noch nie zu den großen Anhängern der Berliner zählte. Mit "Wir sind 2015 'ne ordentliche Metalcore-Truppe" ließe sich da für meine Wenigkeit aber ein passender Schuh draus machen. Weit entfernt von ihren teils schlimmen Frühwerken zelebrieren die Jungs auf "Wieder geil!" nämlich eine kurzweilige und spaßige, manchmal aber auch an der Beliebigkeit kratzende Sommerplatte, die auf die gespielte Reife des Vorgängers verzichtet und somit vier junge Männer widerspiegelt, die ihre eigene Weiterentwicklung zum ersten Mal nicht nur vorgeben.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (21.05.2015)

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