Shining - IX - Everyone, Everything, Everywhere, Ends

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VÖ: 17.04.2015
Bandinfo: SHINING
Genre: Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Eine der kontroversesten Köpfe der Black Metal-Geschichte kämpft sich wieder seinen Weg an die Oberfläche der Öffentlichkeit. Niklas Kvarforth - Selbstzerstörer, Psychopath, Selbstdarsteller, Kultfigur....viele Bezeichnungen ließ man dem jungen Extremisten schon angedeihen. Was auch immer hinter der exaltierten Bühnenpersönlichkeit stecken mag, klar ist, dass seine fragwürdigen Aktionen und sein Onstage-Gehabe irgendwo zwischen Zwangseinweisung in die Klapse und der Profanität des heutzutage fast salonfähig gewordenen Black Metal-Klischees pendelt. Wie ein kleiner GG Allin auf Black Metal, wohl auch immer bedacht auf die mit einem faden Beigeschmack der öffentlichkeitswirksamen Suicidal/Depressive Black Metal-Reißbrett-Provokationen a la Selbstverstümmelungen und Gewaltexzesse, bahnte sich der von Allmachtsfantasien oder was auch immer getriebene Irrsinn des höchstwahrscheinlich fragilen und unsicheren Schweden ein ums andere Mal seine Wege. Was in früheren Zeiten noch für Furore und Schlagzeilen sorgte (und mithalf, die Band auf einen Status zu hieven, der ihr nicht immer zukommen dürfte) läßt heutzutage maximal die ersten Reihen vor triefendem Lebenssaft und Gewaltausbrüchen bei Liveshows zurückweichen.

Die zuletzt abgelegte Nummerierung der Veröffentlichungen wird wieder aufgegriffen, bei den üblichen sechs Songs pro Album ist man ohnehin geblieben. Der Historie folgend liegt nach dem Vorgänger "Redefining Darkness" nun Album Nr. 9 vor und "IX" beginnt mit einem schaurig-schönen Instrumental, dem mit "Vilja & Dröm" eine harsche Zäsur folgt. Die rock n´ rollige Schwärze senkt sich darnieder und verharrt mit ihrer diffus-dumpfen Präsenz für den Rest des Albums. Der große Negator Kvarforth brüllt seine nihilistischen Parolen im zackig-harten Schwedisch heraus. Die größte Kunst des 31jährigen liegt darin, seine Zweifel, seine Ängste und sein vermeintliches Scheitern zu vertonen, wobei das Schlüsselwort dabei Katharsis zu sein scheint. Behäbig kriechen melancholische Titel wie „Framtidsutsikter” daher, Kvarforth mimt den Eldritch und den McCoy, bevor einen die traurigen, gothic-ähnlichen Hymnen beständig niedersägen. Noch melancholischer und ruhiger, aber auch unter einem Zugewinn an Dunkelheit und Düsternis gegenüber zuletzt, vermag "IX - Everyone, Everything, Everywhere, Ends" zu gefallen. Heftig-dumpfe Knüppelexplosionen gibt es nur selten zu hören („Människotankens Vägglösa Rum”), vielmehr sorgen akustische Gitarren und ein eingestreutes rockiges Gitarrensolo für Abwechslung. “Inga Broar Kvar Att Bränna” wird akustisch gezockt, bevor “Besök Från I(ho)nom” am Ende noch alle auf dem Album vertretenen Trademarks vereint.

Ein würdiger Abschluß für ein eindringliches Werk, dem in der Bonusrunde noch ein RAMMSTEIN-Cover folgt. "Ohne Dich" vermag auch als SHINING-Interpretation zu gefallen, bevor ein episch angelegtes "Black Industrial Eleven" den Sack endgültig zumacht. Die Legionen an Fans werden die neuen Symphonien der Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit begeistert rezipieren. Seine angsteinflößende und abstoßende Aura hat Kvarforth über die Jahre zwar eingebüßt, dennoch vertont er auch auf dem neuen Album seinen inneren Kosmos aus Schuld, Konflikten und Zerrissenheit und garniert das Ganze mit einem stilvollen Artwork. Kvarforth bleibt trotz einer weiteren Entfernung von seinen einstigen harschen Wurzeln und der Verfestigung des zuletzt eingeschlagenen düster-künstlerischen Wegs weiter die Kultfigur und das Kunstobjekt, an dem er über die Jahre beständig gearbeitet hat und hat auch keine Berührungsängste mit dem Erfolg, der ihm zuteil wird. Er scheint seine Dämonen ein wenig zu besänftigen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (10.04.2015)

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