WHILE SHE SLEEPS - Brainwashed

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VÖ: 23.03.2015
Bandinfo: While She Sleeps
Genre: Metalcore
Label: Sony Music Entertainment
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Lineup  |  Trackliste

Das 2012 veröffentlichte Album „This Is The Six“ machte WHILE SHE SLEEPS zu einem absoluten Senkrechtstarter. Während andere Metalcore-Bands sich ihrem Schicksal fügen und lange und hart um Erfolge kämpfen, passierte das bei WHILE SHE SLEEPS quasi über Nacht. Die Jungs sammelten binnen kürzester Zeit Unmengen an Lob, Auszeichnungen, positive Kritiken und weltweite Auftritte.

Dementsprechend waren die Erwartungen an das neue Album „Brainwashed“ sehr hoch. Doch das stand beim Recorden erstmal unter keinem guten Stern: Stimmprobleme mit anschließender Operation bei Sänger Lawrence. Aber das letztendliche Ergebnis zeigt, dass bei WHILE SHE SLEEPS die Leidenschaft zur Musik einfach alles andere übertrifft.

Diese Übergangszeit habe WHILE SHE SLEEPS definitiv nicht dafür verwendet, sich auf dem Ruhm des ersten Albums treiben zu lassen. Ganz im Gegenteil: es wurde an allen Ecken und Kanten gefeilt und eine Perfektion angestrebt, die man ihnen – Hand aufs Herz – irgendwie auch zugestehen muss. Es gilt halt doch, selten ein Schaden ohne Nutzen.

Wer sich die Frage stellt, was denn jetzt eigentlich Metalcore ist, der wird in „Brainwashed“ definitiv eine akzeptable Antwort finden. Auch wenn die Jungs relativ progressiv an die Sache rangehen, stellt „Brainwashed“ gut dar, was Metalcore insbesondere für die Band bedeutet. WHILE SHE SLEEPS müssen nicht lange probieren und schwanken nicht lange zwischen verschiedenen Musikrichtungen, sondern stellen die Fronten deutlich klar.

Doch dabei kommt auch der eigene Stil von WHILE SHE SLEEPS keinesfalls zu kurz. Da gibt es diese Elemente, die einfach geradeaus rausballern, hart und schonungslos, und alles regelrecht umnieten was sich ihnen in den Weg stellt. Man merkt, mit wie viel Kraft, Energie und eben auch Emotionen das Album aufgenommen wurde. Aber dann sind da diese melodischeren Elemente voller Emotionen, dicht gefolgt von hymnenartigen Elementen. Doch auch die wirken deshalb nicht kitschig oder zu soft – sie halten die allgemeine Härte des Albums. Zum Beispiel in „Four Walls“ werden die verschiedenen Elemente offensiv verbunden. Melodisches Intro, melodische Gangshouts, dann setzt das Drumset ein und es geht einfach in die Fresse, bleibt aber dennoch an vielen Ecken absolut melodisch und mitgröhlbar, da die Elemente untereinander wiederum verbunden werden. „Trophies and Violence“ zeigt das System des Albums in Form von schonungsloser Härte die mit wehmutsvollen Melodien kombiniert wird. An den Vocals merkt man allerdings dann doch, dass zwischen den Alben nicht nur Positives geschehen ist. Doch das ganze wird sehr souverän gemeistert und man bekommt nicht nur Gutturales zu hören, sondern auch mal eine etwas klarere Stimme, die dennoch sehr rau klingt.

Etwas skurril wirken für mich die instrumentalen Songs der Platte. Das Intro, „The Divide“, besteht einfach nur als lauter werdenden Hintergrundgeräuschen, die man mit der Atmosphäre von gleich beginnenden Konzerten beschreiben kann. Mit „We Are Alive At Night“, „Kangezu Ni“ und „The Woods“ sind drei weitere Instrumentalstücke auf dem Album, die nach der aufbrausenden Stimmung der vorherigen Tracks eine kleine Pause genehmigen und erstmal wieder für einige Sekunden Raum zum Aufatmen geben. Doch genau der Kontrast zwischen den harten Tracks und den soften Zwischenspielen gibt dem Ganzen noch eine ordentliche Portion Emotionen mit auf den Weg. Ich weiß nicht, ob das Ergebnisse der Zeit waren, in denen Sänger Lawrence ausgefallen ist, oder das Album einfach etwas aufgelockert werden soll. Man kann auch darüber streiten, inwiefern die Instrumentals ihren Platz verdient haben oder nicht. Doch man sollte im Auge behalten, dass sie dem Album definitiv einen besonderen Charakter verleihen.

Gangshouts werden auf „Brainwashed“ noch intensiver eingesetzt, als auf dem Vorgänger-Album „This Is The Six“. Die Männerchöre stechen doch immer wieder sehr intensiv heraus, geben aber ein gewisses Einheitsgefühl. Und das ist es doch auch, was man auf Konzerten insgeheim will: zwischen Moshpits einfach mal gemeinsam und einheitlich mitgröhlen.

Es ist einfach kaum zu glauben, dass dieses Album erst das zweite Album einer relativ jungen Band ist, die noch dazu beim Aufnehmen ziemliche Probleme hatte. Die Texte und deren Message, die Instrumente und deren Sound, die Atmosphäre und Emotionen – es wirkt unglaublich vollkommen. Die Liga der Newcomer haben WHILE SHE SLEEPS vermutlich schon vor ihrem Debut-Album verlassen, „Brainwashed“ bestätigt das definitiv.

Trotz der Schwierigkeiten seitens des Sängers lassen sich die Jungs aus Sheffield nicht unterkriegen und setzten die Messlatte, die sie mit ihrem vorherigen Album sowieso schon ziemlich hoch gesetzt haben, einfach noch höher. WHILE SHE SLEEPS steigen wie ein Phönix aus der Asche auf, das Feuer ist noch lange nicht aus. Und ich, ich bin dann doch ein kleines bisschen sehr verliebt…



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Lora (12.04.2015)

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