THOR - Unchained (ReRelease)

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VÖ: 31.03.2015
Bandinfo: THOR
Genre: Heavy Metal
Label: Cleopatra Records
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Lineup  |  Trackliste

THOR ist Kult. Der vielfach überstrapazierte Begriff passt bei dem kanadischen Sänger jedoch wie die Faust aufs Auge, mehr Metal-Kult geht abseits der MENTORS oder METALUCIFER kaum. Sei es nun optisch, weil es einfach nur skurril ist, wenn in den Videoclips eine martialisch posende und geschminkt-ölige He-Man-Friese, komplett testosteronstrotzend und fell-, spandex- und nietenbewehrt den Plastik-Thorshammer schwingt und den muskelbepackten Früh-MANOWAR-Conan-Metalbarbaren gibt. Kern dieses ReReleases ist die legendäre EP von 1983 (auf vorliegender Veröffentlichung finden sich zusätzlich auch die seltenen Original-Masters), welche auf den Debüt-Longplayer von 1977 folgte. Ein kurzer Überblick über die Karriere des Bodybuilder-Sängers, der seit den frühen Siebzigern musikalisch aktiv war, zeigt bis zur Bandauflösung 1986 gezählte vier Studio-Longplayer.

Seit der Wiederauferstehung 1997 veröffentlicht der mittlerweile in die Jahre gekommene blonde Hüne weiter Studioalben und war auch auf den Bühnenbrettern zu bewundern, der kultige Ruf gründet sich jedoch auf dem Vermächtnis der Achtziger. Dass die Eltern des Guten "Jon Mikl" aus Österreich kamen, mag Parallelen zum großen, mit "Made In Austria"-Gütesigel versehenen, Österreich-Export aus der Steiermark nähren, dennoch hinkt Herr Mikl dem großen Arnie sowohl in puncto Erfolg als auch Aussehen nach. Die Songs der EP triefen jedenfalls nur so vor Herzblut und simplem Metal-Charme. Besonders gefällt "Lightning Strikes Again" mit seinem eingängigen Refrain und den auf dämonisch getrimmten Backgroundstimmen.



So richtig geil sind jedoch das fetzige "Anger" oder das ebenfalls mit Keyboards unterlegte, pfiffige "Lazer Eyes". "Rock The City" ist recht einprägsam geraten, "When Gods Collide" kommt konventioneller daher und "Death March" ist als Instrumental wohl Geschmacksache. Sehr stark ist der mit rauerem Sound ausgestattete Bonustrack-Teil, der zwischen 1983 und 1986 aufgenommene Nummern aufbietet. Das wuchtige "War Hammer" begeistert, toll auch "Rebirth Of A Hero" sowie das klasse, flotte "Rag-Na-Rock". Herrlich auch die nicht zu überhörenden Einflüsse, die etwa von TWISTED SISTER ("Warhammer") über VAN HALEN ("Unchained") bis hin zu den STONES ("She's A Nightmare") reichen. Neben diesen partiellen soundtechnischen Vergleichen bemühte dieses Aushängeschild der unterhaltenden Metal-Kultur auch die Ästethik der damals angesagten Combos (MÖTLEY CRÜE, KISS oder WASP).

Da waren die kult- und trashtriefenden, freiwillig oder unfreiwillig komischen, obskuren Achtziger-Metal-Videoclips zwischen billigen Endzeit-, Sci Fi-, Amazonen- und Barbarenklischees noch gar nicht behandelt. Diese darf man in diesem Zusammenhang nicht verpassen, da sie in ihrer Infantilität und Überzeichnung niedlich wie gleichsam faszinierend, jedenfalls aber äußerst unterhaltsam sind. Einen kleinen Vorgeschmack bietet die Bonus-DVD dieses sehr wertigen Pakets, die dokumentiert, dass der gute THOR mit seiner Begleitband auch showtechnisch nichts anbrennen ließ. Darauf zu sehen Liveaufnahmen aus den Früh- und Mitt-Achtzigern, undergroundig, roh und mit wummerndem Sound und ungeschliffenem Grundrauschen wie frisch von einem Bootleg-VHS-Tape gezogen.



Mit am Start natürlich auch das legendäre Verbiegen eines Eisenstücks, das mit THOR's Zähnen festgehalten wird. Kult auch das Backstage-Footage aus den Studios oder ein Playback-TV-Show-Mitschnitt, der nicht zuletzt dank des Drummers diverse Lacher garantiert. So darf und muss Metal sein! Jeder Zweifler möge umgehend in ein Paralleluniversum katapultiert werden, in dem HELENE FISCHER regiert. Wer auf Kultfaktor und simplen Hardrock/Metal steht und Thor bislang nur für eine nordische Gottheit hielt, muss hier einfach reinhören. Ein Graus für jeden Metal-Schöngeist, das Paradies für alle echten Metal-Warriors! Selten hat das Schreiben eines Reviews so viel Spaß gemacht, die Lachmuskeln strapaziert und wohlige Nostalgiegefühle hervorgerufen. Und nun alle: Fäuste gen Himmel recken und dem großen Metal-Gott huldigen!



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (18.05.2015)

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