Satyricon - Live At The Opera

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VÖ: 01.05.2015
Bandinfo: SATYRICON
Genre: (nicht klassifizierbar)
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Entgegen der landläufigen Stammtisch-Meinungen sind die Karrieren der norwegischen Black-Metal-Größen sehr wohl von Innovation durchzogen. Man denke etwa an MAYHEM, die nicht nur den Second-Wave-BM erschufen, sondern ihn auch fintenreich ins neue Jahrtausend retteten. Man denke an DARKTHRONE, die sich mittlerweile zahlloser anderer Stilformen bedienen, das Rückgrat ihres Sounds aber nie verloren haben. Man denke an DIMMU BORGIR, die vor fünf Jahren auf dem hervorragenden „Abrahadabra“ mit einem 100-köpfigen Orchester experimentieren und ihrem Sound damit eine weitere epische Facette beimengten und man denke schlussendlich an SATYRICON, die wahrscheinlich wandelbarste Band aller Größen, bei denen tatsächlich kein einziges Album wie ein bereits Dagewesenes erklingt.

Letztere haben sich am 8. September 2013 (einen Tag vor dem offiziellen Release des bislang letzten Studioalbums „Satyricon“) etwas Besonderes einfallen lassen und in der norwegischen Oper in Oslo einen einmaligen 97-Minuten-Gig mit dem 55-köpfigen National Norwegian Opera Chor gespielt. Eine Idee, die so neu gar nicht war, denn wie schon Drummer Frost im ausführlichen Interview mit Kollege Stefan Baumgartner betonte, hatten SATYRICON schon im Jahr davor bei einem geschlossenen Event für den Song „To The Mountains“ mit dem Chor zusammengearbeitet. Dass Bombast und Opulenz hier fröhliche Urständ feiern, kann natürlich angenommen werden, denn der Fokus von SATYRICON lag bei diesem exklusiven Stelldichein eindeutig auf den neueren Nummern, die sich ob ihrer hohen Vertracktheit ohnehin hervorragend für eine artfremde Kooperation eignen.

Bevor es dazu kommt, gilt es natürlich den bestuhlten Saal durchzurütteln, was Satyr, Frost und den in feinen Zwirnen gewandeten Chor bereits beim Klassiker „Repined Bastard Nation“ gelingt. Die Vermischung aus Black Metal und Klassik gelingt – wenig überraschend – hervorragend. Perfektionist, wie Satyr bekanntlich ist, ließ man bei der etwa eineinhalb Jahre andauernden Vorbereitungszeit kaum Fragen offen und Aspekte unbehandelt. Besonders intensiv tönt die musikalisch interessante Wechselbeziehung bei den atmosphärisch dichten Songs aus den Boxen. „Our World, It Rumbles Tonight“ ist ein erstes Beispiel der wuchtigen Intensität beider Welten, „Die By My Hand“ und „Tro Og Kraft“ ebenso, bevor mit der fabelhaften Stimme von Gastsänger Sivert Høyem (ex-MADRUGADA) das bahnbrechende „Phoenix“ für den definitiven Höhepunkt des Sets sorgt.

Natürlich sind die All-Time-Klassiker wie „Mother North“, „K.I.N.G.“ oder „The Pentagram Burns“ im letzten Konzertdrittel über alle Zweifel erhaben, aber es sind tatsächlich die neuesten Songs im Backkatalog, die sich hervorragend mit den klassischen Arrangements vermischen, ohne überkandidelt zu klingen. Die partiell fast kirchlich wirkenden Chor-Passagen geben den starken SATYRICON-Songs zudem eine Art Filmscore-Zusatzatmosphäre und sind auf dem in Ton und Bild perfekt festgehaltenen DVD-Dreher niemals überflüssig oder erzwungen eingebaut. Das besondere Schmankerl: Gerade der bei Live-Konzerten fast unsichtbare Frost wird es öfters mit detailreichen Kameraeinstellung beim viehischen Fellgerben eingefangen, was den unzähligen Hardcore-Fans wohl das Ejakulat aus dem Hodensack schießen lässt – zurecht!

Für das einmalige Erlebnis durften SATYRICON auch Fans aus aller Welt begrüßen, wie Satyr in einer seiner wenigen auf Englisch gehaltenen Ansprachen richtigerweise feststellt. Aufgrund des Heimvorteils setzt der Mittvierziger ansonsten verständlicherweise auf Norwegisch und – wie üblich – noch viel lieber auf die druckvolle Musik seiner Band. „Live At The Opera“ ist somit nichts weniger als ein wuchtiges und in sich geschlossenes Live-Manifest, dass eine innovative Band an der Spitze ihrer Kreativität zeigt. Zu schade, dass es dieses Paket aus logistischen und finanziellen Gründen niemals auf Tour schaffen wird. Wer unlängst die letzten SATYRICON-Shows in Österreich und/oder Deutschland gesehen hat weiß, dass Satyr und Frost derzeit in galaktischer Form aufgeigen.



Ohne Bewertung
Autor: Robert Fröwein (27.04.2015)

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