OCEANWAKE - Sunless

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VÖ: 13.03.2015
Bandinfo: OCEANWAKE
Genre: Death
Label: ViciSolum Productions
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Lineup  |  Trackliste

Endlich werden die Tage wieder länger, die Luft wird wärmer und riecht nach tausend Blumen, das Gemüt lebt auf und die Motivation erreicht nie dagewesene Höhen. Und dann kommen die Finnen von OCEANWAKE mit diesem schwarzen Loch von Klangerlebnis daher. Wie soll man sich da noch ordentlich auf den Frühling konzentrieren bitte? Die vier Tracks zwischen acht und 16 Minuten Spieldauer drehen sich langsam und unaufhaltsam wie ein Strudel zäher Lava, die direkt in den Orkus zirkuliert. Doom Death möchte ich es zusammenfassend nennen, und ab und zu reicht man sogar an die schwer zu kopierende Schwarznis von TRIPTYKON heran, hie und da driftet man überhaupt in melancholische Halbschatten-Gefilde ab, die an die deutschen Goten-Epiker von DIE ART erinnern. Dass bei diesen Songlängen natürlich jedes der vier dunkelbunten Werke eine Story in sich erzählen will, liegt auf der Hand, ist aber hier eh eher zweitrangig. Sänger Eero Haula tänzelt gekonnt zwischen bitterbösem Todes-Gegrowle und daneben fast schon erfrischend erscheinendem Clean-Gesang umher, die Instrumental-Fraktion bricht sich bei dem Tempo erst mal nix, macht ihre Sache aber auch in Slo-Mo gut, klingt kompakt und schafft atmosphärisch dichte Strukturen.

Eine gewisse Traurigkeit zieht sich durch alle Stücke, klar - OCEANWAKE ist keine Combo, bei der das Publikum lachend im Kreise hüpft. Man möchte wohl eher ein Räucherstäbchen entzünden, sich an den Hallenboden kuscheln und das wässrige Venue-Bier gegen einen guten Rotwein aus dem Jahre 1956 tauschen. "The Lay Of A Coming Storm", mit fast 16 Minuten das längste Lied, macht seinem Titel alle Ehre - man spürt förmlich wie sich der Sturm zusammenbraut, auch wenn das latente Unheil, das im Raum hängt, durch fast schon kitschige Akustikgitarren-Soloausflüge zwischendurch in den Hintergrund gedrängt wird. "Parhelion" fußt in einem simplen Riff, betonschwer, von dem aus das Quintett sich in kleinen, aber effektiven Schnörkseln ergeht. Und immer wenn man denkt es geht nicht mehr (langsamer), kommt irgendwo ein weiterer Klumpfuß-Rhythmus daher. Auch hier wieder zarte, an die Neofolklore von NUCLEUS TORN erinnernde Akustik-Spielereien, auch hier wieder der Eindruck, CULT OF LUNA wären im direkten Vergleich beinahe Speed Metal. "Avanturine" täuscht mit seinem fast schon zu positiv klingenden Beginn eine Auflockerung der ultradichten Soundschwaden vor, dreht aber schnell (sofern man dieses Wort überhaupt in diesem Kontext gebrauchen kann) wieder in Richtung "PARADISE LOST anno 1993 für gesteigert Depressive" ab, da helfen auch die paar Dur-Inseln im rabenschwarzen Moll-Ozean nichts.

"Ephemeral", auch fast elf Minuten lang, schließt den schwarzen Reigen ab und man verlässt auch hier den vorgegebenen Pfad nicht wirklich. Dadurch mag "Sunless" (oh, welch prophetischer Titel!) beim ersten Drüberhören vielleicht etwas monoton erscheinen, was man hier durchaus als Programm verstehen kann und will. Im Vergleich zum noch etwas orientierungslosen Debüt "Kingdom" (2013) schafft man aber eine schlüssige, zusammenhängende Struktur. Man muss OCEANWAKE zu Gute halten, dass sie ihr Ding mit einer an Wurstigkeit grenzenden Sturheit durchziehen, sich nicht mal im Traum erdreisten, irgendwie mit technischen Höchstleistungen beeindrucken zu wollen und schon alleine dadurch ziemlich authentisch klingen. Die Magie der Songs liegt im - für das ungeschulte Ohr oft schwer auszumachenden - Detail, und wenn man sich die Musik noch zur passenden Szenerie wie etwa eine nächtliche Autofahrt durch ein Unwetter reinpfeift, werden einem nicht nur einmal die Nackenhaare zu Berge stehen. Mission also erfüllt. Dafür gibt's Szenenapplaus und drei pechschwarze Punkte.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (27.05.2015)

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