Nachtgeschrei - Staub und Schatten

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VÖ: 07.08.2015
Bandinfo: Nachtgeschrei
Genre: Mittelalter Metal
Label: Oblivion/SPV
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Lineup  |  Trackliste

Es geht um das Ende und den Anfang, es geht um die Liebe und den Tod, es geht um "Staub und Schatten". Auf diesen vielsagenden Namen hört nämlich der fünfte Longplayer der hessischen Folk/Mittelalter-Rock-Combo NACHTGESCHREI. Obwohl die erste Assoziation mit dem Bandnamen immer gleich auf einen derben Black-Metal-Output schließen lässt, emanzipiert der sympathische Siebener sich mittlerweile vom ewigen Geheimtipp zu einer festen Größe in der deutschen Folk-Szene. Das hat einerseits mit dem bärenstarken Vorgängeralbum "Aus schwärzester Nacht" und andererseits sicher auch mit der musikalischen Entwicklung der Band zu tun. Neo-Fronter Martin hat am Vorgänger sein Debüt gegeben und gezeigt, dass es in der Nische zwischen IN EXTREMO und SALTATIO MORTIS noch genügend Platz für einen weiteren Player gibt, der dem Genre seinen ureigenen Stempel aufdrückt. Mit einem ausgefeilteren, spannenderen Songwriting, einer treibenden Produktion und dem nunmehrigen Label-Wechsel (zu Oblivion/SPV) setzen die Jungs Schritt für Schritt zum Erfolg - beständig und aufstrebend.

Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, dass NACHTGESCHREI zweieinhalb Jahre nach dem letzten Album nun wieder mit neuem Material an den Start gehen. Unter dem Titel "Staub und Schatten" veröffentlichen die Deutschen zwölf brandneue Tracks, die sich wirklich sehen bzw. hören lassen können. Stilistisch führen sie den eingeschlagenen Pfad des Vorgängers konsequent fort und präsentieren auf "Staub und Schatten" eine mitreißende Mischung aus Up-Tempo-Mittelalter-Rock und deutschem Rock, der von Folk-Instrumenten unterstützt und manchmal auch konterkariert wird. Der unglaublich starke Titeltrack kann dabei als perfektes Exempel herangezogen werden - ein knüppelndes Schlagzeug, eine eingängige Hookline und Dudelsäcke, die den Song in fetter Manier aus den Boxen schallen lässt. Das ist NACHTGESCHREI, wie sie leiben und leben!

Inhaltlich umreißen die Jungs wie immer die ganz großen Themen - vom Ende der Zeit bis hin zum großen Krieg. Sie schaffen aber immer den wunderbaren Spagat aus Pathos und Nüchternheit, ohne je kitschig zu werden. Wenn "Lunas Lied" beispielsweise symphonisch-balladesk beginnt, um zum Schluss in eine aggressive und gleichzeitig ruhige Bridge zu münden, dann funktioniert das. Ohne Umschweife und ohne Kritik. Die Songs sind nämlich ausgefeilt genug, um zu jeder Zeit den Spannungsbogen zu halten. Egal ob der eingängige Rock-Opener "Monster", die treibende "Wilde Jagd", das stampfende, nach vorne preschende "Eden" oder sogar das unheimliche Interlude "Kerberos" - "Staub und Schatten" ist ein von vorne bis hinten funktionierendes Gesamtwerk, das zu keiner Sekunde langweilig ist. Natürlich ist dieses Album kein Hit-Feuerwerk im engeren Sinne und der ein oder andere Song braucht schon mal mehrere Durchgänge, um wirklich zu zünden. Irgendwie hat aber jeder einzelne Titel das gewisse Etwas - ein Charakteristikum, das dem letzten Album noch ein wenig gefehlt hat. "Staub und Schatten" wirkt kompakter, teilweise ein wenig aggressiver und dafür umso zwingender.

Wem folkiger Mittelalter-Rock/Metal mit deutschen Texten, der sich hauptsächlich im Up-Tempo-Bereich aufhält, gefällt und die Schlagrichtung SALTATIO MORTIS bevorzugt, ist bei NACHTGESCHREI genau an der richtigen Adresse. "Staub und Schatten" ist ein richtig starkes Album geworden, das die Diskografie der Band mehr als nur aufwertet. Eine Empfehlung - ganz klar!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: mat (29.07.2015)

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